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Windkraft
Neuer Windpark bei Rascheid: Im Winter soll’s mit den Arbeiten losgehen

Auf Rascheider Waldflächen, die an der B407 zwischen Hermeskeil-Höfchen und Abtei liegen, werden bald sechs neue Windräder gebaut.
Auf Rascheider Waldflächen, die an der B407 zwischen Hermeskeil-Höfchen und Abtei liegen, werden bald sechs neue Windräder gebaut. FOTO: TV / Eltges, Stefanie
Rascheid. Der Kreis hat alle sechs Anlagen – mit Auflagen – genehmigt. Kritiker sehen nach wie vor ein Risiko für Autofahrer auf der nahen B 407 und zweifeln an der Rentabilität des Windparks. Betreiber, Gemeinde und Behörde halten dagegen. Von Christa Weber
Christa Weber

Der Plan der Verbandsgemeinde (VG) Hermeskeil für neue Windkraftflächen ist seit Ende 2017 in Kraft. Nun hat der Kreis die ersten neuen Anlagen genehmigt. Für sechs Windräder auf Rascheider Gebiet, beantragt von der Firma Jade Naturenergie GmbH aus Bamberg, gab es ein Okay – verbunden mit gewissen Auflagen. Das Unternehmen will nun zügig mit den Bauvorbereitungen beginnen. Die Räder sollen auf Waldflächen südwestlich von Rascheid nahe der B 407 zwischen den Hermeskeiler Stadtteilen Abtei und Höfchen stehen (siehe Grafik).

Der Zeitplan „Der Plan ist, vor Jahresende loszulegen“, sagt Jan Schumacher, einer der beiden Jade-Geschäftsführer. Der Zeitpunkt sei abhängig davon, wann der Hersteller die Anlagen liefern könne. „Ziel ist aber, im Winter mit den Rodungen anzufangen.“ Die Hauptbauphase liege dann im Frühjahr 2019, so dass alle sechs Räder im Spätsommer in Betrieb gehen könnten.

Windräder stehen bereits entlang der Autobahn 1  im Hochwald bei Hinzert-Pölert und Bescheid. An der B 407 auf Rascheider Gebiet sind nun sechs neue Anlagen genehmigt worden. Eine Interessengemeinschaft zweifelt an der Verkehrssicherheit, Betreiber und Genehmigungsbehörde sehen keine Gefahr.
Windräder stehen bereits entlang der Autobahn 1 im Hochwald bei Hinzert-Pölert und Bescheid. An der B 407 auf Rascheider Gebiet sind nun sechs neue Anlagen genehmigt worden. Eine Interessengemeinschaft zweifelt an der Verkehrssicherheit, Betreiber und Genehmigungsbehörde sehen keine Gefahr. FOTO: Trierischer Volksfreund / Christa Weber

Anhaltende Kritik Schon das Genehmigungsverfahren für den Windpark wurde begleitet von Kritik der Interessengemeinschaft (IG) Rettet den Hochwald. Deren Sprecher Karl Diller erhebt weiter Einwände, auch wenn ein Teil der IG-Kritik vom Kreis berücksichtigt worden sei. Laut Diller wurden etwa Auflagen gemacht, um Hügelgräber im Bereich Königsfeld zu schützen. Aufgrund von Schattenwurf und Schallbelastung und zum Schutz von Fledermäusen müssten die Anlagen zum Teil nachts abgeschaltet oder ihre Leistung gedrosselt werden.

„Empörend“ nennt die IG den Umgang mit dem Thema Verkehrssicherheit. Sie kritisiert, dass der Kreis einer Empfehlung des Landesbetriebs Mobilität (LBM) Trier zum Mindestabstand der Räder zur Bundesstraße 407 nicht gefolgt sei. Drei Anlagen stünden näher, als es der vom LBM angeregten „Kipphöhe“ entspreche. Laut IG hätten sie um etwa 150 Meter versetzt werden müssen. „Darüber wurde aber gar nicht verhandelt“ sagt Diller. Gefahren für die Verkehrsteilnehmer – durch herabfallende Eisbrocken, abgebrochene Rotorblätter oder möglicherweise umstürzende Anlagen – werde so „nicht ausreichend Rechnung getragen“.

