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Gesellschaft
Helfer zahlen Helm: Dem kleinen Finn geht es wieder gut

Finn (links) hat wieder gut lachen: Den Helm in seiner Hand, der seinen Kopf in die richtige Form gebracht hat, braucht der Junge aus Damflos (hier neben seinem Zwillingsbruder Till) nicht mehr. Weil die Krankenkasse die Kosten dafür nicht übernimmt, hat sich Marina van Asch mit ihrer Trierer Benefizgruppe Stups eingeschaltet. 
Finn (links) hat wieder gut lachen: Den Helm in seiner Hand, der seinen Kopf in die richtige Form gebracht hat, braucht der Junge aus Damflos (hier neben seinem Zwillingsbruder Till) nicht mehr. Weil die Krankenkasse die Kosten dafür nicht übernimmt, hat sich Marina van Asch mit ihrer Trierer Benefizgruppe Stups eingeschaltet.  FOTO: Trierischer Volksfreund / Christa Weber
Damflos. Die Krankenkasse gab kein Geld für eine Therapie, die bei dem 15 Monate alten Finn aus Damflos Verformungen des Kopfes korrigiert hat. Auch eine Klage blieb erfolglos. Nach einem Bericht im Trierischen Volksfreund hat eine private Initiative die Familie unterstützt. Von Christa Weber
Christa Weber

Den weißen Kunststoffhelm mit den Tieraufklebern will Finn noch nicht ganz loslassen. Mittlerweile ist er für ihn jedoch nur noch ein Spielobjekt, das er mit viel Vergnügen auf dem Tisch hin und her schiebt. Von November 2017 bis Ende Mai war der Helm für den inzwischen 15 Monate alten Jungen aus Damflos ein täglicher Begleiter. Er trug ihn fast rund um die Uhr. Damit sollte eine im Verbundkrankenhaus Bernkastel-Wittlich diagnostizierte Verschiebung seiner Schädelbasis korrigiert werden (TV vom 6. April).

Heute braucht Finn den Helm – Kopforthese lautet der medizinische Fachbegriff – nicht mehr. „Die Ohren sind wieder auf gleicher Höhe. Alles ist jetzt so, wie es sein soll“, sagt Mutter Katja Sand. Ihr Mann Christoph zeigt am Computer-Bildschirm Aufnahmen von Finns Kopf, die belegen, wie sich die Schädelform durch das Tragen des Helms angepasst hat (siehe Foto). Die Krankenkasse des Jungen, die Techniker Krankenkasse (TK), wird für die erfolgreiche Behandlung definitiv nicht aufkommen. Sie argumentiert, dass die Therapie nicht im Leistungskatalog der gesetzlichen Kassen aufgeführt sei.

Nachdem ein Widerspruch der Familie Sand im Frühjahr scheiterte, klagte sie vor dem Sozialgericht Trier. Inzwischen hat das Gericht die Haltung der TK bestätigt. Die Richter verwiesen auf ein Urteil des Bundessozialgerichts vom 11. Mai 2017. Demnach müssen die Kassen nicht zahlen, weil der medizinische Nutzen der Helmtherapie noch nicht ausreichend durch Studien belegt und die Methode noch nicht vom zuständigen Gemeinsamen Bundesausschuss der Ärzte, Kassen und Kliniken geprüft worden sei.

Die etwa 1400 Euro für den Helm und die notwendigen Untersuchungen muss die Familie dennoch nicht aus eigener Tasche bezahlen. Denn eine Benefizgruppe aus Trier ist auf ihren Fall aufmerksam geworden und hat die Summe gespendet. „Wir haben durch den TV-Artikel von Finn erfahren und gleich gedacht: So etwas kann doch nicht sein“, sagt Marina van Asch, Gründerin der Benefizgruppe Stups.

Mit etwa zwölf Mitstreitern hat sie sich 2015 zusammengetan, „um schnell und unbürokratisch zu helfen, wo Menschen von anderer Seite keine Hilfe bekommen“. Die Gruppe ist kein Verein, sondern ein Zusammenschluss engagierter Privatleute. Sie organisieren Benefizaktionen in der gesamten Region, sammeln Sachspenden und unterstützen mit ihren Erlösen Schwerkranke und deren Angehörige. Sie finanzieren ihnen dringend benötigte Hilfsmittel oder Ausflüge wie zum Beispiel ins Disneyland in Paris. „Kinder liegen uns besonders am Herzen“, sagt Marina van Asch. Gezielt arbeitet die Gruppe mit einigen Organisationen wie der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) und einem Kinderhospiz in Krefeld zusammen. „Wir möchten aber gern mehr Private unterstützen“, sagt van Asch. Schwierig sei nur, überhaupt von solchen Fällen zu erfahren.

