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Tiere
Katze unter Erde in Rohr gefangen: Nach 15 Stunden ist Minka frei (Fotos/Video)

Die Katze Minka wird erschöpft und lebendig aus einem zehn Zentimeter dicken Rohr tief unter dem Garten befreit.
Die Katze Minka wird erschöpft und lebendig aus einem zehn Zentimeter dicken Rohr tief unter dem Garten befreit. FOTO: Florian Blaes
Schillingen. Stundenlanger Einsatz in der Hochwaldgemeinde Schillingen: 20 Helfer bringen eine Katze aus einem Kanalrohr in mehr als drei Metern Tiefe in Sicherheit.

Große Aufregung am Mittwochnachmittag in Schillingen (VG Kell am See): Die Katze von Reinhold Thome ist seit mehreren Stunden verschwunden. Normalerweise müsse er nur vor die Tür gehen und laut pfeifen, „dann kommt unsere Minka schon von alleine gelaufen“, sagt er. Nach stundenlanger Suche hört Thome in der Nacht zum Donnerstag lautes Katzenschreien. Die Geräusche kommen aus einem Rohr in Nachbars Garten.

Noch in der Nacht kommen Mitarbeiter des Abwasserwerkes und führen mit Erlaubnis des Nachbarn eine Kamera in das Rohrsystem ein. Auf dem Bildschirm erscheint der Kopf der Katze. Thome atmet auf – doch es liegt noch jede Menge Arbeit vor den Helfern, bis Minka frei ist. Die Katze steckt in einem zehn Zentimeter dicken Rohr drei Meter unter der Erde fest.

Sie muss dort über ein Rohrsystem hineingekrochen sein, das überschüssiges Wasser bei starkem Regen in ein Auffangbecken leitet. Thome sagt: „Schon dreimal ist in das Rohr eine Katze hineinge­klettert. Die beiden Male davor kamen sie immer wieder alleine raus.“ Der Katzenbesitzer ist über die Verbandsgemeindewerke der VG Kell am See verärgert. Schon mehrmals habe er dort angerufen und auf die Missstände und das offene Rohr hingewiesen, das für Tiere gefährlich sei. Doch geschehen sei bis heute nichts.

Katzenrettung
Katzenrettung FOTO: Florian Blaes

Der Leiter der VG-Werke Jörg Jost erklärt, dass um die Becken ein Zaun errichtet wurde. „Man kann das Rohr aber nicht so dicht machen, dass es absolut katzensicher ist.“

Mittags gegen 12.30 Uhr fahren schließlich Bauarbeiter aus Zerf mit Kipper und Bagger an – früher ging es nicht, weil es angefangen hatte, stark zu schneien. Schließlich beginnen die Aushubarbeiten mit dem Bagger. Die Bauarbeiter wissen, wo sich die Kamera im Boden befindet, mit der die Katze entdeckt wurde. Dort beginnen sie zu graben.

Katzenrettung
Katzenrettung FOTO: Florian Blaes

Nachbar Sven Philippi sagt: „Für mich ist das gar keine Frage: In meinem Garten steckt eine Katze fest, also werde ich alles tun, dass man das Tier retten kann.“ In seinem Vorgarten wird das Loch zu den Rohren immer größer und tiefer. Mehrmals kommt der Detektor zum Einsatz, um die genaue Stelle der Katze zu orten.

Am Nachmittag halten alle den Atem an, denn nach dem starken Schneefall setzt Tauwetter ein. Das Wasser vom gesamten Dach läuft in die Zisterne des Hauses. Da diese randvoll mit Wasser gefüllt ist, läuft das Schmelzwasser ungehindert in die Kanalisation und somit in das Rohr, indem die Katze feststeckt.

Sven Philippi wählt die Notrufnummer 112. Die Feuerwehr soll mit Pumparbeiten unterstützen. Kurz darauf heulen die Sirenen in Schillingen. Schnell rückt eine Gruppe von Einsatzkräften in der Straße an. Philippi sagt zu den Feuerwehrleuten: „Die Zisterne muss leergepumpt werden, sonst ertrinkt uns hier die Katze.“ Sogleich kommt eine starke Tauchpumpe zum Einsatz und leitet das ganze Wasser in die Straßenkanalisation ab.

Mit Hilfe einer Spezialkamera finden die Helfer das Tier in der Kanalisation.
Mit Hilfe einer Spezialkamera finden die Helfer das Tier in der Kanalisation. FOTO: Florian Blaes

Nun kann die Arbeit mit dem Bagger fortgesetzt werden. Mehr als 20 Kubikmeter Erde werden nach und nach ausgehoben. Ein Schutz gegen das Herabfallen von weiterer Erde wird angebracht. Und nun beginnen die Feinarbeiten mit Hacke und Schaufel. Es ist schon eine schweißtreibende Arbeit der drei Männer des Bauunternehmens. Aber auch für sie ist es selbstverständlich, zu helfen.

Am späten Nachmittag liegt schließlich nach mehrmaligen Verschiebungen und Vergrößerungen des Loches das Rohr frei, in dem Minka festsitzt. Mittlerweile kommen immer mehr Kinder und erwachsene Bewohner des Dorfes  zur Unglücksstelle und bestaunen die Arbeit aller Helfer. In das Rohr wird ein Loch geschnitten, und mit einer zweiten Kamera wird die Katze genauer geortet. Wegen des Baggerlärms war das Tier einige Meter in Richtung Wohnhaus gekrochen.

Herrchen Reinhold Thome ist in die Grube mit hinuntergeklettert und ruft nach seiner Minka. Dann die Erlösung um 16.14 Uhr: Die Katze kommt zur Öffnung des Rohres, wird herausgezogen. Sie ist nach mehr als 15 Stunden gerettet.

Erleichterung und Erschöpfung macht sich bei allen Helfern breit. Umgehend wird die nasse und erschöpfte Katze in ein Tuch eingewickelt und zur Untersuchung in die Tierklinik gebracht.

Weinend und überaus dankbar hält der Besitzer seine geliebte Minka in den Armen: „Ich bin überaus glücklich, das sie gerettet wurde.“ Nicht nur er, sondern auch seiner Frau Elke fällt ein Stein vom Herzen.

Katzenrettung
Katzenrettung FOTO: Florian Blaes