| 16:05 Uhr

Schulen
Schulbau in Kell: So geht es weiter

In drei Bauabschnitten (BA, siehe große Grafik) soll die Realschule plus in Kell bis 2024 erweitert werden. Die konkreten Pläne hat Landrat Günther Schartz (Bildmitte, helles Hemd) mit Kreis-Mitarbeitern, Vertretern der Schule, Bürgermeister Martin Alten (links) und Ortsbürgermeister Markus Lehnen (rechts) in Kell vorgestellt.
In drei Bauabschnitten (BA, siehe große Grafik) soll die Realschule plus in Kell bis 2024 erweitert werden. Die konkreten Pläne hat Landrat Günther Schartz (Bildmitte, helles Hemd) mit Kreis-Mitarbeitern, Vertretern der Schule, Bürgermeister Martin Alten (links) und Ortsbürgermeister Markus Lehnen (rechts) in Kell vorgestellt. FOTO: Trierischer Volksfreund / Christa Weber
Kell am See. Die Pläne für die Erweiterung der Realschule plus im Hochwald sind fix. Die Bagger können aber wohl erst im Sommer 2020 loslegen. Von Christa Weber
Christa Weber

An der Realschule plus in Kell am See hat sich seit dem Sommer einiges verändert. Im August hob die Schulbehörde den Zweitstandort in Zerf auf. Seitdem werden alle Kinder von der Klasse fünf bis zehn in Kell unterrichtet – davon manche in mobilen Klassenräumen auf dem Hof. Denn noch herrscht Platzmangel, weil der vom Kreis beschlossene Erweiterungsbau noch nicht da ist. Was das betrifft, hat sich aber laut Günther Schartz im Hintergrund etwas getan. „Deshalb ist es an der Zeit, einen Statusbericht zu geben“, leitet der Landrat ein zu diesem Zweck anberaumtes Pressegespräch an der Schule ein.

Das Bauprojekt Inzwischen liegt die Planung für den Erweiterungsbau vor. Sie wurde entwickelt von den Architekturbüros Frank Heinz und Fuchs.Maucher aus Waldkirch bei Freiburg, die auch den Architektenwettbewerb gewonnen hatten. Geplant ist ein zweigeschossiger Anbau an den bestehenden Altbau. „Wir wollen in drei Bauabschnitten vorgehen“, erläutert Anne Pletsch vom Gebäudemanagement des Kreises. Abschnitt eins in Richtung Schulstraße (siehe Grafik) umfasse einen erneuerten Eingangsbereich, Klassen- und Naturwissenschaftsräume, Toiletten, Büros, Bibliothek, Aula, Küche und  Mensa.

„Damit ist der Mindestraumbedarf erfüllt“, sagt Pletsch. Im zweiten Abschnitt kämen unter anderem ein Kunst- und Musikraum, Räume für die Ganztagsbetreuung und ein Computerlabor hinzu. Abschnitt drei diene zur Sanierung des Altbaus inklusive Lehrerzimmer und Verwaltung.

Der zeitliche Ablauf Der Bauantrag werde bis Ende 2018 gestellt, kündigt Pletsch an. Auf die Genehmigung der Landesfachbehörden – das zeigten die jüngsten Erfahrungen – werde der Kreis aber wohl ein ganzes Jahr warten. Ein Umstand, der für den Landrat „so nicht mehr zu akzeptieren ist. Das kostet unnötig Zeit, und die Preise steigen ja auch.“ Er habe das Thema schon bei Ministerpräsidentin Malu Dreyer angesprochen, die zugesagt habe, sich darum zu kümmern. Vor Juli 2020, schätzt der Kreis, wird es somit nichts mit dem Baubeginn in Kell. Abschnitt zwei könnte dann im Februar 2022 starten, die Altbau-Sanierung im August 2024 abgeschlossen sein. Die Gesamtkosten liegen laut Anne Pletsch bei 12,7 Millionen Euro, davon entfallen fünf Millionen auf den ersten Bauabschnitt.

Die Schülerzahlen Der Schulbetrieb in Kell läuft seit einiger Zeit mit einer Ausnahmegenehmigung des Landes. Denn die Realschule plus hat nur zwei Klassen pro Jahrgangsstufe, müsste aber laut Schulgesetz eigentlich dreizügig sein. Zuletzt gingen die Anmeldezahlen so weit zurück, dass eine Schließung drohte. Inzwischen sieht die Entwicklung laut Sven Weyrich, Vertreter der Schulleitung, wieder positiver aus. „Ich bin sehr optimistisch, dass wir bald beide Bedingungen für unseren  Fortbestand wieder erfüllen“, sagt Weyrich. Die da lauten: mindestens 26 Fünftklässler und insgesamt über 180 Schüler. 34 Fünftklässler sind es in diesem Schuljahr, bei der Gesamtzahl liege man mit 175 „nur eine Handvoll“ unter dem Soll. Weyrich ist aber zuversichtlich, womöglich schon zum nächsten Stichtag im März 2019, nach den Anmeldungen für das kommende Schuljahr, diese Hürde auch zu schaffen. Ein Indiz seien für ihn „die vielen positiven Rückmeldungen von Eltern“, die er vor gut einer Woche beim Tag der offenen Tür erhalten habe.

