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Gastronomie
Pizza und bürgerliche Küche: Stadt findet Pächter für Hermeskeiler Hof

Der Hermeskeiler Hof neben dem Feuerwehrmuseum war lange ein Sorgenkind der Stadtpolitik. Jetzt aber ist ein neuer Betreiber gefunden.
Der Hermeskeiler Hof neben dem Feuerwehrmuseum war lange ein Sorgenkind der Stadtpolitik. Jetzt aber ist ein neuer Betreiber gefunden. FOTO: Trierischer Volksfreund / Christa Weber
Hermeskeil. Ein Gastronom aus Trier will der seit 14 Monaten leer stehenden Gaststätte Hermeskeiler Hof neues Leben einhauchen. Nachdem der Stadtrat am Dienstagabend dem Pachtvertrag zugestimmt hat, könnte es mit der Wieder-Eröffnung recht schnell gehen. Von Christa Weber
Christa Weber

Die bislang erfolglose Suche nach einem neuen Betreiber für den Hermeskeiler Hof hat zuletzt viele Diskussionen und auch Streitigkeiten im Stadtrat ausgelöst. Die Opposition kritisierte mehrfach die Vorgehensweise des Stadtvorstands bei der Pächtersuche. Vor der Sommerpause einigte man sich darauf, die Vermarktung der städtischen Immobilie mit Hilfe eines Maklers neu anzupacken. Das wird nun höchstwahrscheinlich nicht mehr nötig sein.

Nachdem ein von SPD-Ratsmitglied René Treitz ins Spiel gebrachter Interessent doch den Rückzug angetreten hatte, hat die Stadt überraschend einen neuen, laut Stadtbürgermeister Mathias Queck (CDU) „ernstzunehmenden Kandidaten“ gefunden. Er stellte sich am Dienstagabend in öffentlicher Sitzung den Ratsmitgliedern vor – und fand deren Zustimmung.

Abedin Hajrizi betreibt mehrere Lokale in der Trierer Innenstadt, darunter die Pizzerien San Marco in der Neustraße und in der Simeonstraße sowie ein Eiscafé. Seine 2003 eröffneten Restaurants liefen sehr gut, berichtete der Gastronom, der gestand, „etwas aufgeregt“ zu sein. Da gleich viele Fragen auf ihn einströmten, sprang ihm der erste Beigeordnete Willi Auler zur Seite. Hajrizi wolle im Hermeskeiler Hof „mediterrane, aber auch deutsche Küche anbieten“, sagte Auler. Er wolle keinen großen Pizzaofen einbauen, sondern nur kleinere Umbauten auf eigene Kosten vornehmen. Das Lokal gefalle ihm, ergänzte Hajrizi. Er könne sich gut vorstellen, dort ein funktionierendes Restaurant zu betreiben. Der Stadtchef betonte die Erfahrung des Interessenten: „Dass seine Läden in Trier erfolgreich laufen, ist für uns natürlich ein wichtiger Indikator dafür, dass er auch den Hermeskeiler Hof dauerhaft zum Erfolg führen kann.“

Die erste Frage aus dem Rat betraf die Öffnungzeiten. Dazu habe er noch keine konkreten Vorstellungen, sagte der Gastronom. Seine Pizzerien in Trier seien mittags von 11.30 bis 14.30 Uhr und abends von 17 bis 23 Uhr geöffnet. Ähnliche Zeiten wären für Hermeskeil denkbar. „Man muss schauen, was funktioniert und wie es die anderen hier machen.“ Lena Weber (SPD) erkundigte sich, ob Besucher der benachbarten Museen sonntagnachmittags im Lokal einen Kaffee oder ein Dessert bekämen. „Das muss man ausprobieren, ob es sich vom Betrieb her lohnt“, erklärte Hajrizi. Auf die Nachfrage von Markus Forster (CDU) nach dem Starttermin erklärte er, dass die Neueröffnung vielleicht schon im September möglich sei. Was den künftigen Namen des Lokals angehe, liege für ihn „Pizzeria San Marco“ natürlich nahe. Er sei aber offen für Anregungen. Eine Umgestaltung der Schriftzüge am Gebäude müsse der Pächter dann auf eigene Kosten vornehmen, erklärte der Stadtchef.

Viel diskutiert wurde zuletzt über die Konditionen, zu denen die Stadt ihre Immobilie im Nebengebäude des Feuerwehrmuseums verpachten wollte. Den neuen Vertragsentwurf beriet das Gremium daher öffentlich. „Darauf haben die Bürger ein Anrecht“, stellte Queck mit Hinweis auf ein Dutzend Zuhörer im Saal fest. Nach den „Querelen im Vorfeld“ wolle er vermeiden, dass „Halb- und Unwahrheiten durch die Stadt geistern“. Auch Hajrizi sei damit einverstanden. „Transparenter, als die Dinge alle hier im Rat vorzustellen, geht es nicht.“ Die SPD-Fraktion hatte zwar vor Sitzungsbeginn beantragt, den Vertrag unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu besprechen, weil sie „schützenswerte Rechte Dritter“ berührt sah. Dafür fand sich aber keine ausreichende Mehrheit. Eine kurze nichtöffentliche Beratung gab es allerdings doch, als es um Nebenverträge zur Getränkebelieferung ging.

Anschließend billigte der Rat den Vertrag einstimmig – mit kleinen Änderungen. Er gilt zunächst für zwei Jahre mit der Option einer Verlängerung um weitere fünf Jahre. Neben monatlichen Vorauszahlungen (1200 Euro) für Nebenkosten wird ein monatlicher Pachtzins fällig: im ersten Jahr 500 Euro plus Mehrwertsteuer, dann 1000 Euro und bei Verlängerung 1500 Euro, ohne weitere Anpassung bis 2025. Paul Gemmel (SPD) regte an, diesen Passus zu streichen, um sich „alle Optionen offen zu halten“. Der Satz blieb jedoch stehen. „Der Pächter braucht Planungssicherheit, um den Hermeskeiler Hof wieder hochzufahren“, argumentierte Queck. Wichtig für die Stadt sei, dass sie keine Investitionen in der Gaststätte mehr tätigen brauche.

Die Fraktionen waren zufrieden. Joachim Trösch (Bürger für Bürger) stellte fest, dass frühere Diskussionen offenbar „gefruchtet“ hätten. René Treitz (SPD) sprach von einem „grundsätzlich guten Vertragswerk“. Berthold Grenz (FWG) sagte, er traue Hajrizi zu, den Hermeskeiler Hof erfolgreich zu führen. Dazu wünschte Klaus-Peter Breuer (Linke) „alles erdenklich Gute“. Markus Forster (CDU) freute sich über die „konstruktive Zusammenarbeit“, und auch Ottmar Muno (Piraten) lobte die sachliche Diskussion. Sigurd Hein (SPD) schlug vor, eine der nächsten Ratssitzungen in das Lokal zu verlegen, was lautstark befürwortet wurde.

Der Stadtchef hofft nun auf die „breite Unterstützung der Bevölkerung“ für den Neustart. Nach einem finalen Gespräch könnten beide Seiten den Vertrag bald unterzeichnen: „Das geht jetzt schnell.“ Zeitnah werde es dann ein Pressegespräch im Lokal geben, um der Öffentlichkeit den neuen Pächter und sein Konzept ausführlicher vorzustellen.