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Predigen, taufen, trauen und beerdigen

Marion Polzer freut sich auf ihre Aufgaben der Evangelischen Kirchengemeinde Hermeskeil-Züsch. TV-Foto: Ursula Schmieder
Marion Polzer freut sich auf ihre Aufgaben der Evangelischen Kirchengemeinde Hermeskeil-Züsch. TV-Foto: Ursula Schmieder
Hermeskeil. Mit Marion Polzer erhält die Kirchengemeinde Hermeskeil-Züsch Verstärkung. Als formell ordinierte Prädikantin (Laienpredigerin) wird sie Gottesdienste feiern, predigen, taufen, trauen und beerdigen. Vor allem aber will sie für die 2500 Gläubigen der Kirchengemeinde da sein. Ursula Schmieder

Hermeskeil. Die von ihrer Fläche sehr große evangelische Kirchengemeinde Hermeskeil-Züsch hat personellen Zuwachs erhalten. Am Wochenende wurde Marion Polzer formell in ihr neues Amt als Prädikantin eingeführt. Frisch ordiniert wird sie künftig nicht nur Gottesdienste feiern und predigen. In Absprache mit Pfarrerin Heike Diederich wird sie auch taufen, trauen und bestatten. Polzers rein ehrenamtliches Engagement als Prädikantin wird die Pfarrerin deutlich entlasten in ihrer großen Gemeinde.
Bei einem zweijährigen Kurs erwarb sie die Fähigkeiten für ihr neues Amt. Die zweifache Mutter besuchte während dieser Zeit Wochenkurse und Wochenendseminare.
Neben der Weiterbildung und jetzt dem neuen Ehrenamt arbeitet Polzer halbtags bei der Gemeinde und ist zuständig für Besuchsdienste oder die Vorbereitung von Veranstaltungen.
Für jemanden mit Familie und Halbtagsjob sei eine solche Weiterbildung nicht immer leicht zu organisieren, räumt die 44-jährige Saarländerin ein. Doch da Mann, Kinder, Verwandte und Freunde hinter ihrem Engagement stehen, hat es geklappt: "Die Ausbildung hat Spaß gemacht und mir auch viel gegeben." Die neuen Erfahrungen möchte sie keinesfalls nicht missen. Allerdings sei das auch Pfarrerin Diederich zu danken, betont Polzer. Sie habe sie unterstützt, gefördert und beständig begleitet - aber auch Themen wie Trauer und Tod nicht von ihr ferngehalten: "Ich hatte in ihr eine Super-Mentorin", weiß Polzer das erlebte "schöne Miteinander" und das "learning by doing" zu schätzen.
Den Einsatz von Prädikanten sieht sie als Bereicherung. Denn als Laien, die kein Theologiestudium mitbringen müssen, könnten sie "hochtheologische" Predigten um ihre Sicht der Dinge ergänzen, bestätigt Pfarrerin Diederich. Sie hält auch das Miteinbeziehen von Laien mit unterschiedlichem familiären Hintergrund und den verschiedenen Berufen für sehr wichtig: "Es gibt in Gemeinden ganz viele Menschen, die etwas zu sagen haben - aus ihrer Perspektive, mit ihren Worten und aus ihrer Erfahrungswelt."
Ursprünglich hatte sich Polzer für den Beruf der Bauzeichnerin entschieden. "Damals war das so ein Topberuf", begründet sie rückblickend. Doch nach der Ausbildung sei es schwer gewesen, in diesem Beruf auch Fuß zu fassen. Bis zur Geburt ihrer Kinder arbeitete sie daher in der Prüfabteilung eines Funktechnik-Spezialisten. Ihr Engagement für Religion und Gott und Kirche ist für Polzer von Kindheit an Teil ihres Lebens. Das habe schon mit Kindergottesdiensten und Konfirmandenunterricht angefangen und später seine Fortsetzung gefunden. So etwa im Christlichen Verein Junger Menschen (CVJM) oder als Lektorin, Kirchenorganistin oder Presbyterin. "Das wurde ganz langsam immer so ein bisschen mehr."
Extra

Kirchengemeinde: Der Evangelischen Kirchengemeinde Hermeskeil-Züsch gehören gut 2500 Christen an. Sie erstreckt sich über Verbandsgemeinde-, Kreis- und Landesgrenzen. Zu ihr gehören alle Kommunen der Verbandsgemeinde Hermeskeil sowie die der Verbandsgemeinde Kell bis auf Zerf und die saarländische Gemeinde Nonnweiler. Zu dieser zählen acht Ortsteile: Bierfeld, Braunshausen, Kastel, Nonnweiler, Otzenhausen, Primstal, Schwarzenbach und Sitzerath. urs