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Verkehr
Gemeinde Kell will gegen Raser und Parksünder vorgehen

Dieses Bild, sagen Anwohner der Hochwaldstraße in Kell, sei dort keine Seltenheit. Regelmäßig seien die Gehwege zugeparkt. Die Ortsgemeinde und auch die Verbandsgemeinde haben erste Schritte eingeleitet, um die Autofahrer in die Schranken zu weisen.
Dieses Bild, sagen Anwohner der Hochwaldstraße in Kell, sei dort keine Seltenheit. Regelmäßig seien die Gehwege zugeparkt. Die Ortsgemeinde und auch die Verbandsgemeinde haben erste Schritte eingeleitet, um die Autofahrer in die Schranken zu weisen. FOTO: Carl Heyer
Kell am See. Anwohner beklagen sich, dass auf der Hochwaldstraße zu schnell gefahren werde und die Gehwege ständig zugestellt seien. Sie haben Vorschläge für Verbesserungen. Orts- und Verbandsgemeinde haben reagiert. Aber ganz so einfach ist die Lösung des Problems nicht. Von Christa Weber
Christa Weber

Carl Heyer hat von seinem Esszimmerfenster aus einen guten Blick auf die Hochwaldstraße (K 75), die vor seinem Haus vorbeiführt. Seit einer Weile beobachtet er auf und an der Durchfahrtsstraße in Kell Dinge, die ihn und andere Anlieger stören. „Die Lastwagen kommen von der Hunsrückhöhenstraße und brausen weiter durch den Ort“, sagt Heyer. Auch viele Autofahrer seien auf dem Abschnitt bis hinunter zum Rathaus zu schnell unterwegs.

Die Beschwerden der Anwohner Die seit Jahren kritische Situation habe sich inzwischen „noch verschärft“. Wegen größerer Anlieferungen unter anderem bei Supermarkt und Sägewerk habe der Schwerlastverkehr stark zugenommen, sagt Heyer. Ein weiteres Problem sei das „wilde Parken auf den Gehwegen“, ergänzt Nachbar Herbert Willems. Durch die überfahrbare Rinne seien die Bürgersteige nicht wirksam von der Fahrbahn getrennt. „Zu den Stoßzeiten ist vor der Bank und vor den Läden regelmäßig der Gehweg zugestellt.“ Fußgänger müssten auf die Straße ausweichen und seien „extrem gefährdet“, sagt Heyer. „Dass außer Blechschäden noch nicht mehr passiert ist, grenzt an ein Wunder.“ Das Ordnungsamt der Verbandsgemeinde, kritisiert er, kontrolliere kaum.

Schon 1996 hätten sich Anwohner an den damaligen Landrat Richard Groß gewandt und um verkehrsberuhigende Maßnahmen an der Kreisstraße gebeten – laut Heyer ohne Erfolg. Anfang 2017 ergriff er erneut die Initiative, schrieb diesmal die Orts- und die Verbandsgemeinde Kell an mit der Bitte, die zuständigen Stellen anzusprechen. Weil nichts passiert sei, habe er am 22. Mai 2018 erneut einen Brief verfasst, unterschrieben von elf Anliegern. Ihre Forderungen: eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf 30 km/h in der Hochwaldstraße, Geschwindigkeitsmessungen und Parkkontrollen. Sein Schreiben sei zwar im Gemeinderat thematisiert worden. „Aber bis heute gibt es keine Verbesserungen und keine Antwort.“

Das sagen VG und Gemeinde Der TV hat bei Bürgermeister Martin Alten und Ortsbürgermeister Markus Lehnen nachgefragt. Beide berichten, dass Verbesserungen bereits vorbereitet würden. Der VG-Chef schaut aus seinem Büro direkt auf die Hochwaldstraße. „Es ist nicht so, dass da ständig alles zugeparkt ist“, sagt er. Aber zu gewissen Zeiten sei dort Betrieb. Und viele Parkplätze seien durch Autos von Mitarbeitern der Betriebe belegt. „Wir haben alle angeschrieben mit der Bitte, dass sie ihre Autos in der Nähe am alten Bahnhof abstellen.“

