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Mainz macht Geld für Hentern mobil

Noch studieren Ortschef Bernhard Wagner und Marlene Kopp nur die Pläne: Wenn alles gut läuft, wird aber bereits im Frühjahr 2005 mit dem Umbau der alten Scheune des Landgasthofs Kopp zum Henterner Bürgersaal begonnen.Foto: Axel Munsteiner
Noch studieren Ortschef Bernhard Wagner und Marlene Kopp nur die Pläne: Wenn alles gut läuft, wird aber bereits im Frühjahr 2005 mit dem Umbau der alten Scheune des Landgasthofs Kopp zum Henterner Bürgersaal begonnen.Foto: Axel Munsteiner
HENTERN. Das Projekt ist in dieser Art in der Region Trier einzigartig: In Hentern wollen die Gemeinde und die Besitzerin des Landgasthofs Kopp die leer stehende Scheune des Gebäudes gemeinsam zum neuen Bürgersaal ausbauen. Jetzt hat das Land einen Zuschuss von 310 000 Euro zugesagt. Damit steht die Finanzierung. ARRAY(0x8ddc3138)

"Wir haben in Mainz den gordischen Knoten durchschlagen", bringt der neue Gemeindechef Bernhard Wagner das Ergebnis eines Gesprächs im Innenministerium auf den Punkt. Denn bei aller Einigkeit im Ort über den Bau eines Bürgersaals in der großen Scheune des Landgasthofs Kopp und bei allen wohlwollenden Bekundungen, die in der Landeshauptstadt den Henterner Plänen stets entgegengebracht wurden - wie die Gemeinde und Marlene Kopp als private Investorin das gemeinsame Projekt verwirklichen sollten, das war lange unklar.Illusionen geraubt

Zwar hatte der Gemeinderat bereits im Juli 2002 unter Wagners Vorgänger Eugen Schwickerath das Vorhaben einstimmig auf den Weg gebracht, auch hatte Bürgermeister Werner Angsten von Anfang an die volle Unterstützung der VG zugesagt. Doch stehen oder fallen würde der Bau des Bürgersaals mit der Förderung aus Mainz - das wurde schnell deutlich. "Anfänglich hatte man gedacht, die Finanzierung sei reine Formsache. Dem war aber nicht so. Als die Bausumme bekannt wurde, hat das den Investoren zunächst alle Illusionen geraubt", blickt Wagner zurück. Denn es wird voraussichtlich 650 000 Euro kosten, die an das bekannte Restaurant angrenzende Scheune abzureißen und danach einen Neubau zu errichten, in dem später bis zu 160 Personen bei größeren Veranstaltungen Platz finden. Hinzu kommen das Foyer und ein Sanitär- und Küchengebäude. "Optisch bleibt der Charakter der Scheune aber erhalten", betont Wagner. Vor wenigen Tagen konnten der Ortschef und Angsten dann mit einer erfreulichen Nachricht nach Hause zurückkehren. Im Innenministerium hatte Rudolf Oster, der Leiter der Kommunalabteilung, nicht nur erneut hervorgehoben, dass das Land das Vorhaben wegen seiner besonderen Bedeutung positiv sehe. Zugleich gab es für die Henterner auch die lang ersehnte Förder-Zusage und einen konkreten Finanzierungsvorschlag, dem der Henterner Gemeinderat inzwischen zugestimmt hat. Demnach wird sich das Land aus dem Topf für Dorferneuerungsmittel mit 310 000 Euro an dem Projekt beteiligen, die Besitzerin des Landgasthofs investiert 145 000 Euro und die VG übernimmt - wie bei Vorhaben dieser Art üblich - zehn Prozent der Gesamtkosten, also 65 000 Euro. Die Gemeinde muss schließlich 85 000 Euro schultern und zudem Eigenleistungen im Wert von 45 000 Euro erbringen. Obwohl der Gemeindehaushalt defizitär ist, "ist dies für Hentern finanzwirtschaftlich absolut machbar. Was bei Bürgerhäusern den Kommunen oft das Leben schwer macht, sind die Folgekosten. Und die bleiben der Gemeinde in Hentern erspart", betont Angsten. "Die Gemeinde muss nur einmal investieren und hat dann 30 Jahre lang den Zugriff", stellt auch Ortschef Wagner heraus. Die Unterhaltskosten zahlt nämlich Kopp, die den Bürgersaal für größere Veranstaltungen oder private Feiern in ihrem Restaurant nutzen kann. Ansonsten ist der Saal für Aktivitäten von Vereinen oder der Gemeinde reserviert. Im Grundsatz stehe die Nutzungsvereinbarung zwischen Gemeinde und privater Investorin schon, müsse aber jetzt noch konkretisiert werden, betont Wagner.Nicht ganz vorne auf der Prioritätenliste

Er erhofft sich von dem Bürgersaal, der "uns wirklich gefehlt hat, einen neuen Schub fürs Dorfleben". "Vereine, die bislang in die Nachbarorte ausweichen mussten, haben dann wieder ein Domizil in Hentern, das Angebot an kulturellen Veranstaltungen kann verbessert werden und selbst die Kirmes wird künftig möglicherweise im Bürgersaal gefeiert", sagt Wagner. Eine Frage ist derzeit aber noch nicht geklärt: Die Henterner rechnen zwar mit dem Beginn des Bürgersaal-Baus im Frühjahr 2005 und visieren die Fertigstellung "irgendwann zeitig im Jahr 2006" (Wagner) an. Doch ob bis dahin die Zuschuss-Gelder schon geflossen sind, bleibt offen. Auf der Prioritätenliste des Kreises, der die Fördermittel aus dem Dorferneuerungstopf an die Kommunen verteilt, steht das Henterner Projekt nicht ganz vorne. Geht es nach dieser Liste wären andere Orte, beispielsweise Kreuzweiler, eher am Zug. Doch möglicherweise muss Hentern nicht für längere Zeit auf der Warteliste anstehen. Denn: "Es laufen Bemühungen, eine Lösung auch für Hentern zu finden, ohne dass andere Ortsgemeinden benachteiligt werden", sagte der Kreisbeigeordnete Dieter Schmitt (CDU) auf TV -Anfrage.