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Schulen
Realschüler lernen ab Montag alle in Kell – manche vorerst im Pavillon

Alles bereit für den Start ins neue Schuljahr: Ab Montag werden auch die älteren Realschüler in Kell unterrichtet, die bislang in Zerf untergebracht waren. Bis der erste Teil des geplanten Erweiterungsbaus steht, dienen übergangsweise diese Pavillons als mobile Klassenräume.
Alles bereit für den Start ins neue Schuljahr: Ab Montag werden auch die älteren Realschüler in Kell unterrichtet, die bislang in Zerf untergebracht waren. Bis der erste Teil des geplanten Erweiterungsbaus steht, dienen übergangsweise diese Pavillons als mobile Klassenräume. FOTO: Trierischer Volksfreund / Christa Weber
Kell am See/Zerf. Da die Realschule plus nur noch einen Standort hat, können Kreis und Verbandsgemeinde ihre Pläne in Kell und Zerf vorantreiben. Einige Folgen sind schon sichtbar. Anderes muss noch geregelt werden. Von Christa Weber
Christa Weber

Der ein oder andere hat es vielleicht beim Spaziergang oder beim Vorbeifahren schon gesehen. Auf dem unteren Hof der Realschule (RS) plus in Kell sind Pavillons für mobile Klassenräume aufgebaut. Sie zeigen bereits an, dass dort ab Montag deutlich mehr los sein wird als im vergangenen Schuljahr. Denn jetzt ziehen auch die älteren Realschüler nach Kell um, die bislang in Zerf unterrichtet wurden.

Ermöglicht hat dies die Landesschulbehörde. Sie hat entschieden, das Zwei-Standorte-Modell für die Hochwälder Einrichtung aufzuheben (TV vom 25. Juli). Zugleich ist die in Zerf verbleibende Grundschule nun nicht mehr mit der RS plus verbunden, sondern eigenständig. Der TV hat bei den Verantwortlichen vor Ort nachgefragt, welche Folgen diese Veränderung hat und welche Möglichkeiten sie eröffnet.

Der Standort Kell Der Kreis Trier-Saarburg als Träger der Realschule plus plant schon seit einiger Zeit eine Konzentration auf den Standort Kell. Zwischenzeitlich ge­riet der Plan ins Stocken, weil die Anmeldezahlen sanken. Da diese nun aus Sicht des Kreises „stabil“ sind und die Standortfrage geklärt ist, soll es mit dem geplanten Erweiterungsbau in Kell (der TV berichtete mehrfach) zügig vorangehen.

Laut Kreisverwaltung wird nach den Ferien in Ausschüssen „die nächste Planungsphase“ vorgestellt und bei Zustimmung die Bauge­nehmigung beantragt. Auch überarbeitete Kosten würden präsentiert. Eine Schätzung von Februar 2018 – inklusive späterer Sanierung des Altbaus – liege bei 12,4 Millionen Euro. Die vier kreiseigenen Pavillons nutze man ab Schuljahresbeginn als allgemeine Klassenräume. Die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) ergänzt auf Anfrage, dass die Stellen von Rektor und Konrektor – der bisherige Schulleiter ist erkrankt, der Stellvertreter an eine Trierer Schule gewechselt – ausgeschrieben seien und „möglichst zeitnah besetzt“ würden.

„Wir haben jahrelang darauf hingearbeitet und freuen uns, dass es ab Montag mit allen Schülern an einem Standort losgeht“, sagt Sven Weyrich als Vertreter der Schulleitung. Für die tägliche Arbeit sei es eine „wesentliche Erleichterung“, dass die Fahrten ins 15 Kilometer entfernte Zerf nun wegfielen. Für den Unterricht in Kell ergäben sich durch den Umzug der Siebt- bis Zehntklässler weniger Einschränkungen als erwartet. So müssten die naturwissenschaftlichen Fächer nicht vorübergehend in Hermeskeil unterrichtet werden. „Unser Naturwissenschaftsraum wird schon im ersten Halbjahr überarbeitet“, sagt Weyrich. Durch Umstrukturierungen im Biologie- und Chemie-Unterricht könne man diese Zeit überbrücken.

