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Tierrettung
Rettung in Schillingen: Mehrere Tausend Euro für die Katz

Minka ist rund zwei Monate nach ihrer Rettung aus einem Kanal in Schillingen wieder wohlauf. Besitzer Reinhold Thomé weiß allerdings noch nicht, wie teuer der aufwendige Befreiungseinsatz für ihn werden könnte.
Minka ist rund zwei Monate nach ihrer Rettung aus einem Kanal in Schillingen wieder wohlauf. Besitzer Reinhold Thomé weiß allerdings noch nicht, wie teuer der aufwendige Befreiungseinsatz für ihn werden könnte. FOTO: Florian Blaes
Schillingen. Minka steckt Mitte März in einem Kanalrohr fest, bevor sie unter großem Aufwand befreit wird. Bei ihrem Besitzer flattern nun erste Rechnungen ins Haus. Wer zahlt, ist noch nicht ganz klar. Ein anderes Problem wurde jedoch gelöst. Von Florian Blaes

Große Aufregung herrschte am 22. März in der Moorwiese in Schillingen. Katze Minka war in ein Straßenentwässerungsrohr geklettert und im Vorgarten von Sven Philippi in drei Metern Tiefe im Kanal steckengeblieben (der TV berichtete). Um das Tier zu befreien, war einiger Aufwand nötig. Jetzt werden allmählich die ersten Nachwirkungen der aufwendigen Rettungsaktion spürbar – vor allem für Minkas Besitzer Reinhold Thomé.

Ein Bauunternehmen musste damals mit Bagger und drei Mitarbeitern anrücken, um das Kanalrohr im Garten des Nachbarn freizulegen. Auch Mitarbeiter des Wasserwerks der Verbandsgemeinde (VG) Kell am See waren mit Rohrkamera und einem Ortungsgerät im Einsatz. Die örtliche Feuerwehr kam ebenfalls hinzu, da rund um die Grube viel Schnee lag, der zu schmelzen begann. Die Katze drohte im Kanal zu ertrinken, deshalb pumpte die Feuerwehr Wasser ab. Erst nach 15 Stunden konnte Thomé seine Minka wieder in die Arme schließen und vom Tierarzt untersuchen lassen.

Heute, mehr als zwei Monate später, geht es der Katze wieder richtig gut. „Sie hat sich von den Strapazen gut erholt, bekam damals zwei Spritzen und wurde in ein Wärmetuch eingewickelt“, erzählt der Katzenliebhaber Thomé. Er selbst erhalte nun nach und nach die ersten Rechnungen für die Rettungsaktion, die per Post bei der Familie eintrudelten. Die erste kam von dem Bauunternehmen, das 4260 Euro für den Baggereinsatz in Rechnung stellt. Zumindest diesen Betrag habe seine private Haftpflichtversicherung übernommen, sagt der Schillinger.

Noch keine Rechnung gibt es zu den Kosten des Feuerwehreinsatzes. Christian Scholz, Pressesprecher der Feuerwehr Schillingen, erklärt auf TV-Nachfrage: „Eine Tierrettung ist ein technischer Hilfeleistungseinsatz. Einsätze dieser Art sind grundsätzlich kostenpflichtig.“ Die Kosten für die Katzenrettung in Schillingen würden von der Verbandsgemeinde ermittelt. Fest stehe, dass die eingesetzten Mittel, die Fahrzeuge und die Kräfte nach ihrer Einsatzzeit bezahlt werden müssten. Dabei sei unter Umständen auch ein entstandener Verdienstausfall zu berücksichtigen.

Dies gilt auch für den selbstständig tätigen Nachbarn Philippi, in dessen Garten die Katze feststeckte. Er habe an dem Tag nicht arbeiten können und müsse seinen Verdienstausfall in Rechnung stellen. „Diese Kosten werden wohl im unteren dreistelligen Bereich liegen“, schätzt Sven Philippi. Wer für seine Kosten, die der Feuerwehr und die der VG- Werke letztlich aufkommen wird, ist noch nicht geklärt. Für Reinhold Thomé zählt auf jeden Fall eines: „Ich bin froh, dass Minka gerettet wurde, Hauptsache, ihr geht es gut. Ich danke nochmals allen Helfern.“

Aus Thomés Sicht hat die ganze Angelegenheit außerdem noch einen entscheidenden Fortschritt gebracht: Die Werke haben vor wenigen Tagen ein Gitter vor dem Entwässerungsrohr angebracht, durch das Minka in den Kanal gekrochen war. Thomé hatte kritisiert, dass in dem Rohr schon mehrfach Katzen festgesteckt hätten und es deshalb irgendwie verschlossen werden müsse. „Nach der Rettungsaktion war ich mehrmals bei den VG-Werken in Kell und habe darum gebeten, dass man dort handelt“, berichtet der Tierfreund.

Werkleiter Jörg Jost ist allerdings nach wie vor nicht begeistert von dieser Lösung. Dem TV erklärt er: „Der Auslauf sollte nach Möglichkeit frei bleiben, damit sich kein Laub oder andere Gegenstände dort festsetzen können.“ Wenn der Ablauf verstopft sei, könne sich das bei starkem Regen bis zurück in die Häuser der Anlieger auswirken. Die Werke haben nun dennoch ein Schutzgitter angebracht – allerdings verbunden mit Auflagen. „Nach jedem starken Regenguss muss der Abfluss kontrolliert werden, und diese Kosten trägt der Katzenbesitzer“, stellt Jost klar. Doch damit kann Reinhold Thomé leben. „Ich bin sehr froh über diese Lösung, auch wenn ich die entstehenden Kosten bezahlen muss. Das sind mir meine Katzen wert.“

Die VG-Werke Kell am See haben das Rohr, über das die Katze in den Kanal gelangt war, inzwischen mit einem Gitter abgedeckt.
Die VG-Werke Kell am See haben das Rohr, über das die Katze in den Kanal gelangt war, inzwischen mit einem Gitter abgedeckt. FOTO: Florian Blaes