Laut Ortschef Lehnen hat sich der Bauausschuss mit dem Park­thema befasst. „Wir sehen die Problematik. Aber die zieht sich durch den ganzen Ort“, sagt Lehnen. „Wir können nicht nur an einzelnen Stellen reagieren, das muss im Zusammenhang geschehen.“

Kurzparker vor den Geschäften gebe es zum Beispiel auch in der Bahnhofstraße. Die Ortsdurchfahrt sei so gebaut, dass die Trennung zum Gehweg schwer erkennbar sei. Dort Markierungen aufzutragen, sei eine Option. „Wir müssen aber auch die Belange der Betriebe berücksichtigen. Wir sind ja froh, dass sie so regen Zulauf haben.“

Gleichwohl habe man die Sparkasse kontaktiert wegen möglicher baulicher Veränderungen vor deren Eingang, sagt der VG-Chef: „Die Rampe dort nimmt viel Platz weg. Deshalb ragen die geparkten Autos oft auf den Gehweg.“

Die Gemeinde, sagt Lehnen, wolle Schilder aufstellen, um Dauerparker zu verhindern, die die Plätze für die Kunden blockierten. „Das muss aber noch mit der Polizei abgesprochen werden.“

Ein Polizist in Zivil habe schon Geschwindigkeiten in der Hochwaldstraße gemessen: „Es gab minimale Überschreitungen.“ Dass zu schnell gefahren werde, sagt Lehnen, sei häufig eine „subjektive Einschätzung“. Und mit Anzeigetafeln kriege man die „unverbesserlichen“ Autofahrer auch nicht in den Griff. Die VG habe den Landesbetrieb Mobilität um einen Ortstermin gebeten, um auszuloten, „wie wir die Hauptverkehrsstraße noch beruhigter gestalten könnten“. Der Kreis wolle die K 75 demnächst ausbauen, dann ändere sich eventuell auch baulich etwas. Den Anwohnern habe er die Pläne der Gemeinde schon häufiger erklärt, sagt Lehnen: „Vielleicht geht es ihnen nicht schnell genug.“

Reaktion des LBM Klaus Wagner vom LBM bestätigt die Anfrage aus Kell. „Wir gehen davon aus, dass wir uns bald gemeinsam mit der Polizei ein Bild vor Ort machen können.“

Eine abschnittsweise Beschränkung auf Tempo 30, wie von den Anliegern der Hochwaldstraße gefordert, könne bei konkreten Gefahrenstellen oder vor Schulen und Kindergärten angeordnet werden, sagt Wagner. Dabei seien aber stets auch die Bedürfnisse des Durchgangsverkehrs zu berücksichtigen. Bei Einbauten in die Fahrbahn sei „zwischen Sicherheitsgewinn und möglichen Gefährdungen“ abzuwägen. Voraussetzung seien feste Kriterien zu Geschwindigkeit und Verkehrsbelastung, für die eine mehrtägige Messung notwendig sei. Beim Ortstermin könne man dazu erste Erkenntnisse austauschen. Ergebe sich das „Bedürfnis für eine Verkehrsberuhigung“, seien verschiedene Mittel denkbar – von einer Geschwindigkeitsbegrenzung über Messungen bis hin zu Fahnbahnverschwenkungen.

Reaktion des Kreises Die Kreisverwaltung Trier-Saarburg teilt auf Anfrage mit, dass eine Sanierung der K 75 aktuell nicht geplant sei. Sie stehe auch nicht im mittelfristigen Straßenbauprogramm. Deshalb sei über eine zusätzliche Verkehrsberuhigung bislang nicht nachgedacht worden. Am Ortseingang gebe es jedoch bereits eine Verkehrsinsel und im Straßenverlauf einige Engstellen und Verschwenkungen.

Ein weiteres Problem: In der Hochwaldstraße ist mehr Verkehr als noch vor ein paar Jahren. Viele Lastwagen sind dort unterwegs, einige zu schnell, sagen  Anwohner.
Ein weiteres Problem: In der Hochwaldstraße ist mehr Verkehr als noch vor ein paar Jahren. Viele Lastwagen sind dort unterwegs, einige zu schnell, sagen Anwohner. FOTO: Carl Heyer