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Vermittler an der Grenze

"Hier muss es sein" (von links): Oberbürgermeister Franz Mersch und die Feldgeschworenen Diethard Klitsch, Michel Piro und Werner Lonien suchen nach einem Grenzstein.Foto: Hans Muth
"Hier muss es sein" (von links): Oberbürgermeister Franz Mersch und die Feldgeschworenen Diethard Klitsch, Michel Piro und Werner Lonien suchen nach einem Grenzstein.Foto: Hans Muth
VIERHERRENBORN. Ob gewollt oder ungewollt: Im ländlichen Raum kommt es schon einmal zu Grenzstreitigkeiten. Dann heißt es neu vermessen oder sich einigen. Dabei hilft der in der kommunalen Selbstverwaltung vorgesehene ehrenamtliche Feldgeschworene. Michel Piro aus Vierherrenborn übt diese Tätigkeit seit über 30 Jahren aus. Von unserem Mitarbeiter <br>HANS MUTH

Sie haben eine wichtige Mittlerfunktion zwischen den Behörden und dem Bürger, sie sind ortsansässig und ehrenamtlich tätig. Ihre Aufgabe ist die Vermessung und Abmarkung von Liegenschaften vor Ort: die Feldgeschworenen. Wichtige Tätigkeit für die Gemeinden

Ortsbürgermeister Franz Mersch sieht in dem Amt eine äußerst wichtige Tätigkeit: "Die Feldgeschworenen sind eine große Hilfe bei der Grenzermittlung und ersparen der Gemeinde oft unnötige hohe Vermessungskosten". Neben Diethard Klitsch und Werner Lonien ist Michel Piro einer der Feldgeschworenen Vierherrenborns und versieht dieses Amt seit über 30 Jahren. "Gibt es einmal Grenzschwierigkeiten, schreiten wir ein", erklärt Piro, der von Beruf Landwirt ist und mehrere Jahre in einem Vermessungsbetrieb mitarbeitete. "Als erstes müssen wir dann den Grenzstein suchen, der in den meisten Fällen nicht mehr vorhanden ist". Im Normalfall müsste die Parzelle mit hohem Kostenaufwand neu vermessen werden, doch Dank der Feldgeschworenen kann es eine Lösung durch Vermittlung zwischen den Nachbarn geben. "Wir wirken auf die beiden Parteien ein, und wenn sie sich gemeinsam für einen Standort des Grenzsteines entscheiden, dann ist der Vergleich hergestellt. Viel Ärger und Verwaltungskosten sind dann gespart worden", erläutert Michel Piro. Damit es aber nicht erst bei Grenzstreitereien zur Suche nach den Grenzsteinen kommen muss, haben die Feldgeschworenen ihre ganz eigene Methode. Sie kennen inzwischen alle Marksteine ihres Gebietes und haben deren Standort irgendwann schon einmal gekennzeichnet. "Wir legen die so genannten ‚Siebenerzeichen'", erklärt Piro. "Hierbei handelt es sich um Geheimzeichen aus dauerhaftem Material, die sich in unmittelbarer Nähe des Grenzsteines befinden und nur dem Feldgeschworenen bekannt sind." Komme es zu einer Grenzstreitigkeit, könne der Feldgeschworene den Streithähnen mit diesem Hilfsmittel ohne Schwierigkeiten den genauen Standort des Grenzsteines nachweisen. Nur noch wenige Feldgeschworene

Dennoch können Steine nur da gesichert werden, wo sie auch vorhanden sind. "Das ist heute nicht mehr überall der Fall", sagt Piro. "In einem solchen Fall wird die Sache etwas problematischer". Auf seine Tätigkeit ist Piro stolz, denn in der Region sind er, Diethard Klitsch und Werner Lonien inzwischen die einzigen noch tätigen Feldgeschworenen. "Gerade vor ein paar Tagen wurden unsere Feldgeschworenen aktiv", sagt Ortsbürgermeister Mersch. "Es musste eine Baufläche von einer landwirtschaftlichen Parzelle abgetrennt werden. Die daraus resultierende Abmarkungs-Niederschrift muss der Feldgeschworene mit unterzeichnen."