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Freizeit
Gut gereizt und top platziert

Besonderer Moment bei der offenen Skat-Weltmeisterschaft Ende August in Berlin: Vor dem Nationen-Wettbewerb sind Fahnenträger der teilnehmenden Länder in den Turniersaal marschiert. Ralf Gluding aus Hermeskeil war einer der 800 Skatfreunde, die in der Einzelwertung um den WM-Titel kämpften.
Besonderer Moment bei der offenen Skat-Weltmeisterschaft Ende August in Berlin: Vor dem Nationen-Wettbewerb sind Fahnenträger der teilnehmenden Länder in den Turniersaal marschiert. Ralf Gluding aus Hermeskeil war einer der 800 Skatfreunde, die in der Einzelwertung um den WM-Titel kämpften. FOTO: ISPA World / ANDREJ FANGRAT/ISPA World
Hermeskeil . Ralf Gluding aus Hermeskeil-Höfchen hat unter 800 Teilnehmern der Skat-Weltmeisterschaft in Berlin den 17. Platz erreicht. Damit schrammte er zwar knapp an der Finalrunde vorbei. Ein unvergessliches Erlebnis war es für ihn dennoch. Von Christa Weber
Christa Weber

Skatspielen ist eine große Leidenschaft von Ralf Gluding. Schon im Alter von drei Jahren, sagt der Hermeskeiler, habe er damit angefangen. Mit fünf Jahren sei er in Sachen reizen, trumpfen und Stiche machen „schon ein kleiner Fuchs“ gewesen. Seine Eltern hätten ihm das beliebte Kartenspiel beigebracht: „Sie brauchten einen dritten Mann, und der war ich.“

Der 56-Jährige, der vielen Hermeskeilern durch seine früheren politischen Aktivitäten bekannt sein dürfte – 2009 war er SPD-Kandidat für die Wahlen zum Stadt- und Verbandsbürgermeister –, lebt mit seiner Familie im Stadtteil Höfchen. Dort spielt er regelmäßig Skat, tritt außerdem für den Verein Herz Dame Schönberg in der Regionalliga an. Sein bislang eindrucksvollstes Turniererlebnis hatte Gluding jedoch vor kurzem in Berlin. Dort fand Ende August die offene Skat-Weltmeisterschaft statt, die alle zwei Jahre vom Welt-Skatverband ISPA (International Skat Players Association) an wechselnden Orten veranstaltet wird (siehe Info). Unter 800 Teilnehmern aus aller Welt  – darunter etwa 100 Frauen – erreichte der Hochwälder Platz 17 in der Einzelwertung.

„Das war etwas absolut Besonderes“, schwärmt er noch immer von der Atmosphäre des Turniers, das im Berliner Maritim Hotel ausgetragen wurde. Es gab mehrere Wettbewerbe; ermittelt wurden unter anderem auch ein Jugendsieger, die beste Mannschaft und das beste Nationalteam.

Eine Woche lang saßen die Spieler täglich an einem der 200 Tische im Saal. Gespielt wurden 15 Serien mit jeweils 48 Spielen. „Das sind pro Spieler insgesamt rund 30 Stunden Skat“, sagt Gluding. „Das macht viel Spaß, erfordert aber auch hohe Konzentration.“ Und so still, wie mancher glaube, gehe es auch nicht immer zu: „Das wird schon mal laut, wenn die Emotionen rausmüssen.“

Für den Hermeskeiler war es das erste große internationale Turnier. Von den Teilnehmern aus der Region, darunter einige aus Schweich, Saarburg und Hillesheim in der Eifel, habe er die beste Platzierung erreicht. Begleitet habe ihn sein Skatfreund aus Höfchen, Otto Dewald, der auf Platz 302 landete. „Irgendwo unter den besten 200“, sagt Gluding, sei ursprünglich sein Ziel gewesen: „Aber dann lief es einfach erstaunlich gut.“ Und zwar so gut, dass der Hermeskeiler nur knapp an der Finalrunde vorbeigeschrammt ist. Dort kämpften am letzten WM-Tag die besten 16 Teilnehmer um den Weltmeistertitel. „23 Punkte haben mir zu Platz 16 gefehlt, ein falscher Spielzug war schuld“, stellt Gluding noch ein wenig zerknirscht fest. „Wenn es so knapp ist, tut das weh.“ Dennoch sei er natürlich stolz auf seine Platzierung und die 17 677 erreichten Punkte.

Besonders qualifizieren musste sich der Hermeskeiler für die Teilnahme nicht. „Die WM ist eine offene Veranstaltung. Es kann jeder mitspielen, der die Regeln beherrscht“, sagt Rosita Rodehüser, Vorstandspräsidentin der ISPA World, dem TV. Die Teilnehmer müssten auch keinem Verein oder Verband angehören. Das Startgeld in Höhe von 150 Euro werde „zu 100 Prozent ausgeschüttet“. Skat sei allerdings ein „Geschicklichkeitsspiel“, betont Rodehüser. „Bei 15 Serien ist der Glücksfaktor, unter die 16 Besten der Finalrunde zu kommen, sehr gering.“

Ralf Gluding hat sein Können bewiesen. Aber nicht nur wegen des spielerischen Erfolgs wird er die Tage in Berlin so schnell nicht vergessen. Besonders beeindruckt, sagt er, habe ihn am ersten Abend der Einmarsch der Nationen, die jeweils von einem Fahnenträger vertreten wurden. „Da ist es mir eiskalt den Rücken runtergelaufen.“ Gefallen habe ihm auch die feierliche Gala zur Ehrung der Sieger am Abschlussabend.

Als Erinnerung hat Gluding nicht nur ein T-Shirt und Skatkarten mit WM-Motiv mit nach Hause genommen, sondern auch insgesamt 1300 Euro. 850 Euro gab es für Platz 17 im Einzel, den Rest hat er bei weiteren Wertungen (Tandem und Mannschaft) erspielt. Allerdings hat er die Reise aus eigener Tasche bezahlt. Die Kosten seien ein Grund, warum er noch nie zuvor bei EM- oder WM-Turnieren dabei gewesen sei. „Vor zwei Jahren war es Las Vegas, 2020 ist die WM in Kanada, das ist dann doch zu teuer.“

Über eine EM-Teilnahme nächstes Jahr denke er noch nach. Die steigt erstmals auf einem Kreuzfahrtschiff (siehe Info).

Im Hochwald wird Gluding aber definitiv weiter zocken. Sein Verein organisiert regelmäßig Spielabende mit durchschnittlich 35 Teilnehmern in Thomm oder Thalfang.

Im Januar gibt es ein großes Preisskatturnier in Beuren, an Fastnacht wieder einen 24-Stunden-Marathon in Morbach: „Wir sind offen für jedermann. Bei den Spielabenden sind auch Nicht-Mitglieder willkommen.“

Andenken an ein besonderes Erlebnis: Auf dem T-Shirt von Ralf Gluding –  hier beim Skatspielen in einem Hermeskeiler Lokal –  ist das Logo der Skat-Weltmeisterschaft 2018 in Berlin abgebildet. Dort hat Gluding in der Einzelwertung den 17. Platz erreicht.
Andenken an ein besonderes Erlebnis: Auf dem T-Shirt von Ralf Gluding – hier beim Skatspielen in einem Hermeskeiler Lokal – ist das Logo der Skat-Weltmeisterschaft 2018 in Berlin abgebildet. Dort hat Gluding in der Einzelwertung den 17. Platz erreicht. FOTO: Trierischer Volksfreund / Christa Weber