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Windkraft
Rat fürchtet mehr Belastung durch Windräder

Greimerath. Bei Greimerath am Judenkopf drehen sich schon Windräder auf saarländischer Seite. Nun plant auch die Verbandsgemeinde Kell, in der Nähe des Ortes Anlagen zuzulassen. Das löst bei einigen Gemeinderatsmitgliedern Bedenken aus. Am Montag gibt es eine Bürgerversammlung. Von Christa Weber
Christa Weber

Der Verbandsgemeinderat Kell am See hat einen neuen Entwurf für künftige Windkraftflächen beschlossen. Die bisher favorisierten Gebiete am Teufelskopf und im Zerfer Wald sind aus dem Rennen. Denn sie liegen in einer Kernzone des Naturparks Saar-Hunsrück (TV vom 9. Juni).

Im Greimerather Gemeinderat wurden die angestrebten neuen Flächen am Mittwochabend detailliert vorgestellt. Planer Reinhold Hierlmeier erklärte zudem ausführlich die Gründe für die Auswahl. Denn neben der Manderner Rodung liegen die übrig gebliebenen Gebiete alle in der Umgebung der Gemeinde Greimerath. Deren Vertreter hatten schon im VG-Rat betont, dass die Greimerather durch den neuen Entwurf „besonders belastet“ würden.

„Es ging darum, dass ein vernünftiges Restpotenzial bleibt“, erläuterte Planer Hierlmeier zu der Suche nach alternativen geeigneten Flächen. Dabei habe man zunächst die „harten“ Landesvorgaben angewandt wie beispielsweise Mindestabstände zu Wohnsiedlungen, die von der VG nicht beeinflusst werden könnten.

Ein „weiches Kriterium“ und damit veränderbar sei dagegen der Wert der Windhöffigkeit, die angibt, wie stark an einer bestimmten Stelle der Wind bläst. Der VG-Rat habe sich auf mindestens 6,3 Meter pro Sekunde geeinigt. Dadurch blieben die größten Flächen bei Greimerath übrig.

 „Geht man mit dem Wert hoch, fallen große Flächen der Manderner Rodung und auch bei Greimerath am Ferdinandshaus weg. Aber das würde mit Sicherheit als Verhinderungsplanung ausgelegt“, erklärte Hierlmeier. Dann würde der Flächennutzungsplan nicht genehmigt, und die VG könne den Bau neuer Anlagen überhaupt nicht steuern.

Hilfreich sei für die Greimera­ther aber ein Gutachten zur Einkreisung von Gemeinden durch Windräder. Demnach müsse beim Blick aus dem Dorf nach Süden Richtung Windpark ein Blickwinkel von 60 Grad anlagenfrei bleiben. So habe es auch der VG-Rat beschlossen. Damit bleibe im Greimerather Wald noch ein Potenzial von 53 Hektar. Um auch die Fläche am Schneeberg Richtung Zerf zu verkleinern oder zu streichen, fehlten „stichhaltige planerische Argumente“.

Allerdings: Bei Anlagen von mehr als 200 Metern Höhe müssten mindestens 1100 Meter Abstand zur Ortslage eingehalten werden. Das schränke die Zahl möglicher Räder am Schneeberg und am Ferdinandshaus ein. Letztlich sei es aber die Entscheidung der Investoren, wie viele und welche Anlagenmodelle sie aufstellten.

Protest kam aus der CDU-Fraktion. „Ich persönlich will kein weiteres Windrad hier, die Belastung ist so schon hoch genug“, fand Simone Martini. Herbert Martini (ebenfalls CDU) verwies auf einen Wertverlust für Greimerather Immobilien.

Dazu sagte der Planer: „Es gibt die Rechtsprechung, dass mögliche Wertverluste vom Eigentümer hinzunehmen sind.“ Er wisse von Bürgerinitiativen, die versucht hätten, Wertverluste per Gutachten zu belegen. Dies sei aber nicht gelungen, weil dies „häufig eine sehr subjektive Einschätzung ist“.

Herbert Martini, der sich als Mitglied einer Bürgerinitiative schon gegen den saarländischen Windpark am Judenkopf gewehrt hatte, sprach den Lärm durch zusätzliche Anlagen an: „Bei Westwind müssen wir jetzt schon den Fernseher lauter stellen.“ Es gehe um den Schutz einer Gemeinde, „die ja nun lange vor den Windrädern da war“.

Der Gesetzgeber hat Windrädern einen „hohen Rechtsstatus“ verliehen, sagte Hierlmeier. Gebe es keine Hindernisse, dürften sie gebaut werden. Ob sich der Schall durch die neuen Räder summiere oder je nach Windrichtung manche Anlagen vielleicht gar nicht zu hören seien, sei schwer vorherzusagen. Würden Lärmgrenzwerte überschritten, müssten Betreiber die Anlagen definitiv abschalten.

Dies geschehe schon jetzt am Judenkopf nicht, hielten CDU-Mitglieder dagegen. Ralf Taubert kritisierte außerdem, dass für den Bau der Räder „unglaublich viel Natur in einem topgepflegten Wald zerstört“ werden müsse.

Der Planer empfahl der Gemeinde, mit Interessenten zu verhandeln, um „zumindest eine Art finanzielle Entschädigung“ zu haben. Denn Teile der vorgesehenen Windkraftflächen liegen auf Greimerather Gemarkung. Wie sich die Gemeinde positionieren wird, ist laut Ortsbürgermeister Edmund Schmitt noch offen.

„Die Geschichte ist weder heute noch am Montag abgeschlossen“, sagte er mit Blick auf eine Versammlung am Montag, 30. Juli, in der Grimoldhalle (siehe Info). Dort wird Hierlmeier die vielen Fragen der Bürger zu den Windkraftplänen beantworten.