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Stolpern mit Kopf und Herz

Sie sind in den Bürgersteig eingelassen und so groß wie Pflastersteine. Sie tragen, in Messing eingraviert, die Namen von Rosa, Theodor, Josef, Bernhard und Amalie Herrmann, die einst im Haus Nr. 51 in der Greimera-ther Hauptstraße wohnten. Diese Menschen wurden von den Nazis verschleppt, misshandelt und umgebracht. Die "Stolpersteine" sollen dauerhaft an sie erinnern. Von unserem Mitarbeiter Herbert Thormeyer

Greimerath. Der Kölner Künstler Günter Demnig packt die Flex aus. Die Umrisse werden mit dem Elektrohammer im Bürgersteig zu einer T-förmigen Vertiefung vor dem Haus Nr. 51 in der Greimerather Hauptstraße geformt. Fünf pflastersteingroße "Stolpersteine" lässt Demnig ein und zementiert sie fest für alle Zeiten.

Für den Künstler ist die Aktion zur Lebensaufgabe geworden. Er hat seit 1996 bereits 20 400 dieser Gedenksteine in ganz Europa verlegt. Für die Ortsgemeinde Greimerath und die heutigen Bewohner des Hauses Nr. 51, Familie Marx, die das Restaurant "Greimerather Forst" betreibt, geht ein Herzenswunsch in Erfüllung.

"Rene und Kurt Herrmann, die beiden Überlebenden jener schrecklichen Zeit, befürworten diese Stolpersteine ohne Vorbehalt", informierte der Beigeordnete der Verbandsgemeinde Kell am See, Josef Leineweber. Ortsbürgermeister Edmund Schmitt wurde für die unproblematische Freigabe des Bürgersteigs gedankt, in den die "Stolpersteine" eingelassen wurden. Warum "Stolpersteine"? Das erklärte Leineweber ganz einfach: "Diese Steine sollen stutzig machen, Aufmerksamkeit erzeugen, ja sogar belehren." Hier erinnern sie konkret an die Familie Herrmann und deren Schicksal unter einem unmenschlichen Regime, stellvertretend für alle Opfer. Die Steine sollen Passanten gedanklich zum Stolpern bringen.

Henry Selzer aus Losheim hatte die Verbindung mit dem Künstler hergestellt, der am gleichen Tag in Losheim noch vier und in Trier fünf weitere "Stolpersteine" legte. Hank Hanau, Cousin der Herrmann- Kinder Rene und Kurt, war sogar aus den USA gekommen um bei der Aktion dabei zu sein. Familie Josef und Rosa Herrmann lebte in Greimerath als Viehhändler, betrieb eine Metzgerei und Gastwirtschaft. "Das waren angesehene Mitbürger", berichtete der Vorsitzende des Kreisheimatvereins und Heimatforscher, Dittmar Lauer. Katharina Schiffmann (79) erinnert sich noch gut an damals. "Das waren so nette, hilfsbereite Leute", kann die Zeitzeugin bestätigen. Die Zeit des Grauens kam in der Pogromnacht 1938, als SS- Leute aus Losheim die Wohnung der Familie verwüsteten. Das Schicksal der Deportation ins KZ und der Ermordung ist auf den "Stolpersteinen" nachzulesen. Mehr Informationen über den Künstler gibt es im Internet unter www.stolpersteine.com.

Nicht überall sind "Stolpersteine" gern gesehen. Lesen Sie mehr dazu auf Seite 13