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Neues Gutachten zum Landschaftsbild: VG Hermeskeil will Flächen für zehn Anlagen aus der Planung streichen

Entlang der Autobahn 1 bei Reinsfeld drehen sich schon mehrere Windräder. Neue Standorte sind in der Verbandsgemeinde Hermeskeil ausdrücklich erwünscht. Archiv/TV-Foto: Axel Munsteiner
Entlang der Autobahn 1 bei Reinsfeld drehen sich schon mehrere Windräder. Neue Standorte sind in der Verbandsgemeinde Hermeskeil ausdrücklich erwünscht. Archiv/TV-Foto: Axel Munsteiner FOTO: Axel Munsteiner (ax) ("TV-Upload Munsteiner"
Reinsfeld/Hermeskeil. Die Verbandsgemeinde Hermeskeil will bei ihrer Windkraft-Planung endlich entscheidend vorankommen. Dafür sollten Gutachter prüfen, wo Windräder das Landschaftsbild beeinträchtigen könnten. Das Ergebnis wurde im Reinsfelder Rat vorgestellt: Demnach könnten zehn Anlagen wegfallen. Christa Weber

Reinsfeld/Hermeskeil. "Es hat sehr lange gedauert, bis wir so weit waren, wie wir jetzt zu sein glauben." In den Worten des Reinsfelder Ortsbürgermeisters Rainer Spies spiegeln sich deutlich Vorsicht und Frust angesichts der schon Jahre andauernden Hängepartie in Sachen Windkraft. In diesem Jahr will die Verbandsgemeinde (VG) Hermeskeil, wie von Bürgermeister Michael Hülpes (CDU) im TV angekündigt, auf die "Zielgerade" einbiegen. Möglich machen sollte dies ein neues Gutachten. Darin wurde untersucht, wie sich neue Windräder auf das Landschaftsbild auswirken könnten. Die Ergebnisse liegen jetzt vor - und wurden im Reinsfelder Ortsgemeinderat vorgestellt.

Das Gutachten: Im Kern bedeuten die Ergebnisse, dass bei der Planung nochmals abgespeckt werden muss. Die Gutachter empfehlen, im Entwurf für den Flächennutzungsplan Windkraft die Flächen für insgesamt zehn der 56 möglichen Anlagen zu streichen (siehe Grafik). Konkret betroffen sind geplante Standorte für neue Räder bei Bescheid/Beuren (3), Geisfeld/Rascheid (3), im Windpark Hochwald bei Gusenburg (3) und bei Grimburg (1).
Den Ausschlag dafür gaben laut dem Planungsbüro Gutschker-Dongus Sichtbarkeitsanalysen und Visualisierungen per Fotomontage, die dominante Wirkungen möglicher Windräder auf die Landschaft ausloten sollten. So sollen zum Beispiel vier Anlagen im Umfeld der Burg Grimburg wegfallen, weil sie den Ausblick auf die Umgebung erheblich stören würden.

Der Anlass: Der Kreis Trier-Saarburg, der zugleich als untere Naturschutzbehörde bei der Flächennutzungsplanung mitzureden hat, hatte den Ball ins Rollen gebracht. Nach Offenlage des Planentwurfs im Sommer 2015 hatte der Kreis Bedenken angemeldet, dass die neuen Räder dem Schutzzweck des Naturparks Saar-Hunsrück widersprechen könnten, konkret dem Erhalt der landschaftlichen Eigenart und des Erholungswerts. Deshalb schlug der Landrat eine Beschränkung auf Standorte entlang der Autobahn A 1 und der Grenzen zum Saarland vor. Das lehnte die VG Hermeskeil jedoch ab, weshalb der Kreis das zusätzliche Landschaftsbild-Gutachten forderte (der TV berichtete).

Die nächsten Schritte: "Mit dem Ergebnis zeigen wir nun einen Weg auf, wie wir den Auflagen der Naturparkverordnung nachkommen können", erläuterte VG-Bürgermeister Hülpes in Reinsfeld. Ziel sei ganz klar, "den Plan bis Ende der ersten Jahreshälfte genehmigt zu bekommen". Für Mitte Februar sei ein Gespräch beim Kreis geplant, das die Weichen für eine Abstimmung im VG-Rat stellen soll. Hülpes wies darauf hin, dass Probleme allerdings auch bei den späteren Genehmigungsverfahren für einzelne Windradstandorte noch auftauchen könnten - "wenn zum Beispiel irgendwo ein Schwarzstorch gesichtet wird".

Reaktionen: Die Reinsfelder berührt das Gutachten kaum, die neun geplanten Räder auf ihrem Gebiet sind von den Streichungen nicht betroffen. Der Rat erteilte den Planern die Erlaubnis, parallel zur laufenden Flächennutzungsplan-Änderung bereits Anträge für die Genehmigung der einzelnen Anlagen einzureichen. Dabei wird gemäß dem Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) zum Beispiel geprüft, ob von dem jeweiligen Windrad schädliche Umwelteinwirkungen oder Belästigungen für die Allgemeinheit ausgehen. "Wenn wir das jetzt schon anstoßen, dann sparen wir später Zeit", erläuterte Ortschef Spies (SPD). Er hoffe, dass "wir nach dem Gespräch beim Kreis den Sack zumachen. Wir können es uns nicht leisten, noch länger rumzueiern."
Dem stimmt auf TV-Anfrage auch der Hermeskeiler Stadtbürgermeister Mathias Queck (CDU) zu: "Es ist wirklich an der Zeit, dass wir zum Abschluss kommen." Queck ist mit den Ergebnissen des Landschaftsbild-Gutachtens "sehr zufrieden" - aus einem speziellen Grund. Denn die Planer wollen unter anderem Anlagen bei Geisfeld streichen. Gegen diese hatten Anwohner der Hermeskeiler Stadtteile Abtei und Höfchen ebenso wie die Interessengemeinschaft Rettet den Hochwald heftig protestiert, weil sie näher als 1400 Meter an die Wohnhäuser heranrücken.
"Unsere vier Hermeskeiler Anlagen sind dagegen nicht gefährdet", sagt Queck. Das Gutachten hält er trotz der empfohlenen Abstriche für richtig: "Beim Vorschlag des Kreises wären einige Dörfer ganz außen vor geblieben. Das Gutachten war somit auch eine Frage der Solidarität untereinander."

Meinung

Wichtiger und richtiger Schritt
Die Gegner der Windkraft-Pläne in der VG Hermeskeil werden das Ergebnis des neuen Landschaftsbild-Gutachtens sicher mit Wohlwollen zur Kenntnis nehmen. Für sie ist jede Fläche, die aus der Planung rausfliegt, ein Erfolg. Aber auch wenn die Verbandsgemeinde jetzt an ihren potenziellen Windkraft-Flächen nicht mehr in Gänze festhalten kann, für sie war das Gutachten ebenfalls ein guter und richtiger Schritt. Sie hat nun umfangreiches Material in der Hand, um die Zweifel des Landrats und der Kreisverwaltung hinsichtlich des Naturpark-Schutzzwecks zu entkräften. Damit kommt sie dem Abschluss des schon Jahre dauernden Verfahrens einen entscheidenden Schritt näher. Und zugleich hat sie allen Ortsgemeinden, auf deren Gemarkung Windräder möglich wären, die Chance auf eine Verbesserung ihrer Einnahmen durch die entsprechenden Pachtbeiträge erhalten. Es fallen zwar - wenn der VG-Rat den Empfehlungen der Planer folgt - Flächen für zehn Anlagen weg. Aber keiner der Standorte rutscht komplett aus der Planung. c.weber@volksfreund.de