Die Politik Landrat Schartz stellt klar: „Diese Schule hat aus unserer Sicht Bestand.“ Der Kreis brauche diese „Zahlenspiele“ nicht, dort betrachte man die räumlichen Strukturen. Die Schule in Kell sei „die Realschule plus für den Hochwald“ und ein unverzichtbarer Bestandteil der Schullandschaft dort. Das bestätigt Martin Alten, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Kell am See. Das Land, sagt er, müsse der Tatsache Rechnung tragen, dass der Hochwald nicht mit Ballungsräumen wie Mainz gleichzusetzen sei. „Wir sind dünn besiedelt. Hier darf man den Fortbestand einer Schule nicht strikt an Zahlen festmachen.“ Noch deutlicher äußert sich der Keller Ortsbürgermeister Markus Lehnen: „Das ist für eine Schulentwicklung im ländlichen Raum katastrophal, wenn man bei zwei Schülern weniger schon die Schule dichtmachen will.“ Das Land tue gut daran, „diese Parameter zu überdenken“.

Stimmen aus der Schulgemeinschaft Die Zusammenführung der Realschüler in Kell ist nach Meinung aller Beteiligten geglückt. „Uns hat es das Arbeiten bereits sehr erleichtert“, sagt Sven Weyrich. Laut Kreisverwaltung ist auch der Unterricht gesichert. Für die Chemie- und Biologiestunden wurde ein provisorischer Raum eingerichtet, die Hauswirtschafter weichen an die Berufsschule in Hermeskeil aus. Über die mobilen Klassen gebe es bislang keinerlei Klagen, sagt Weyrich. Für die Schülersprecherinnen Silara Pizzardini und Anna-Lena Sabo hat die Konzentration auf den Standort Kell einen großen Vorteil: „Das hat zu einer besseren Gemeinschaft geführt. Wir fühlen uns jetzt wirklich als eine Schule.“

Carolin Heijnsbroek, stellvertretende Elternsprecherin, lobt Kell als „familiäre Schule“. Sie würde ihre beiden Kinder „nirgendwo anders hinschicken“. Die Berufsorientierung sei „top“, auch das Ganztagsangebot habe sich stark verbessert. Die gesamte Schulgemeinschaft, sagt Weyrich, freue sich nun auf den Neubau. Dass dieser wohl erst ab 2020 kommt, ist für Bürgermeister Martin Alten „ein kleiner Wermutstropfen“. Wichtig sei deshalb das Signal nach außen, dass es mit der Planung weitergehe: „Der Zug rollt, die Weichen sind gestellt.“

Kommentar:

Weiter für die Schule werben!

Viele warten sehnlichst auf den Startschuss für die Erweiterung der Realschule plus in Kell am See. Dass bislang noch kein Bagger in Sicht ist, bietet Raum für Spekulationen. Manch einer vermutet vielleicht, dass man beim Kreis die nächsten Anmeldezahlen im März 2019 abwarten will, bevor man sich wirklich in das 12,7 Millionen Euro teure Projekt stürzt. Der Landrat hat in Kell deutlich gemacht, dass dies nicht der Fall ist. Die Planung liegt auf dem Tisch. Der Kreis selbst trete – das betonen die Beteiligten – nicht auf die Bremse.

Es hakt offenbar bei den Landesbehörden, die für ihre Zustimmung einige Zeit benötigen. Was die Schülerzahlen betrifft, sind alle optimistisch. Trotzdem wird das über der Schule schwebende Damoklesschwert der gesetzlichen Vorgaben nicht einfach verschwinden. Nur weil die Politik vor Ort darauf pocht, dass die nackten Zahlen keine Rollen spielen dürfen, sondern allein der Bedarf einer solchen Schulform im Hochwald entscheidend sein muss.

Hier wird man in Mainz dicke Bretter bohren müssen, um diese Erkenntnis dort durchzusetzen – sollten die Zahlen doch unter die kritische Marke sinken. Der Idealfall wäre natürlich, dass sich die Zahlen wie erhofft stabilisieren. Um das zu erreichen, sollten die 2017 begonnenen Anstrengungen inklusive Werbeaktionen unbedingt weitergehen.

c.weber@volksfreund.de