| 20:35 Uhr

Sieben Standpunkte zur Windkraft

Sein Vortrag kommt in Hermeskeil gut an: Der Keller Ortsbürgermeister Markus Lehnen wirbt für den Windkraftkurs, der in diesem Teil des Hochwalds eingeschlagen wird. TV-Foto: Axel Munsteiner
Sein Vortrag kommt in Hermeskeil gut an: Der Keller Ortsbürgermeister Markus Lehnen wirbt für den Windkraftkurs, der in diesem Teil des Hochwalds eingeschlagen wird. TV-Foto: Axel Munsteiner
Hermeskeil. Wie viel Windkraft ist im Hochwald nötig? An dieser Streitfrage scheiden sich nach wie vor die Geister. Das hat sich bei einer über dreistündigen Informationsveranstaltung der Volkshochschule Hermeskeil erneut gezeigt. Sieben Experten beleuchteten mit ihren Vorträgen das komplexe Thema. Und auch viele der rund 70 Zuhörer mischten bei der Diskussion munter mit. Axel Munsteiner

Hermeskeil. "Für viele ist Windenergie eine Glaubensfrage. Diese Veranstaltung ist ein Angebot, Argumente auszutauschen." So leitet TV-Chefreporter Dieter Lintz, der als Moderator fungiert, in der gut gefüllten Bibliothek des Hermeskeiler Gymnasiums einen hochkarätig besetzten Vortragsabend der Volkshochschule ein.
In den nächsten drei Stunden bringen sieben Experten mit ihren Referaten ganz unterschiedliche Facetten des gerade in der Hochwaldregion brisanten Themas zur Sprache. Die ausdrückliche Aufforderung an die rund 70 Zuhörer, sich nach jedem Beitrag mit Nachfragen an der Diskussion zu beteiligen, wird von vielen im Publikum dankend angenommen.
Allerdings schwingt in so mancher Wortmeldung eher das Bedürfnis mit, den eigenen Standpunkt in Sachen Windkraft wiederholt deutlich zu machen - so zum Beispiel auf der Pro-Seite der Neunkircher Ortsbürgermeister Richard Pestemer und auf der Kontra-Seite Herbert Martini von der Bürgerinitiative (BI) Greimerath.
Begona Hermann von der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord erklärt zunächst, welcher rechtlicher Rahmen bei der Planung und Genehmigung von Windkraftanlagen gesteckt ist. Sie bringt das erklärte Ziel des Landes in Erinnerung, bis zum Jahr 2030 Strom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien zu gewinnen.
Achim Hill von der Energieagentur lenkt den Blick auf die Region Trier. 444 Räder drehen sich dort derzeit. 180 sollen dazu kommen. Hill nennt eine weitere interessante Zahl. In der VG Hermeskeil werden theoretisch schon heute 59 Prozent des dortigen Strombedarfs aus erneuerbaren Energien gewonnen. Ein Zuhörer stellt deshalb die Nachfrage, ob denn dann nicht das Repowering der bereits bestehenden Windräder für eine 100-Prozent-Versorgung ausreiche.
Das sei zwar denkbar, so Hill. Das Problem sei aber, dass die benötigte Stromleistung nicht zu jedem Zeitpunkt abrufbar wäre. Hinzu kommt ein weiterer Punkt, den VG-Chef Michael Hülpes anspricht. Er verweist darauf, dass sich der Hochwald für Windkraft besonders gut eignet und diese Region auch einen besonderen Beitrag für die übergeordneten Ziele der Energiewende leisten müsse. "Wir können doch nicht sagen, dass wir nur Eigenversorgung machen, und die Leute am Rhein sollen schauen, wie sie zurechtkommen." Hülpes verteidigt erneut die vom VG-Rat festgelegten Planungsgrundsätze und dabei vor allem den Mindestabstand von 1000 Metern, der beim Bau neuer Räder zur Wohnbebauung eingehalten werden soll. Karl Diller von der BI "Rettet den Hochwald" sieht das anders. Er fordert erneut, dass sich der Mindestabstand an der Nabenhöhe einer Anlage orientieren muss, was in der Praxis auf eine 1400-Meter-Distanz hinauslaufen würde. Er betont: "Wir machen keine Verhinderungsstrategie und wollen keine Abstände, die Windräder unmöglich machen." Der IG-Vorschlag würde aber bedeuten, dass sich im Süden der VG die bisher geplante Zahl von etwa 55 Windrädern um die Hälfte reduzieren würde.
Auf großen Zuspruch stößt im Publikum der Vortrag des Keller Ortsbürgermeisters Markus Lehnen. Er wirbt für den Weg, der in seiner VG in Sachen Windkraft eingeschlagen wird - der Bau und Betrieb der Räder in Eigenregie, "damit die Kommunen die größte Wertschöpfung haben" und die Beeinträchtigung der Landschaft begrenzt wird. In der VG Kell seien zwei Windparks "mit maximal zehn bis 15 Anlagen das Ziel."
Cosima Lindemann vom Naturschutzverband Nabu betont die Wichtigkeit des Artenschutzes - zum Beispiel in punkto Rotmilan und Mopsfledermaus. Sie sagt: "Es ist klar, dass es die Energiewende nicht zum ökologischen Nulltarif gibt. Man darf sie aber auch nicht um jeden Preis durchpushen."
Das Mammutprogramm beschließt der Mediziner Dr. Ortwin Zais, der auf mögliche Gesundheitsfolgen durch Windräder hinweist.