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Sensationeller Fund im Ringgraben

Sie haben erneut in unserer Vergangenheit gegraben und diesmal sogar eine "Sensation" (Teamleiter Thomas Fritsch) an den Tag gebracht. Die Archäologen der "Terrex GmbH" haben bei ihrer Arbeit auf einem Acker nahe Hermeskeil ein reich ausgestattetes Grab eines keltischen Adligen entdeckt. Von unserem Redakteur Axel Munsteiner

Hermeskeil. Zum inzwischen vierten Mal haben die Forscher der saarländischen "Terrex GmbH" oberhalb von Hermeskeil im Boden geschaufelt und dabei den bisher spektakulärsten Fund gemacht. Auf einem Acker am "Ringgraben" haben sie die letzte Ruhestätte eines Mannes gefunden, der im ersten nachchristlichen Jahrhundert gelebt hatte und aller Wahrscheinlichkeit nach ein keltischer Adliger war. Dafür seien jedenfalls die reichen Grabbeigaben ein deutlicher Beleg, sagt Thomas Fritsch. Er leitet für die "Terrex" in Kooperation mit dem Rheinischen Landesmuseum Trier die seit Anfang September laufenden Ausgrabungen. In der freigelegten Bohlenkammer stießen die Archäologen unter anderem auf eine 1,30 Meter hohe Weinamphore aus Italien. "Das ist ein Indiz für die hohe soziale Stellung des Toten. Nur Reiche konnten sich den teuren, importierten Wein leisten", betont Fritsch. Doch damit nicht genug: Das Grab enthielt zudem einen Geschirrsatz mit zwölf Gefäßen. "Sie sollten dem Toten zur Bewirtung seiner Gäste im Jenseits dienen", erklärt Fritsch. Daneben lag eine komplette Waffenausstattung. "Das rituell verbogene Schwert und eine eiserne Kampfaxt waren einst die Angriffswaffen des Toten. Die Reste des Schildes haben wir unter den verbrannten Leichenresten gefunden", berichtet er. Bei ihren Arbeiten haben die Terrex-Leute insgesamt 46 Gräber freigelegt. Auch bargen sie teils wertvolle Schmuck- und Waffenfunde.

Die aktuellen Entdeckungen wertet der Archäologe als Bestätigung für die Erkenntnisse, die sein Team bereits bei früheren Grabungen (der TV berichtete) gewonnen hatte. "Das Gebiet um Hermeskeil war ein Zentrum keltischer Macht und ein bedeutender Siedlungsplatz", sagt Fritsch. Die Forscher haben nun den Nachweis, dass das Brandgräberfeld am "Ringgraben" vom zweiten vorchristlichen bis zum dritten nachchristlichen Jahrhundert durchgehend belegt war.

Auch für die Römer war Hermeskeil in antiker Zeit bedeutsam. Ganz in der Nähe des Gräberfelds - im Grafenwald - hatten die Forscher nämlich bereits 2005 und 2007 mysteriöse Erdwälle unter die Lupe genommen und sie als Überreste eines römischen Militärlagers ausgemacht. Fritschs Hypothese lautet, dass einst Hunderte Legionäre an Hermeskeils höchstem Punkt zur Überwachung des feindlichen Keltenstamms der Treverer stationiert waren. Der siedelte einst nur wenige Kilometer entfernt auf dem Ringwall bei Otzenhausen und gab diese mächtige Festung 53 vor Christus auf.

Die Germaneneinfälle um 270 nach Christus, bei denen auch Trier geplündert wurde, haben dann wahrscheinlich das Ende der römisch-keltischen Besiedlung von Hermeskeil besiegelt, vermutet Fritsch. Klar ist für ihn: "Die Erforschung des Hochwaldraumes bietet uns Archäologen noch spannende Möglichkeiten." Nur einen Wermutstropfen haben die Forscher zu beklagen. Unbekannte haben während der Arbeiten einen kleinen Becher und eine Flasche aus dunkelgrauem Ton aus einem Grab geraubt.

Hinweise an die Polizei: Telefon 06503/91510. Extra DieTerrex GmbH wurde im Jahr 2001 gegründet und hat sich die Pflege der keltischen und römischen Bodendenkmäler im saarländischen Landkreis St. Wendel zum Ziel gesetzt. Sie betreut unter anderem die Projekte "Römischer Vicus Wareswald" in der Nähe von Tholey und "Keltischer Ringwall von Otzenhausen". Gesellschafter der Terrex sind der Landkreis St. Wendel sowie die saarländischen Gemeinden Nonnweiler, Marpingen, Oberthal und Tholey. (ax)