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Orte des Terrors

Das Konzentrationslager Hinzert, hier die Gedenkstätte, ist Thema eines neuen Buches. Foto: Archiv/privat
Das Konzentrationslager Hinzert, hier die Gedenkstätte, ist Thema eines neuen Buches. Foto: Archiv/privat
"Hinzert" - so lautet der schlichte Titel einer neuen wissenschaftlichen Publikation, in der die Geschichte des SS-Sonderlagers/KZ von seinen Anfängen als Barackenlager für Westwall-Arbeiter 1938 bis zur Evakuierung der letzten Häftlinge im März 1945 nachgezeichnet wird. Das Buch gibt zudem einen Überblick über die 29 Außenlager, die zu Hinzert gehörten.

Hinzert-Pölert. (ax) Seit vielen Jahren beschäftigen sich die renommierten Historiker Wolfgang Benz und Barbara Distel mit der Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Nun fungieren der Professor für Geschichte an der Technischen Universität Berlin und Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung und die frühere Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau als Herausgeber für ein neues, 80 Seiten starkes Buch über das SS-Sonderlager/KZ Hinzert sowie dessen 29 Außenlager, die bis ins Rhein-Main-Gebiet, die Eifel und das Saarland reichten.

In ihrem gemeinsamen Aufsatz haben Uwe Bader, Leiter des NS-Dokumentationszentrums Rheinland-Pfalz, und Beate Welter, Leiterin des Dokumentationszentrums Hinzert, zunächst das historische Geschehen in den Fokus genommen, das sich nahe des kleinen Hochwalddorfes abgespielt hat. Sie berichten von den Anfängen des Lagers Hinzert, in dem im Jahr 1938 Arbeiter festgehalten wurden, die die nationalsozialistischen Machthaber zum Bau des Westwalls dienstverpflichtet hatten. Die beiden Autoren zeigen auf, wie schon bald "Arbeitsscheue" oder "Arbeitsverweigerer" zur "Umerziehung" in das Lager gebracht wurden, und sie zeichnen die folgenden Stationen an dieser "Stätte der Unmenschlichkeit" auf. 1940 wurde Hinzert in das System der nationalsozialistischen Konzentrationslager übernommen. Fortan wurden politische Gefangene aus den von der Wehrmacht besetzten Ländern Europas - vor allem Widerstandskämpfer aus Luxemburg und Frankreich - nach Hinzert deportiert. Für die meisten der insgesamt etwa 14 000 Häftlinge war Hinzert Durchgangsstation in andere Lager. Nachweislich gab es dort aber auch mindestens drei Massenexekutionen. Historisch gesichert ist der Tod von 321 Menschen.

Im zweiten Teil des Buches werden die 29 Außenlager von Hinzert in alphabetischer Reihenfolge vorgestellt. Die diversen Autoren informieren über die Zahl der Häftlinge, die in den Lagern von Bendorf bis Zeltingen-Rachtig festgehalten wurden, und sie zeigen auf, dass die Gefangenen dort in erster Linie für die militärische Produktion und die Beseitigung von Luftkriegsschäden eingesetzt wurden.

Das Buch "Hinzert. Das Konzentrationslager Hinzert und seine Außenlager", Herausgeber Wolfgang Benz und Barbara Distel, ist im Verlag C.H. Beck München zum Preis von 9,90 Euro erschienen. ISBN 978-3-406-57790-1.