An die Hermeskeiler Berufsschule ausweichen müssten nur die Hauswirtschaftsschüler. „Deren Praxisteil gestalten wir aber in Form von Projekttagen. Da bleibt auch mehr Zeit, die Küche der BBS richtig zu nutzen.“ An den Neubau-Planungen werde die Schule sehr intensiv beteiligt, lobt Weyrich: „Das geht immer tiefer ins Detail. Alle sind fokussiert auf den Neubau.“

Dass es nun vorangeht, freut auch Claudia Kirchen aus Grimburg, Vorsitzende des Elternbeirats und Mutter einer künftigen Neuntklässlerin. Durch die zwei Standorte habe es immer wieder Probleme gegeben, beispielsweise mit den Busfahrten. „Der Umbau, der jetzt in Kell auf uns zukommt, ist das kleinere Übel“, sagt Kirchen. Zu den Lehrern bestehe zudem „ein sehr guter Kontakt. Probleme können wir jederzeit ansprechen.“ Sie sei froh, dass die Realschule plus als Schulform im Hochwald erhalten bleibe. Dank der nun „klaren Verhältnisse“ komme die Schule zur Ruhe, und man könne sich wieder „auf für die Kinder wichtigere Dinge“ konzentrieren. Gleichwohl behalte der Beirat die Entwicklungen im Auge: „Wir werden weiter Druck machen und die Dinge vorantreiben.“

Unterstützung sagt auch der Keller Ortsbürgermeister Markus Lehnen zu: „Wir werden unsere Bemühungen, die Schule zu stärken, nicht abreißen lassen“, sagte er am Mittwoch im Gemeinderat. Die Ortsgemeinde hatte 2017 eine große Werbekampagne für die Schule organisiert. Aktuell gibt es 30 Anmeldungen, zuvor waren es um die 20.

Der Standort Zerf Claudia Kirchen sieht auch positive Effekte für die Grundschule in Zerf, die nun eigenständig wird und in die Trägerschaft der Verbandsgemeinde (VG) Kell übergeht. „Da gibt es ja ein paar Mankos. Aber so lange die Realschüler noch da waren, konnte man die nicht anpacken“, sagt sie. Dazu sei die Trennung beider Schulformen nötig gewesen.

Diese Trennung bedeutet nun erhöhten Gesprächsbedarf zwischen Kreis und Verbandsgemeinde. Laut Kreisverwaltung wird derzeit eine Vereinbarung zur Übertragung der Trägerschaft und zum Übergang des Schulvermögens ausgearbeitet. Dabei gehe es etwa um die Organisation von Personal, Verwaltung und Kostenabrechnungen. Ein „reibungsloser Schulbetrieb“ ab dem 6. August sei aber sichergestellt. Auch Schülerbeförderung, Nachmittagsbetreuung und Schulbuchausleihe seien „mit allen Beteiligten abgestimmt“.

Eltern aus Hentern und Umgebung, deren Kinder erst seit Auflösung der Henterner Grundschule 2017 in Zerf sind, hatten mehrfach Kritik geübt, weil angekündigte Verbesserungen nicht kämen. Dabei ging es um die Neugestaltung des Schulhofs, der Toilettenanlagen und der Busverbindungen, die für manche Kinder einen mehr als 40-minütigen Schulweg bedeuteten. Bemängelt wurde auch, dass die Suche nach einem Grundschulleiter noch nicht eingeleitet worden sei. Laut ADD wird diese Stelle „zeitnah“ ausgeschrieben. Die Lehrer, die bislang in der Primarstufe der Grund- und Realschule plus unterrichtet hätten, blieben der Grundschule erhalten.

Die Kreisverwaltung erklärt, dass bei den Toiletten „die notwendigen Schritte“ bereits ergriffen worden seien. Es sei dabei vor allem „um das Problem der Geruchsbelästigung“ gegangen. Bei den Buslinien sei keine Änderung vorgesehen. Im Vorjahr sei ein Kind aus Steinbachweier wegen der Straßenbaustelle in Zerf „bis zu 40 Minuten“ unterwegs gewesen. Im neuen Schuljahr fahre kein Kind mehr von dort zur Zerfer Schule.

In Abstimmung mit der Verbandsgemeinde Kell habe man die Hofgestaltung zurückgestellt, weil die VG größere bauliche Veränderungen plane. Wie die aussehen sollen, ob saniert oder neu gebaut wird, ist noch offen. Einen fixen Zeitplan für diese Entscheidung gebe es nicht, sagt VG-Büroleiter Norbert Willems in Vertretung des Bürgermeisters. Zunächst sei wichtig, die Verfügung der ADD umzusetzen. Die Eigenständigkeit der Grundschule bringe aber in jedem Fall Sicherheit für das weitere Vorgehen.