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Homöopathie: Beeinflussen alternative Heilmethoden Impfbereitschaft?

Alternative Heilmethoden : Fördert die Homöopathie die Skepsis gegen das Impfen?

Wegen der Corona-Proteste geraten auch alternative Heilmethoden zunehmend in die Kritik. Während der Präsident der Landesärztekammer dringenden Handlungsbedarf sieht, will der rheinland-pfälzische Gesundheitsminister an der Kostenerstattung homöopathischer Behandlungen durch die Krankenkassen nichts ändern.

Ein Dreimonatskurs „Akutbehandlung Covid-19 mit Homöopathie“. Dafür wirbt die Hahnemann-Gesellschaft noch immer auf ihrer Internetseite. Der Wiesbadener Verein ist eine Organisation von Befürwortern der Homöopathie. Er steht in der Kritik, die Gefährlichkeit von Corona geleugnet zu haben. Vor einem Jahr verlautbarte die Gesellschaft, dass symptomlose Personen nicht ansteckend seien: „Wir müssen krank sein, um andere anzustecken.“ Eine Aussage, die zum Teil immer noch von Gegnern der Corona-Maßnahmen zitiert wird.  Auch finden sich weiterhin Aussagen auf der Internetseite des Vereins, dass Homöopathie auch schwere Covid-Erkrankungen „erfolgreich behandeln“ könne. Und dass die „unzureichend geprüfte“ Impfung für gesunde Menschen keinen Nutzen habe, „weil die meisten Menschen mit der Infektion zurechtkommen. Menschen, die Covid-19 hatten, sind ohnehin immun und benötigen keine Impfung.“

Homöopathische Gesellschaft befeuert Impfskepsis

Es handelt sich um Aussagen, die die Gesellschaft im Dezember 2020 auf ihrer Internetseite veröffentlicht hat. Deutlich distanziert hat sie sich seitdem aber nicht davon. Im Gegenteil. Sie wirft dem Deutschen Zentralverein homöopathischer Ärzte vor, „ein devotes Glaubensbekenntnis an die politischen Maßnahmen um Covid-19 in Deutschland, deren wissenschaftlichen Grundlagen bereits durch entsprechende Evidenz seit Mitte des letzten Jahres 2020 widerlegt sind“, vor. Der Verein der homöopathischen Ärzte hat sich klar für die Corona-Impfung ausgesprochen. Er wehrt sich auch gegen eine Studie der Technischen Hochschule Regensburg, die der Homöopathie eine Mitschuld an der immer noch hohen Zahl an Impfskeptikern, gibt. Gleichzeitig ruft die Hahnemann-Gesellschaft ihre Mitglieder auf, „Todesfälle nach ‚mRNA-Impfungen’“ zu melden.

In einem Kommentar der Wirtschaftswoche hieß es, dass die von der Politik tolerierte Homöopathie „eine Generation von Wissenschaftsskeptikern“ hervorgebracht habe, die „der Wirkung von Zuckerkugeln“ und darauf „eingefangenem Mondlicht“ vertrauten.

Krankenkassen sollen Homöopathie-Behandlungen nicht mehr zahlen

Mit dem zunehmenden Protest gegen die Corona-Maßnahmen und gegen eine mögliche Impfpflicht richtet sich auch verstärkt der Blick auf die Anhänger alternativer Heilmethoden. Ginge es nach dem Präsidenten der Landesärztekammer, Günther Matheis, dann dürfte die Allgemeinheit in Form von Krankenkassenbeiträgen nicht mehr für die Kosten von homöopathischen Behandlungen aufkommen. „Diese sogenannten Heilmethoden haben weder in der Behandlung oder Prävention von Covid-19 einen Stellenwert noch tragen sie zur Bekämpfung der Pandemie bei“, sagte Matheis unserer Redaktion.

Viele Krankenkassen zahlen für homöopathische Behandlungen. Und das, obwohl es für deren Wirksamkeit keinen Nachweis „in methodisch hochwertigen Studien“ gebe, wie ein Sprecher der AOK Rheinland-Pfalz/Saarland auf Anfrage unserer Redaktion mitteilte. Aber: „Das Interesse der Kundinnen und Kunden ist da, und wir möchten unseren Versicherten die Möglichkeit einräumen, auch diese Leistung in Anspruch zu nehmen.“ Homöopathie als Zusatzleistung für gesetzlich Versicherte dient den Krankenkassen also als Kundenbindung. Eine homöopathische Behandlung könne „zu einer subjektiv wahrgenommenen Verbesserung der gesundheitlichen Situation bei den behandelten Personen führen und damit das Behandlungsziel erreichen“, so der AOK-Sprecher.

Auch die Politik sieht trotz der in den vergangenen Wochen wieder lauter gewordenen Kritik an alternativen Heilmethoden keinen Anlass, regulierend einzugreifen. Es sei zutreffend, „dass es viele unangemessene Diskussionsbeiträge zum Thema Impfen gab und gibt, durch welche Menschen zum Teil falsch informiert und unnötig verunsichert werden. Das schadet dem dringend notwendigen Impffortschritt. Deshalb sehen wir derartige Äußerungen sehr kritisch“, sagt der rheinland-pfälzische Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD). Dennoch gebe es keinen Anlass, „aus solchen Meinungsäußerungen“ die Forderung abzuleiten, dass Krankenkassen nicht mehr die Kosten für homöopathische Behandlungen übernehmen sollen. „Den gesetzlich Versicherten steht es im Rahmen des Kassenwahlrechts frei, selbst zu entscheiden, nach welchen Kriterien sie ihre Krankenkasse auswählen“, so der Minister. Er weist darauf hin, dass die Homöopathie eine Zusatzweiterbildung laut der Weiterbildungsordnung der Landesärztekammer ist und dass neben Heilpraktikerinnen und Heilpraktikern auch Fachärzte mit dieser Zusatzweiterbildung die Heilmethode anbieten würden.