Bei der Familie Sand hatte sich die Gruppe gleich nach Erscheinen des TV-Berichts im April gemeldet. Damals hatten die Sands jedoch gerade ihre Klage beim Sozialgericht eingereicht und wollten das Ergebnis abwarten. Mit dem Urteil ist dieses Kapitel nun für die Familie beendet, sagt Michael Sand, der Großvater von Finn. „Wir wollten diesen Weg gehen, weil wir uns eine Art Grundsatzurteil erhofft hatten, auch für andere Betroffene“, sagt er. Ihr Anwalt habe aber von einer Berufung abgeraten – wegen geringer Erfolgsaussichten. „Wir sind natürlich enttäuscht“ sagt Christoph Sand. Die Krankenkasse für ihre beiden Söhne werde die Familie nun wohl wechseln.

MRT-Aufnahmen von Finns Kopf: Die dunkle zeigt den Zustand vor der Behandlung, die helle die durch den Helm korrigierte Kopfform.
MRT-Aufnahmen von Finns Kopf: Die dunkle zeigt den Zustand vor der Behandlung, die helle die durch den Helm korrigierte Kopfform. FOTO: Trierischer Volksfreund / Christa Weber
Mit ihren Mitstreitern von der Benefizgruppe Stups aus Trier organisiert Marina van Asch (vordere Reihe, Zweite von links) Spendenaktionen für Menschen, die schnelle Hilfe benötigen. Das Bild zeigt die ehrenamtlichen Helfer an ihrem Stand auf der Tattoomesse im Trierer Messepark. Für Finn aus Damflos hat die Gruppe dessen Helmtherapie bezahlt.
Mit ihren Mitstreitern von der Benefizgruppe Stups aus Trier organisiert Marina van Asch (vordere Reihe, Zweite von links) Spendenaktionen für Menschen, die schnelle Hilfe benötigen. Das Bild zeigt die ehrenamtlichen Helfer an ihrem Stand auf der Tattoomesse im Trierer Messepark. Für Finn aus Damflos hat die Gruppe dessen Helmtherapie bezahlt. FOTO: Benefizgruppe Stups

Glücklich sind die Sands darüber, dass sie durch das Hilfsangebot der Benefizgruppe finanziell entlastet werden. Die ganze Familie habe sich bereits persönlich bedankt und die Gruppe am vergangenen Wochenende an deren Benefizstand bei der Trierer Tattoomesse besucht. „Mein Sohn und seine Frau haben letztes Jahr hier im Dorf ein Haus gebaut“, sagt Michael Sand. Da seien die 1400 Euro für Finns Helmtherapie „schon ein tiefer Einschnitt“ gewesen. Die Kosten für das Gerichtsverfahren trägt größtenteils ihre Rechtschutzversicherung.

Positiv überrascht hat die Sands, wie viele Reaktionen es nach dem Zeitungsbericht gegeben habe. „Die Hilfsbereitschaft war groß, von überall haben sich die Leute gemeldet“, sagt Michael Sand. Ob im Dorf oder über die sozialen Netzwerke, viele hätten Hilfe angeboten. „Es haben sich auch andere betroffene Familien gemeldet, bei denen die Kasse nicht zahlen will“, berichtet Katja Sand. Sie habe vorher nicht gewusst, „wie verbreitet das Problem ist“. Über die TV-Spendenplattform „Meine Hilfe zählt“ bittet derzeit eine Interessengemeinschaft namens Eifelbiker um Spenden, mit denen sie die Helmtherapie für einen Jungen aus der Eifel finanzieren will.

Ohne den Helm, sind alle in der Familie Sand sicher, hätten Finn lebenslange Probleme mit Wirbelblockaden und Folgeschäden wie chronische Kopfschmerzen, Wahrnehmungs- und Haltungsstörungen gedroht. Für Michael Sand bleibt es unverständlich, warum die TK für entsprechende vorbeugende Maßnahmen nicht zahlt. Sie sei zwar dazu nicht verpflichtet, aber schließlich gebe es auch Kassen, die die Kostenübernahme als freiwillige Leistung anbieten.

Die Hauptsache sei allerdings, dass der Helm Finn geholfen habe und er ihn nun nicht mehr tragen müsse. Das einzige „Problem“ sei jetzt, dass er seinen Enkel nun wieder häufiger mit dessen Zwillingsbruder Till verwechsele.