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Natur
Der Hochwald braucht Hochwasserschutz 

Einsatz Anfang des Jahres 2018: Dieter Betzhold (links) und Uwe Nilles von der Straßenmeisterei Saarburg stellen an der K 129 bei Kastel-Staadt die Hochwasser-Sperrschilder auf.
Einsatz Anfang des Jahres 2018: Dieter Betzhold (links) und Uwe Nilles von der Straßenmeisterei Saarburg stellen an der K 129 bei Kastel-Staadt die Hochwasser-Sperrschilder auf. FOTO: Friedemann Vetter
Saarburg/Kell. Überschwemmungen durch Starkregen sind überall möglich und treten immer häufiger auf. Deshalb ist der Schutz davor so wichtig. Ein Konzept soll öffentliche und private Maßnahmen in der aktuellen Verbandsgemeinde Saarburg bündeln. Auch für die aktuelle VG Kell wird der Hochwasserschutz ein Thema werden. Von Marion Maier
Marion Maier

Rinnsale verwandeln sich in reißende Bäche, die Straßen überschwemmen, Keller und Häuser fluten und riesige Mengen Ge­röll ablagern. Hänge rutschen ab. Schlammlawinen gehen nieder. So beschrieb der TV die Unwetter und ihre Folgen vom Juni 2016, die in Rheinland-Pfalz wüteten und ganze Orte zerstörten. Auch die Verbandsgemeinden Saarburg und Kell am See waren damals betroffen. Die Saarburger Feuerwehr rückte beispielsweise am 4. Juni laut eigenem Bericht aus, um Keller leerzupumpen und überflutete Fahrbahnen zu sperren. Beim Rehlinger Hof hatte der Mannebach die gewaltigen Wassermassen von 35 Litern pro Quadratmeter in kürzester Zeit nicht fassen können. Häuser und Ställe waren überflutet. Auch in Kell am See, Mandern, Zerf und Waldweiler waren im Juli 2016 zahlreiche Feuerwehren und das Technische Hilfswerk im Einsatz.

Die Ereignisse im Jahr 2016 waren Anlass für die Landesregierung, ein Programm gegen Hochwasser aufzulegen, bei dem die Gemeinden inhaltlich und finanziell unterstützt werden. Mehr als 300 Orte haben mit 90-prozentiger Förderung bereits ein Hochwasserschutzkonzept erstellt oder sind dabei. Nächste Woche Donnerstag fällt in der Verbandsgemeinde Saarburg der Startschuss dafür (siehe Info). Die VG übernimmt die restlichen zehn Prozent der Kosten.

Das Planungsbüro Hömme aus Pölich wird den Prozess begleiten. Vorerst nur für die bisherige Verbandsgemeinde Saarburg. Und möglicherweise auch für die neue Verbandsgemeinde, die aus den heutigen VG Saarburg und Kell am see bestehen wird. Dazu sagt Jürgen Dixius, Bürgermeister der Verandsgemeinde Saarburg: „Das wird ein Thema werden, mit dem sich der neu gewählte Verbandsgemeinderat beschäftigen wird.“ Es sei klar, dass Hochwassser nicht nur ein Thema für die Gemeinden  direkt an der Saar und Mosel sei.

Das Büro Hömme ist in dieser Sache bereits in den Verbandsgemeinden Konz, Daun und Schweich aktiv. In der VG Saarburg renaturiert es derzeit Bäche. Bürgermeister Dixius erklärt: „Hochwasserschutz ist ein wichtiges Thema, mit dem wir uns schon seit einigen Jahren befassen. Schwerpunkt bislang waren die Bachrenaturierungen.“ Dabei gehe es darum, die Wasserökologie zu verbessern und Überflutungsflächen zu schaffen. Beim aktuellen Hochwasserschutzkonzept gehe es weniger um die großen Fließgewässer, sondern eher um die Rinnsale, die bei Starkregen plötzlich anschwellen könnten. Starkregen könne überall herunterkommen.

Geschäftsführer Frank Hömme ergänzt: „Die Anzahl der Starkregen hat deutlich zugenommen und wird dies auch in Zukunft tun. Außer Donald Trump widerspricht niemand, dass das mit dem Klimawandel zusammenhängt.“ Und Starkregen ist in mehrfacher Hinsicht problematisch. Volker Thesen, Mitarbeiter des Büros Hömme, erläutert: „Stark­regen wird zwar vorhergesagt. Die Experten können aber nicht genau sagen, wo er niedergeht.“ Zudem gebe es bei Starkregen kaum Anlaufzeit, um sich darauf vorzubereiten. Für ein Flusshochwasser könne man sich hingegen schrittweise Strategien überlegen: Ab dann werde der Keller geräumt, ab dann das Auto weggefahren.

Für das Hochwasserschutzkonzept sollen nun für alle Orte der VG Saarburg Informationen zusammengetragen werden, um dann Schutzmaßnahmen und Handlungsempfehlungen öffentlicher und privater Art zusammenzustellen. Frank Hömme: „Das Besondere an diesem Konzept ist, dass wir die Einwohner eng einbinden.“ Sie würden in Workshops gefragt, wer schon mal Probleme gehabt habe, wo das Wasser hergekommen sei und wo es hinfließe. Hömmes: „So erhalten wir präzise Auskünfte. Das ist besser als jede andere Planungsgrundlage.“ Das Büro arbeitet darüber hinaus mit allen zusammen, die für das Thema von Bedeutung sind wie der VG-Verwaltung, den Ortsgemeinden, den Feuerwehren, der Straßenbaubehörde und dem Forst.

Konkret geht es bei Hausbesitzern beispielsweise darum zu fragen, ob eine Gartenmauer Wasser abhält und wie die Lücke mit dem Tor geschlossen werden kann. Weitere Punkte: Sind Rückstauventile im Keller eingebaut? Im öffentlichen Raum geht es zum Beispiel darum zu prüfen, ob der tiefste Punkt im Neubaugebiet von Bebauung frei bleiben kann und ob die Infrastruktur gefährdet ist. Sind Stromkästen vor Überflutungen sicher? Bleiben Handys und Telefonnetze intakt? Ist die Feuerwehr vor Ort mit Pumpen und Ähnlichem ausgestattet?

Zwei Jahre hat die Verbandsgemeinde Saarburg Zeit, das Konzept zu erstellen. Auf die Infoveranstaltung folgen Workshops in den Orten zur Info- und Ideensammlung. In einer zweiten Workshoprunde wird dargelegt, was warum umgesetzt wird und was nicht.

Anfang des Jahres ist die Ruwer bei Hentern über die Ufer getreten und hat Wiesen und Weiden entlang des Flusslaufs überschwemmt.
Anfang des Jahres ist die Ruwer bei Hentern über die Ufer getreten und hat Wiesen und Weiden entlang des Flusslaufs überschwemmt. FOTO: Christa Weber / Trierischer Volksfreund