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Blaulicht
Falscher Polizist ruft 13-mal in Hochwaldort an

Falsche Polizisten haben erneut Bürger der Region mit einem Trick in die Irre geführt. Die Taktik ist immer ähnlich, wie die Trierer Polizei mitteilt. Mit Hilfe von Internetprogrammen erzeugten sie eine gefälschte Nummer mit regionaler Vorwahl.
Falsche Polizisten haben erneut Bürger der Region mit einem Trick in die Irre geführt. Die Taktik ist immer ähnlich, wie die Trierer Polizei mitteilt. Mit Hilfe von Internetprogrammen erzeugten sie eine gefälschte Nummer mit regionaler Vorwahl. FOTO: dpa / Julian Stratenschulte
Schillingen. Betrugsversuche angeblicher Polizeibeamter am Telefon haben landesweit zugenommen. In Schillingen erkannten Bürger den Trick, sie mit Hilfe eines erfundenen Einbruchs in der Nachbarschaft nach ihren Wertsachen auszufragen. Die Polizei sieht darin einen Erfolg ihrer Aufklärungsarbeit. Von Christa Weber
Christa Weber

Das Telefon von Hans-Albert Schmitt klingelt um kurz vor 23 Uhr. Das Display zeigt eine Nummer mit Hermeskeiler Vorwahl an. Als der Schillinger abnimmt, meldet sich eine Männerstimme und fragt: „Ist bei Ihnen alles in Ordnung?“ Der Anrufer stellt sich als Polizist „Herr Weber“ vor und berichtet, dass in der Nachbarschaft eingebrochen worden sei. Die Polizei habe zwei Verdächtige festgenommen. Diese hätten eine Liste möglicher weiterer Einbruchsopfer bei sich gehabt, auf der auch Schmitts Name stehe.

Als sich der angebliche Polizist nach einem Tresor oder Wertgegenständen in seinem Haus erkundigt habe, sagt der Schillinger, sei er misstrauisch geworden. „Da ist mir ein Kronleuchter aufgegangen, dass das einer dieser Betrugsanrufe sein könnte.“ Er habe angekündigt, den Beamten in der Dienststelle zurückzurufen und aufgelegt. Beim anschließenden Anruf bei der Dienststelle in Hermeskeil erfuhr Schmitt, er sei bereits der elfte Betroffene aus Schillingen (Verbandsgemeinde Kell am See), der einen solchen Vorfall melde.

Insgesamt 13 Anrufe falscher Polizisten seien der Inspektion in Hermeskeil gemeldet worden, teilt die Pressestelle des Trierer Präsidiums auf TV-Nachfrage mit. „Diese Betrugsmasche ist altbekannt“, sagt Polizeipressesprecher Uwe Konz. In der Region Trier gebe es immer wieder solche Anrufe, die Polizei kläre darüber regelmäßig auf. „Dass sich jetzt so viele Betroffene sofort bei der Polizei gemeldet haben, zeigt uns, dass unsere Warnhinweise wahrgenommen werden.“

Landesweit haben Betrugsanrufe falscher Polizisten zugenommen. Die Täter wollen ihre meist älteren Opfer am Telefon zur Übergabe von Bargeld und anderen Wertgegenständen überreden (siehe Hintergrund). Das Landgericht Trier hat Anfang Juli einen 27-Jährigen wegen bandenmäßigen Betrugs zu viereinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Er hatte als Geld-Abholer fungiert und dabei geholfen, Senioren aus Trier, Klüsserath und Schweich um Zehntausende Euro zu erleichtern – bis ihn Zivilfahnder stellten.

Die Vorgehensweise der falschen Polizisten ist laut Uwe Konz stets ähnlich. Sie wählten „älter klingende Namen“ und kurze Nummern aus Telefonbüchern aus, weil diese auf ältere Bürger beziehungsweise alte Anschlüsse schließen ließen. Mit Hilfe von Internetprogrammen erzeugten sie eine gefälschte Nummer mit regionaler Vorwahl. Die Telefonzentralen der Hintermänner lägen in der Regel im Ausland, beispielsweise in der Türkei. Nach bisherigen Erkenntnissen sei in Schillingen niemand auf die Betrüger hereingefallen und habe Wertgegenstände an die Gauner übergeben. „Wie es aussieht, blieb es bei den Versuchen.“

In der TV-Redaktion haben sich noch weitere Betroffene aus dem Hochwaldort gemeldet, die jedoch nicht mit ihren Namen in der Zeitung genannt werden möchten. Eine Frau berichtet, der falsche Polizist habe „im feinsten Hochwälder Dialekt“ gesprochen und sich sehr gut ausgekannt mit den Straßennamen im Ort. „Das klang alles nachvollziehbar, es hätte wirklich die Polizei sein können.“ Als der Anrufer sie gebeten habe, in ihrem Tresor nachzusehen, ob dort vielleicht etwas fehle, habe sie nur „schlaftrunken“ geantwortet, dass sie keine Wertsachen im Haus habe. Als dann ihr Sohn nach Hause gekommen sei, habe sie das Gespräch abgebrochen. „Ich habe jetzt keine Angst, weil es bei mir nichts zu holen gibt“, sagt die Hochwälderin. „Aber es gibt ja viele ältere Menschen, die ihr Geld wirklich im Haus haben.“ Auch Hans-Albert Schmitt findet: „Die Leute müssen gewarnt werden.“ Ein weiterer Betroffener erzählt dem TV von der Ankündigung des falschen Polizisten, dass die Polizei bei ihm zu Hause vorbeikommen werde. Dies habe ihn sehr beunruhigt.

„Diese Leute wollen das Vertrauen ihrer Opfer gewinnen“, sagt Polizeisprecher Konz. Deshalb kündigten sie hin und wieder auch an, dass ein Beamter nach dem Rechten sehen werde. Konz versichert: „Wir als Polizei würden uns so nie melden.“ Wer erst gar nicht auf die Fragen eingehe, das Telefonat so früh wie möglich beende und ankündige, seine örtliche Polizeidienststelle anzurufen, der habe in der Regel danach Ruhe.

Die Täter zu ermitteln, sei schwierig. „Es kommt schon mal vor, dass ein Geschädigter zum Schein auf die Anrufer eingeht und uns einschaltet. Dann erwischen wir vielleicht den Läufer, der das Geld abholen kommt.“ An die Drahtzieher im Ausland  komme man dagegen nur sehr schwer heran.