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Mit dem Rollstuhl durch den Nationalpark

Warum nicht auch mal eine knifflige Passage ausprobieren, wenn Ranger Jens Geigenmüller notfalls helfen könnte? Doch den engen Steg schafft Peter Musti sogar aus eigener Kraft, dank des elektrisch angetriebenen Zuggerätes. TV-Foto: Ursula Schmieder
Warum nicht auch mal eine knifflige Passage ausprobieren, wenn Ranger Jens Geigenmüller notfalls helfen könnte? Doch den engen Steg schafft Peter Musti sogar aus eigener Kraft, dank des elektrisch angetriebenen Zuggerätes. TV-Foto: Ursula Schmieder
Muhl/Thranenweier. Dank barrierefreier Wege können auch Menschen mit Behinderung durch den Nationalpark Hunsrück-Hochwald streifen. Kleine Zuggeräte helfen an schwierigen Stellen. Peter Musti jedenfalls macht das einen Heidenspaß. Ursula Schmieder

Der Pfad, der rings um den Weiher führt, ist schmal und holprig. Doch nun will es Peter Musti wissen. Kann er das per Rollstuhl - und ohne Unterstützung Dritter - schaffen? Den schmalen Holzsteg eingangs des Pfades überwand er jedenfalls schon mühelos. Das vor den Rollstuhl angekuppelte Zuggerät der Marke Swiss-Trac zog ihn sogar über den kleinen Absatz des ersten Brettes. Denn der Pfad, der es dem Mitglied der Arbeitsgruppe barrierefreier Nationalpark Hunsrück-Hochwald angetan hat, ist nicht Teil der barrierefreien Inseltour.

Ohne körperliche Einschränkungen lässt er sich zwar bequem gehen. Doch für Musti, der als Jugendlicher an Kinderlähmung erkrankte, ist er eine echte - aber nicht unangenehme - Herausforderung. "Das macht Spaß", sagt er, als er die Runde tatsächlich gepackt hat. Bei einem zweiten Steg musste Ranger Jens Geigenmüller zwar kurz schieben, da der nasse Boden zu sehr nachgab. Doch Mustis Freude kann das nicht schmälern.

Schließlich ist es für ihn schon manchmal auf gut befestigten Waldwegen beschwerlich, voranzukommen. Denn geschotterte Strecken sind je nach Witterung oft weich und immer wieder versperren Pfützen den Weg. "Bei solchen Bodenverhältnissen mit einem Rollstuhl zu fahren, ist mindestens mühsam", stellt Musti fest.

Elektro-Rollstühle seien kaum für solches Gelände geeignet. Und bei einem normalen, per Hand zu bedienenden, Rollstuhl würden die Hände schnell schmutzig. Die durch das Zuggerät ermöglichte Unabhängigkeit weiß er deshalb zu schätzen. Zumal er die Inseltour das allererste Mal mit seinem eigenen Rollstuhl meisterte - ohne zusätzlichen Antrieb, aber nicht alleine unterwegs. "Es hat geklappt, aber mit Hilfe", räumt er ein. Beim zweiten Mal testete er die Tour, die auch mit Steigungen aufwartet, mit dem Zuggerät, das ging dann deutlich besser.

Das Nationalparkamt schaffte Ende 2015 zwei dieser Geräte an, die jeweils unterschiedliche Sitzbreiten haben. So kann das zweite immer für einen etwaigen Notfall mitgeführt werden. Der Swiss-Trac gelte als geländegängigste und zugkräftigste Zugmaschine, sagt Geigenmüller. Auf ebener Strecke schaffe er in der Stunde bis zu sechs Kilometer. Nach rund 30 Kilometern muss er etwa acht Stunden lang aufgeladen werden. Knapp 7000 Euro koste ein solches Gerät samt Lenkrad und Kupplungsgelenk, das aber nicht an jeden Rollstuhl angekuppelt werden kann. Musti musste daher umsteigen, bevor er sich auf den Weg machen konnte.

Dass nicht der eigene Rollstuhl angehängt werden kann, wird von Nutzern bemängelt, berichtet Anne Speicher, im Nationalparkamt unter anderem für Inklusion zuständig. Mehrmals im Jahr ist sie mit Menschen mit Behinderungen im Nationalpark unterwegs. So erfährt sie, wo entlang der Wege etwas verbessert werden sollte. Für Blinde oder Gehörlose werden spezielle Touren angeboten. Demnächst bringt das Amt eine Broschüre in leichter Sprache heraus. Sie richtet sich an Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen.

Die barrierefreie Inseltour streift laut Speicher quasi alles, was es im Nationalpark an Besonderheiten gibt. Von Arnikawiesen und Borstgrasrasen über den Lebensraum seltener Pflanzen bis zu Brüchern oder Hochmooren ist dort alles zu sehen. Nur Rosselhalden, sogenannte Steinmeere, gibt es nicht. Den geführten Touren schließen sich meist fünf bis acht Wanderer an - darunter etliche, die einfach nur schlecht zu Fuß sind. Das bieten die Inseltouren:

Die ein- bis zweistündige Tour führt überwiegend über ebene und damit barrierefreie Teilstrecken. Daher können auch Naturfreunde, die mit Rollstuhl oder Kinderwagen mitwandern möchten, problemlos teilnehmen. Die geführte Ranger-Tour wird angeboten in der Zeit vom 1. April bis 31. Oktober, jeweils dienstags, 14 Uhr. Treffpunkt: am Wanderparkplatz an der K49 bei Thranenweier, einem zu Börfink gehörenden Weiler.

Das Gelände zählt zu den sogenannten Rodungsinseln, um die es bei dieser Tour geht. Entlang der Strecke wird die Geschichte von Siedlungen inmitten großer Waldgebiete erklärt und die der Menschen, die dort leben - umgeben von Weiden und Wiesen. Nähere Infos: Hier .