Die Kritiker zweifeln außerdem an der Rentabilität des Windparks. Seit Anfang 2017 gibt es keine feste Förderung mehr für den erzeugten Strom aus Windenergie. Betreiber müssen sich mit ihren Anlagen einer bundesweiten Ausschreibung stellen. Für die Rascheider Räder habe es zwar einen Zuschlag gegeben. Der erzielte Preis liege aber vermutlich deutlich unter dem, was noch vor ein paar Jahren versprochen worden sei. „Wir bezweifeln deshalb stark, dass Rascheid die erwarteten Pachten erhalten wird“, sagt Diller. Die Betreiber gingen auf die Gemeinden zu, um die alten Verträge nach zu verhandeln.

Das sagt die Gemeinde Rascheids Ortsbürgermeister Andreas Ludwig bestreitet nicht, dass es Verhandlungen gegeben habe angesichts der seit 2012 veränderten Vergütungssituation. „Es gab Abstriche“, sagt er. Eine Summe will Ludwig nicht nennen, weil derzeit noch mit anderen Gemeinden Verhandlungen liefen. Aber er betont: „Wir sind mit dem Ergebnis immer noch zufrieden.“ Die Gemeinde sei froh, dass der „lange Prozess“ von der Aufstellung des Flächennutzungsplans bis zur Genehmigung der Windräder nun beendet sei. „Wir trinken den Schampus aber erst, wenn das erste Rad gebaut ist“, sagt Ludwig. Die Kritik der IG wegen des Standorts an der B 407 könne er nicht nachvollziehen: „An der A1 stehen die Räder doch auch.“

Das sagt der Kreis Die Kreisverwaltung Trier-Saarburg erklärt auf TV-Nachfrage, dass die Kipphöhe als Mindestabstand der Räder zur Bundesstraße lediglich eine Empfehlung des LBM gewesen sei. Rechtlich maßgeblich sei aber nur ein Abstand nach der Baubeschränkungszone, wie sie das Bundesfernstraßengesetz vorgebe. Zu Bundes- und Landesstraßen seien dies 40 Meter, gemessen vom äußeren Fahrbahnrand. Dieser Abstand werde bei den geplanten Rascheider Anlagen (450, 419, 336, 142, 130 und 99 Meter) eingehalten. An allen sechs Windrädern solle zudem eine Überwachungsanlage gegebenfalls durch Abschaltung verhindern, „dass Eisstücke von den Rotorblättern abgeworfen werden“.

Das sagt der Betreiber Jede Maschine sei mit zwei Systemen ausgestattet, sagt Jade-Geschäftsführer Schumacher, die auf die Bildung von Eis oder Ungleichgewichte an den Rotorblättern sofort mit Abschalten reagierten. „Stimmt etwas nicht, läuft die Anlage gar nicht erst an.“ Viele Räder stünden entlang von Bahngleisen oder Autobahnen. „Wenn da eine Gefahr bestünde, würde man dort zuerst reagieren.“ Moderne Anlagen seien zudem so konstruiert, dass sie „die stärkste gemessene Windböe der letzten 50 Jahre aushalten müssen“. Bei den Unfällen, auf die Bürgerinitiativen gern hinwiesen, sei meist „menschliches Versagen“ im Spiel, sagt Schumacher.

Bei den Rascheider Anlagen habe der Betreiber „Abschaltzeiten in Kauf genommen“, etwa zum Schutz von Fledermäusen. In den windstarken und somit ertragreichsten Wintermonaten seien diese Tiere aber kaum unterwegs: „Sie fliegen, wenn die Insekten fliegen. Im Winter sind sie in ihren Quartieren.“ Das Abschalten oder Drosseln in der Sommerzeit wirke sich auf den Ertrag des Windparks von daher „nicht allzu sehr“ aus. Zudem seien an den Anlagen „Horchboxen“ montiert, um festzustellen, ob sich Fledermäuse in der Nähe aufhielten. „Auf Basis dieser Daten kann der Abschaltmodus nach zwei Jahren angepasst werden.“ Schumacher stellt klar: „Der Rascheider Windpark rentiert sich.“ Die Ausschreibung der Bundesnetzagentur habe ein Ergebnis gebracht, das sich durchaus rechne. Bei der vereinbarten Pacht werde kein Betreiber so weit runtergehen, dass es sich für die Gemeinden nicht mehr lohne. Und sollte der Windpark irgendwann einmal zurückgebaut werden müssen, bleibe keine „Investitionsruine“ stehen: „Jeder Betreiber hinterlegt eine ausreichende Bürgschaft.“