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Heimatgeschichte
Archiv für den Hochwald: Verein hütet regionale Schätze in der Kaserne

Dittmar Lauer, Hermann Arend und Roland Eiden (von links) zeigen zwei der historischen Dokumente, die im Archiv in der Hochwaldkaserne lagern: ein ab 1680 geführtes Gerichtsbuch des ehemaligen Amts Dhronecken (links) und eine Darstellung des Herrschaftsgebiets der Grafen von Sayn-Wittgenstein im Raum Hermeskeil/Dhronecken um 1765.
Dittmar Lauer, Hermann Arend und Roland Eiden (von links) zeigen zwei der historischen Dokumente, die im Archiv in der Hochwaldkaserne lagern: ein ab 1680 geführtes Gerichtsbuch des ehemaligen Amts Dhronecken (links) und eine Darstellung des Herrschaftsgebiets der Grafen von Sayn-Wittgenstein im Raum Hermeskeil/Dhronecken um 1765. FOTO: Ursula Schmieder
Hermeskeil. Für Heimatforscher hält der Kulturgeschichtliche Verein Hochwald eine einzigartige Sammlung bereit. Das Archiv wird zudem kontinuierlich aktualisiert und ergänzt, derzeit um Bestände der Pfarrei Sankt Franziskus Hermeskeil. Von Ursula Schmieder

Wie haben die Menschen in früheren Zeiten im Hochwald gelebt? Was hat sie damals beschäftigt? Wie war ihr Alltag organisiert? Dazu trägt der Kulturgeschichtliche Verein Hochwald historische Dokumente aller Art zusammen. Für ihr umfangreiches Archiv haben die Heimatforscher vor einem Jahr in der ehemaligen Hochwaldkaserne in Hermeskeil ein neues Domizil gefunden. Seitdem wird die Sammlung immer wieder um neue Bestände aktualisiert, derzeit um das Archiv der Pfarrei Sankt Franziskus Hermeskeil (siehe Info).

In insgesamt sieben Räumen der früheren Kaserne lagern wahre Schätze. Ein ab 1680 geführtes Gerichtsbuch ist dafür nur ein Beispiel. Wie viele andere Kostbarkeiten wird es in feuersicheren Panzerschränken aufbewahrt. Denn es birgt für die regionale Geschichtsschreibung wichtige Informationen, beispielsweise über Kauftverträge oder Erbschaftsstreitigkeiten im ehemaligen Amt Dhronecken.

Daneben lagern viele weitere wertvolle Dokumente wie handschriftliche Aufzeichnungen oder Unterlagen von Pfarr- und Zivil-Gemeinden. Sorgsam archiviert sind zudem Ausgaben der „alten“ Hochwaldzeitung der Druckerei Lohmer von 1888 bis Mitte der 1930er und insgesamt cirka 5000 Bücher. Darunter sind auch Ortschroniken aus dem Raum Hermeskeil, Kell am See, Thalfang, Morbach und dem nördlichen Saarland.

Alles das macht das Hochwald-Archiv zu einer im weiten Umkreis einmaligen Sammlung, die darüber hinaus – eine weitere Besonderheit – ehrenamtlich gepflegt wird. Die Mitglieder des Kulturgeschichtlichen Vereins Hochwald tragen dafür Sorge, dass die Bestände optimal gelagert, archiviert und katalogisiert werden. Und das gilt für die ältesten Schätze von Heimatforschern der ersten Stunde ebenso wie für jüngeres Material, das dem Verein über private Nachlässe anvertraut wird.

Vor allem aber ist die im Hochwaldarchiv lagernde Fachliteratur „auf dem neuestem Stand“, betont der Vereinsvorsitzende Dittmar Lauer. Neu erscheinende Werke wie Publikationen von Universitäten erwirbt er umgehend für die folglich immer „aktuelle wissenschaftliche Präsenzbibliothek“. Wer auch immer im oder über den Hochwald forscht, soll verlässlich darauf zugreifen können, sagt Lauer.

Parallel zu dem zeitintensiven Engagement bemühen sich Mitglieder des Vereins um eine enge Zusammenarbeit mit weiterführenden Schulen, regionalen Geschichtsvereinen und Heimatforschern. Ein weiteres zentrales Anliegen ist die angemessene Würdigung der römischen Geschichte Hermeskeils. Die Ausgrabungen an dem vor ein paar Jahren entdeckten Römerlager aus Cäsars Zeit sind für Lauer schlichtweg eine „archäologische Sensation“. Damit darüber nicht irgendwann einfach wieder „Gras wächst“, setzt sich der Vorstand für einen Informationspunkt vor Ort ein. Ein kleines Gebäude könnte als „Fenster in die Vergangenheit“ auf weitere Angebote wie das Heimatmuseum, den Archäologiepark Belginum oder den Otzenhausener Ringwall hinweisen. „Wir wollen die Diskussion beflügeln – da muss etwas passieren“, sagt Lauer.

Das ursprüngliche Projekt des Vereins, für den Karl-Heinz Kaub eine digitale Bildersammlung aufbaut, ist die Jahreszeitschrift „Der Schellemann“. 2017 erschien die 30. Ausgabe, die 31. wird am 29. November vorgestellt. Mitglieder engagieren sich zudem für das Hermeskeiler Hochwaldmuseum, das dank einer Kooperation mit dem benachbarten Feuerwehrmuseum wieder täglich besucht werden kann. Der Kulturgeschichtliche Verein übernimmt von dem Museumsförderverein Aufgaben wie die Sorge ums Haus und Führungen, die etwa von Renate Meyer und Volkard Hubert angeboten werden.

Für die laufenden Archiv-Kosten, jährlich cirka 5000 Euro, hofft der sich vor allem aus Mitgliedsbeiträgen finanzierende Verein auf Zuschüsse von Verbands- und Ortsgemeinden, Kreis und Stadt. Bereits zugesagt sind jährlich 1000 Euro von der Pfarrei in Hermeskeil. Außerdem bietet der Verein Studienfahrten wie 2018 nach Leipzig, Exkursionen wie am 29. September zur Abtei Tholey, Wanderungen und Vorträge wie zum Kloster Wüstenbrühl, 21. September, oder zum Thema Hexenverfolgung, 23. November.