| 17:04 Uhr

Natur
Zwei Hochwald-Dörfer blühen auf

Einen blühenden Blickfang wie diese in Obergünzburg (Bayern) fotografierte Blumenwiese gibt es in wenigen Wochen auch am Gusenburger Ortseingang.
Einen blühenden Blickfang wie diese in Obergünzburg (Bayern) fotografierte Blumenwiese gibt es in wenigen Wochen auch am Gusenburger Ortseingang. FOTO: Karl-Josef Hildenbrand / picture alliance / dpa
Gusenburg/Grimburg. Immer mehr Bienen sterben, weil es kaum noch Blumenwiesen gibt. Dagegen wollen Bürger aus Gusenburg und Grimburg etwas unternehmen. Im April starten sie zwei Projekte: einen neuen Blickfang am Ortseingang und ein Angebot für Pflanzenfreunde. Von Christa Weber
Christa Weber

Beim Wandern nahe Rascheid fiel Hiltrud Pawlik eine neu angelegte Blumenwiese auf. Was dahintersteckte, erfuhr die Gusenburgerin im Oktober 2017 durch einen TV-Artikel. In Rascheid hatte sich eine Gruppe des bundesweiten Netzwerks Blühende Landschaft gegründet (siehe Info). Ihr Ziel: Bienen, Hummeln und Schmetterlinge sollen wieder ausreichend blühende Landschaft und Nahrungsquellen vorfinden, um das zunehmende Insektensterben aufzuhalten.

Seit November gibt es eine solche Gruppe auch für Gusenburg und Grimburg. „Das Artensterben macht bei uns nicht halt“, sagt Initiatorin Pawlik. „Wir müssen jetzt gegenrudern.“ Das Netzwerk biete die Chance, die Dinge im größeren Rahmen voranzutreiben – „nicht nur jeder für sich im eigenen Garten“. Mit diesem Gedanken habe man im Dorf und im Nachbarort Grimburg „offene Türen eingerannt“, sagt Pawlik. 30 Interessierte seien bei der Gründungsverammlung dabei gewesen.

Das erste sichtbare Projekt steht kurz vor dem Start: Ein Stück Rasen am Ortseingang neben dem Sportplatz soll zur bunten Blumenwiese werden. Die Gemeinde stellt dafür eine 500 Quadratmeter große Fläche zur Verfügung. Das Netzwerk stiftet die Blumensamen. „Das werden mehrere Ebenen, vorne eine Prachtmischung mit leuchtend rotem Mohn, ganz hinten die größeren Sonnenblumen“, beschreibt Pawlik. Ende April soll es losgehen. „Das wird toll aussehen. Und die Leute kriegen gleich mit, dass sich etwas tut.“ Ein Schild an der Wiese werde über die Gruppe informieren. Sobald es weitere Blühstreifen gebe, seien Führungen geplant.

Das Projekt auszuweiten, kann sich auch Ortsbürgermeister Josef Barthen vorstellen: „Wir gehen das jetzt mal an und schauen, was sich daraus entwickelt.“ Es gebe durchaus weiteres Potenzial im Dorf, etwa im Umfeld der alten Obstbaumallee. Und es seien diverse Fördertöpfe nutzbar. Ihr Startprojekt hat die Gemeinde laut Barthen beim Netzwerk Blühende Landschaft für das Programm „BienenBlütenReich“ angemeldet. „Das ging alles übers Internet, und wir hatten schnell eine Zusage.“ Laut der Internetseite des Netzwerks (www.bluehende-landschaft.de) wurden mit Hilfe des Projekts 2017 deutschlandweit etwa 312 000 Quadratmeter blühende Wiesen neu angelegt. Das Rasenstück in Gusenburg werde demnächst für das Einsäen vorbereitet, sagt Barthen. Um alle nachträglichen Arbeiten kümmere sich die Gruppe. Der Lanzclub, der die Wiesen am Sportplatz alle zwei Jahre für sein Traktortreffen nutze, habe dafür auch weiterhin genug Platz.

Projekt Nummer zwei soll die Bürger zur Mitarbeit motivieren: Am Samstag, 21. April, veranstaltet die Gruppe ab 14 Uhr eine Frühlingspflanzenbörse vor der Kirche. Dort will sie Pflanzen und Samen zum Kauf und Tausch anbieten, mit Kindern Insektenhotels bauen und über ihr Anliegen informieren. „Viele Leute kaufen ihre Blumen im Baumarkt. Aber das sind oft die falschen, die Insekten gar keine Nahrung bieten“, sagt Siegfried Joram. Tipps zu insektenfreundlichen Pflanzen will Manuela Burki-Paulus beisteuern, die im Ort ein Blumengeschäft betreibt. „Zu Hause im Garten habe ich schon viel ausprobiert“, sagt sie. „Als Laie muss man sich da aber herantasten. Umso schöner, dass es jetzt das Netzwerk gibt.“

Auf diesem Stück Rasen neben dem Gusenburger Sportplatz sollen bald Mohn und Sonnenblumen blühen. Die Idee dazu hatten die Mitglieder eines neuen Netzwerks (von links): Erwin Jakobs, Anneliese Lorscheider, Gisela Ostermann, Georg Herrig, Manuela Burki-Paulus, Siegfried Joram und Monika Reiß.
Auf diesem Stück Rasen neben dem Gusenburger Sportplatz sollen bald Mohn und Sonnenblumen blühen. Die Idee dazu hatten die Mitglieder eines neuen Netzwerks (von links): Erwin Jakobs, Anneliese Lorscheider, Gisela Ostermann, Georg Herrig, Manuela Burki-Paulus, Siegfried Joram und Monika Reiß. FOTO: Christa Weber / Trierischer Volksfreund

„Die Leute können eigene Ableger und Samen mitbringen“, sagt Pawlik. Diesen Ansatz verfolgen auch die Nachbarn in Grimburg, die jedes Jahr im Oktober eine Staudenbörse veranstalten. „Damit tun wir auch etwas gegen die heutige Wegwerf-Gesellschaft, wo alles weggeschmissen wird, obwohl man es mit wenig Aufwand retten könnte“, sagt Georg Herrig. Beide Börsen sollen nicht in Konkurrenz zueinander stehen, sondern sich sinnvoll ergänzen. Am 21. April will die Gruppe auch Kaffee und Kuchen anbieten und die Möglichkeit, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. „Wir sind offen für alle, die mithelfen wollen“, sagt Pawlik. Die Gruppe treffe sich regelmäßig im Bürgerhaus.

Die Bürger wollen auch größere Themen angehen. Neben der Suche nach weiteren Blühflächen, auch in Grimburg, wolle man Kontakt zu den örtlichen Landwirten aufnehmen, sagt Erwin Jakobs. Ihm bereite es schon länger „Unbehagen, wie sich unsere bäuerliche Kulturlandschaft verändert“. Der industriellen Landwirtschaft müsse man Grenzen setzen. Siegfried Joram betont jedoch: „Wir treten keine Bewegung gegen Landwirte los. Wir wollen mit ihnen zusammenarbeiten.“ Hiltrud Pawlik ergänzt: „Es geht nicht nur um bunte Blümchen, sondern um ein Umdenken. Wir wollen den Leuten zeigen, dass sie selbst etwas verändern können.“

Das nächste Treffen der Regionalgruppe Blühende Landschaft Gusenburg/Grimburg ist am Donnerstag, 5. April, 19 Uhr, im Bürgerhaus Gusenburg.