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Wichtiger Schritt gegen Windrad-Wildwuchs

Bisher drehen sich im Gebiet der Verbandsgemeinde Kell am See Windräder nur auf dem Dreikopf bei Lampaden. Jetzt sollen fünf weitere Standorte auf ihre Eignung für neue Anlagen geprüft werden. TV-Foto: Axel Munsteiner
Bisher drehen sich im Gebiet der Verbandsgemeinde Kell am See Windräder nur auf dem Dreikopf bei Lampaden. Jetzt sollen fünf weitere Standorte auf ihre Eignung für neue Anlagen geprüft werden. TV-Foto: Axel Munsteiner
Schillingen. Die Verbandsgemeinde Kell am See hat die nächste Etappe auf dem Weg zum Bau neuer Windräder genommen. Der VG-Rat hat entschieden, dass fünf potenzielle Windrad-Areale den Landesplanern zur Stellungnahme vorgelegt werden. Auch Bürger und Umweltverbände sollen sich demnächst dazu äußern können. Christa Weber

Schillingen. Neue Windräder sollen sich in naher Zukunft auch in der Verbandsgemeinde (VG) Kell am See drehen. Wo genau, das will die VG über ihren Flächennutzungsplan steuern. Dieser soll die für Windkraft geeigneten Standorte festlegen. Um das Verfahren voranzutreiben, hat der VG-Rat nun einen wichtigen Schritt gemacht.
Das Gremium beschloss mehrheitlich, die von ihm favorisierten Areale jetzt von den Landesplanern bewerten zu lassen. Zudem soll die Öffentlichkeit - Umweltverbände, Nachbargemeinden, Wasserbehörden und sonstige Träger sogenannter öffentlicher Belange - ihre Argumente für und gegen die Standorte vorbringen. Im Rennen sind: der Greimerather Wald/Ferdinandshaus, der Zerfer Wald an der L 142, der Teufelskopf bei Waldweiler, das Keller Gebrüch - und auf Antrag des Greimerather Ortsbürgermeisters Edmund Schmitt (FWG) auch der Judenkopf bei Greimerath.
Klarheit über Kernzone


Zusätzlich beschloss der VG-Rat, Klarheit in Bezug auf den Bau von Windrädern in der Kernzone des Naturparks zu schaffen. Darin lägen die Standorte Zerf, Teufelskopf und Keller Gebrüch. Ob diese überhaupt aussichtsreich sind, soll die zuständige Landesbehörde, die Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord, erklären.
Den Beschlüssen war eine heftige Debatte vorausgegangen. CDU-Fraktionssprecher Klaus Marx forderte noch einmal eine Bewertung, welcher Standort am besten geeignet sei. Es habe "keinen Sinn", sagte er, "die Öffentlichkeit zu Dingen zu befragen, die später dann doch wegfallen". Im Hinblick auf Landschaftsbild und Artenschutz, erläuterte Reinhold Hierlmeier vom Trierer Büro BGHplan, sei Greimerath vorzuziehen. Allerdings: Würden die Nachbarn - etwa Weißkirchen am Schimmelkopf oder die VG Ruwer bei Osburg - Räder aufstellen, falle das "Landschaftsargument" dort weg. Da die VG Anlagen an möglichst wenig Standorten wolle, wären dann Waldweiler und Keller Gebrüch sinnvoller. Generell müsse klar sein, sagte Hierlmeier, dass im Laufe des Verfahrens Flächen wegen weiterer Hindernisse ausscheiden könnten. Protest kam von Wolfgang Schäfer: Was die Nachbarn machten, könne nicht ausschlaggebend für die Pläne der VG sein, mahnte der SPD-Politiker. Er sei "weiter gegen Windräder in der Naturpark-Kernzone". Dieses Signal müsse auch an die Nachbargemeinden gehen, "sonst werden wir unsere schöne Heimat bald nicht wiedererkennen". CDU-Ratsmitglied Leobert Bodem entgegnete, der "Schutz der Menschen" sei ihm "wichtiger als der Erhalt der Kernzone".
"Wir können unsere Landschaft nicht in jungfräulichem Zustand belassen", gab CDU-Fraktionskollege Dittmar Lauer zu bedenken. Die VG habe es aber in der Hand, "schonend" mit der Natur umzugehen. Lauer warnte deshalb vor einem Scheitern: "Wenn wir den Flächennutzungsplan nicht hinkriegen, dann stellen die Gemeinden Windräder hin, wo sie wollen." Dem stimmte auch VG-Bürgermeister Werner Angsten zu. "Wir stehen ja noch ganz am Anfang des Verfahrens", sagte Angsten nach der Sitzung. Niemand könne derzeit genau sagen, "welche Standorte am Ende übrig bleiben". Um in diesem Punkt "endlich weiterzukommen", sei es sehr wichtig, "dass wir die Sache jetzt auf den Weg gebracht haben".Extra

Die Verbandsgemeinde (VG) Kell am See plant, Windräder in eigener Regie zu bauen und zu betreiben. Dazu soll eine Anstalt des öffentlichen Rechts (AöR) gegründet werden, der die einzelnen Ortsgemeinden beitreten sollen. Der VG-Rat hat am Donnerstag entschieden, Beratungen zu diesem Thema auf die nächste Sitzung zu verschieben. Dort soll dann darüber informiert werden, welche Ortsgemeinden bereits ihren Beitritt zur AöR bekundet haben. Außerdem sollen erste Analysen zur Wirtschaftlichkeit der geplanten Windradstandorte vorgelegt werden. Zu regeln ist auch, was mit den zu erwartenden Erträgen passiert und wie diese auf die Ortsgemeinden verteilt werden sollen. cweb