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Kirche
Neue Formen der ewigen Ruhe

Die Möglichkeit zur anonymen Beerdigung war die Idee von Ortsbürgermeister Markus Lehnen. Er ist auch Bestatter. Zu-nächst will er die Böschung hinter dem Priestergrabdenkmal mähen lassen.
Die Möglichkeit zur anonymen Beerdigung war die Idee von Ortsbürgermeister Markus Lehnen. Er ist auch Bestatter. Zu-nächst will er die Böschung hinter dem Priestergrabdenkmal mähen lassen. FOTO: Herbert Thormeyer
Kell am See . Die Zeiten ändern sich: Kell bietet ein neues Urnengrabfeld für anonyme und halbanonyme Bestattungen an. Von Herbert Thormeyer

Der Ortsgemeinderat Kell hat ein neues, zweigeteiltes Grab­feld beschlossen. In halbrunder Form am Priestergrabdenkmal in der Nähe der Einsegnungshalle soll Platz für 50 bis 60 Menschen sein, die bestimmt haben, nach ihrem Tod anonym oder halbanonym bestattet zu werden. Die Idee, zusätzlich zu Rasen- und Urnengräbern, gleich zwei neue Varianten anzubieten, stammt von Ortsbürgermeister Markus Lehnen, der auch Bestatter ist.

„Anonym heißt, es wird eine Urne beigesetzt und der Rasen darüber wieder geschlossen, ohne Hinweis auf den Verstorbenen“, erklärt der Ortschef. Die zweite Hälfte der Fläche ist halbanonym. Das bedeutet: Eine kleine, 12,5 mal 12,5 Zentimeter große Gedenkplatte aus Granit erinnert mit Name, Geburts- und Sterbejahr an den Menschen, der hier die letzte Ruhe gefunden hat. Die Pflege, das heißt, das Rasenmähen, übernimmt die Ortsgemeinde.

„Alle Grabplatten sind gleich groß“, sagt Lehnen. Immer mehr werde diese Form der Bestattung nachgefragt, was eine erste Grabstelle mit Gedenktafel beweist. „Ich finde, dass Kell als Ort mit einem Altenheim ein solches Angebot braucht“, sagt er. Der Trend geht nach seiner Auskunft immer mehr zu pflegeleichten Gräbern, was dem Keller Friedhof auch anzusehen ist. Die größten und aufwendigsten Gräber sind auch die ältesten.

Im Halbrund in einem Radius von 14 Metern um das Priestergrabdenkmal, das restauriert und das direkte Umfeld gestalten soll, wird eine Hecke mit einem Durchgang gepflanzt. „Die Hecke pflanzt eine Fachfirma, das Priesterkreuz restaurieren wir unter fachlicher Anleitung in Eigenleistung“, sagt Lehnen.

Die Kosten für die neue Beisetzungsform hat die Ortsgemeinde den Urnengrabstellen angeglichen: 200 Euro für die Erstellung und 15 Euro pro Jahr für die Pflege. 25 Jahre Ruhezeit gilt auch hier. Die Kosten für den Erinnerungsstein liegen noch nicht fest. Die Friedhofssatzung wurde entsprechend ergänzt. Außer an den Beerdigungen selbst dürfen keine Kränze, Blumen oder Kerzenhalter niedergelegt und aufgestellt werden.

Rasengräber bietet die Ortsgemeinde Kell bereits seit dem Jahr 2006 an, ebenfalls eine Idee von Markus Lehnen. Der Charakter eines parkartigen Friedhofs soll dadurch weiter erhalten bleiben. Die neue Bestattungsform in Kell kann auch von Auswärtigen genutzt werden.

Die beiden neuen Formen der Urnenbestattungen sind in der Verbandsgemeinde Kell in dieser Kombination bislang einzigartig. Auf allen Friedhöfen der Keller Ortsgemeinde sind jedoch Urnenbestattungen möglich, entweder auf Urnenfeldern oder in einer Urnenwand. Nur Greimerath hält ein Feld für anonyme Bestattungen vor.