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Veranstaltung
Ursprünglich ein Geburtstagsgeschenk

Das Baldringer Schlachtfest ist ein Ereignis, das in jedem Jahr zahlreiche Zuschauer anlockt.
Das Baldringer Schlachtfest ist ein Ereignis, das in jedem Jahr zahlreiche Zuschauer anlockt. FOTO: Hans Muth
Baldringen. Im 19. Jahr findet in Baldringen das Schlachtfest statt, begleitet von Erwachsenen und Kindern auch aus den benachbarten Ortschaften. Von Hans Muth

Es ist in Baldringen eine Tradition, ein Schlachtfest zu veranstalten. Lediglich das Töten des Tieres geschieht unter Ausschluss der Öffentlichkeit hinter verschlossenen Türen. Die weitere Arbeit vollzieht sich allerdings vor den Augen der Zuschauer, wobei man zuweilen an den Ausspruch Loriots aus einem seiner Sketche erinnert wird: „Lasst doch mal das Kind nach vorne!“ Doch auf dem Land kennt man offensichtlich keine Scheu. Lediglich diejenigen, die zur Tradition der Hausschlachtung keinen Bezug haben, stehen etwas entfernt vom Geschehen.

Doch warum wird diese Tradition gerade in Baldringen noch hochgehalten, wo sie im ländlichen Raum doch inzwischen kaum noch zu beobachten ist? Erwin Berens, Vorsitzender des Orchesters der Verbandsgemeinde Kell am See (VGO), sagt: „Wir waren 1999 mit dem Orchester in der Schweiz und rätselten bei dieser Gelegenheit, was wir unserem Musikerkollegen und Kottelett-Freund Franz Becker zum 50. Geburtstag schenken könnten. Da kam uns die Idee, ihm ein Hausschwein zu schenken“. Paul Koltes aus Baldringen, auch Mitglied im VGO, sagte zu, für diesen Zweck ein Ferkel großzuziehen. So kam es, dass Koltes zwei Schweine mit den Namen Frederik und Pickeldi (so die Bezeichnung auf den Namensschildern) heranzog.

„Das ausgewachsene Schwein wurde Becker an seinem Geburtstag in Baldringen übergeben, wo auch die Schlachtung stattfand.“ Der Musikverein habe eine Veranstaltung daraus gemacht, indem er die damals kleine Festlichkeit musikalisch umrahmte. „Heute ist ein großes Fest daraus geworden, an dem die Öffentlichkeit teilnimmt.“

Proteste habe es noch nie gegeben. „Man muss wissen, dass diese Hausschlachtungen vor einiger Zeit noch Teil des öffentlichen Lebens waren. Damals hörte man das Quiecken der Schweine im ganzen Dorf. In Baldringen blieb es still, es lief alles ohne Stress für das Tier ab.“

Im kommenden Jahr feiert das Schlachtfest in Baldringent sein 20-jähriges Bestehen, verbunden natürlich mit dem 70. Geburtstag von Franz Becker.