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Kultur
Männer sind als Minderheit stets im Visier

Die Weibsbilder Claudia Thiel (links) und Anke Brausch, wie sie ihr Publikum kennt und liebt: als lästerndes Duo, vor dem weder Mann noch Frau sicher sind.
Die Weibsbilder Claudia Thiel (links) und Anke Brausch, wie sie ihr Publikum kennt und liebt: als lästerndes Duo, vor dem weder Mann noch Frau sicher sind. FOTO: Ursula Schmieder
Reinsfeld. Etwa 220 Besucher hatten ihren Spaß beim Gastspiel des Kabarett-Duos „Weibsbilder“ in der Reinsfelder Kulturhalle.

Anke Brausch in Polizeiuniform und Claudia Thiel brav in Rock und Bluse. In diesen Monturen kennt die „Weibsbilder“ wohl jeder, der sie schon mal auf der Bühne erlebt hat. Dabei sind sie nur zwei von vielen, mit denen sich das Duo auslebt. In der Reinsfelder Kulturhalle schlüpften sie immer wieder in andere Rollen – und das im Minutentakt. So überzeugte etwa Anke als schwankende Volltrunkene, die sich gehörig Luft macht über den vermeintlichen Schlendrian der Beamten, die sie auf ihren Führerschein warten lassen. Claudia begeisterte unter anderem als auf ihrer Harfe flötender Engel – in zartgelbem Gewand, das die „Cremefüllung“ ihrer Figur zur Geltung brachte.

Das Duo beeindruckte die Zuschauer und Zuhörer vor allem mit seiner Schlagfertigkeit. Ob dick oder dünn, Mann oder Frau, Kevin oder Schantalle – bei ihnen bekommt jeder sein Fett weg. Und ganz besonders diejenigen, die sich in die vorderen Reihen trauen. So wie „Horst und Peter“, zwei seit Jahrzehnten verheiratete Weibsbilder-Begeisterte. Einmal ins Visier der Frauen geraten, spielten sie bereitwillig mit. Der für die Ehe „überqualifizierten“ Anke nahmen sie so ebenso den Wind aus den Segeln wie Claudia, die sich eher als Wok sieht, denn als Topf, der keinen passenden Deckel findet.

Teil des Programms zu sein, war für Horst Ballatré aus Hermeskeil und Peter Dewald aus Nonnweiler nicht wirklich überraschend. Es sei ihnen bewusst gewesen, dass da Leute herausgepickt werden. Und da sie als Männer im Publikum eine Minderheit von selbst geschätzten drei Prozent stellten, schien es nicht unwahrscheinlich, an die Reihe zu kommen. „Aber es gefällt mir trotzdem gut“, versicherte Ballatré. Die Damen machten das ja auf eine nette Art und Weise und wer zu einer solchen Veranstaltung gehe, müsse mit so was rechnen. Auch für Dewald war es schon vorab „klar, dass so was kommt“. Aber die Damen seien halt „echt gut“. Inge Schömer aus Reinsfeld sieht das ähnlich. In der ersten Halbzeit beeindruckte sie vor allem Ankes Auftritt als Trunkene. Das habe sie „sehr gut gespielt“.

Mit dem Kabarettabend feierte die Frauengemeinschaft Reinsfeld ihr 90-jähriges Bestehen. Vorstandsmitglieder hatten die seit 1996 tourenden Eifeler Weibsbilder schon woanders erlebt. Daher beschlossen sie laut Andrea Neufing, der Ersten Vorsitzenden: „Wir lassen uns bespaßen.“ Etwa 220 Besucher bescherte das dem Verein mit derzeit an die 250 Mitgliedern. Sie sind bekannt für ihr soziales Engagement, wofür der Strickkreis, der regionale wie internationale Projekte unterstützt, nur ein Beispiel ist.