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Wohnen
Hohe Preise für Trierer Mietwohnungen - Die Lage ist angespannt

So viel kostet ein WG-Zimmer
So viel kostet ein WG-Zimmer FOTO: dpa / Lisa Ducret
Trier. Wer in Trier eine Mietwohnung sucht, muss tief in die Tasche greifen. Bei Studentenbuden gibt es enorme Preisunterschiede. Von Bernd Wientjes

„Der Wohnungsmarkt in Trier ist angespannt“, sagt Anita Merten-Traut vom Mieterverein. Und diese Aussage ist amtlich bescheinigt. Seit 8. Oktober 2015 gilt die Stadt offiziell als eine Kommune mit angespanntem Wohnungsmarkt. Eine entsprechende Rechtsverordnung des Landes hat dazu geführt.

Diese Regelung habe zur Folge, dass bei einer Wiedervermietung einer Wohnung die Miete die sogenannte ortsübliche Vergleichsmiete höchstens um zehn Prozent übersteigen dürfe, heißt es im Mietspiegel der Stadt Trier. Diese Mietpreisbremse gilt zunächst bis Oktober 2020.

Die ortsübliche Vergleichsmiete orientiert sich an den Preisen für kleine Wohnungen mit Flächen zwischen 20 und 25 Quadratmetern. Die Höhe richtet sich nach dem Alter der Wohnung. Für Wohnungen, die bis 1948 entstanden sind, liegt der mittlere Mietpreis bei 9,59 Euro pro Quadratmeter, bis zum Baujahr 1991 sind es 10,47 Euro, und ab 1992 werden im Schnitt 12,80 Euro fällig.

Doch gerade diese Kleinwohnungen seien in Trier sehr knapp, sagt Merten-Traut. Mit ein Grund dafür sind die Studenten von Hochschule und Uni. Rund 20 000 Studierende sind dort eingeschrieben. Viele von ihnen wohnen in und um Trier. Und jetzt, kurz vor Beginn des Wintersemesters im Oktober, sind wieder zahlreiche Erstsemestler auf Wohnungssuche. Viele von ihnen werden überrascht sein, wie teuer es ist, in Trier zu wohnen. Selbst für ein kleines Zimmer in einer Wohngemeinschaft (WG) müssen im Schnitt 325 Euro bezahlt werden. Das hat das auf Studien für Regionalentwicklung spezialisierte Moses-Mendelssohn-Institut (Berlin) herausgefunden. „In Trier steigen die Mieten für die Studentenbude zum Semesterstart wieder“, heißt es in der Auswertung.

Gerade bei der Suche nach Ein- oder Zwei-Zimmer-Wohnungen werde die Konkurrenz für Studierende immer stärker, etwa durch Job-Anfänger, Singles oder Pendler, sagt Annegret Mülbaier vom Immobilienportal WG-Gesucht.de. Laut der Analyse kosten die Zimmer in einer WG im bundesweiten Durchschnitt 363 Euro. Spitzenreiter ist München mit im Schnitt 600 Euro Miete für ein WG-Zimmer. Am günstigsten wohnen Studenten im sächsischen Chemnitz mit 230 Euro pro Quadratmeter. An den wenigsten Hochschulstandorten liegen die Mietpreise bei höchstens 250 Euro. Das nämlich ist die Wohnkostenpauschale, die Studierende mit Förderanspruch nach dem Bundesausbildungs-Förderungs-Gesetz (Bafög) erhalten. Dieser Satz spiegele die Situation bei den Mietpreisen gerade in nachgefragten Hochschulstädten in keiner Weise wider, sagt Stefan Brauckmann, Direktor des Moses-Mendelssohn-Instituts.

Auch Wohnheime von Studierendenwerken könnten nur wenig Abhilfe schaffen. Für nicht einmal jeden zehnten Studierenden steht eine solche subventionierte Unterkunft zur Verfügung.

Das Studierendenwerk Trier verfügt über fünf Wohnheime mit insgesamt 1671 Wohnungen – derzeit alle belegt. Wer einziehen will, braucht viel Zeit. Bis zu acht Monate beträgt laut Studierendenwerk derzeit die Wartezeit. Es gebe mit dem privaten Angebot auf jeden Fall ausreichend Wohnungen für Studenten in Trier, heißt es.

Doch ob die dafür verlangten Mieten ins Budget der Studenten passen, scheint in vielen Fällen fraglich. So werden für ein 16-Quadratmeter-Zimmer in einer Dreier-WG in Trier-Süd 430 Euro verlangt. Für zwölf Quadratmeter in einer WG mit drei weiteren Mitbewohnern sind es in Trier-West 321 Euro. Es gibt auch einzelne Zimmer, 20 Quadratmeter groß, schon für 145 Euro.

Doch nicht immer sind die Preise entscheidend. „Studierende haben ganz genaue Vorstellungen von ihrem Lebensumfeld“, sagt der Leiter des Instituts, Brauckmann. Viele zögen nicht automatisch in günstige Viertel. Für eine Lage mit gutem Angebot an Kneipen und Kultur seien Studierende bereit, bei der Wohnung Kompromisse einzugehen. Das erkläre dann auch unterschiedliche Preise für Studentenbuden in einem Stadtgebiet.