Hunderte Rheinland-Pfälzer warten auf Spenderorgane – So soll sich das ändern

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Hunderte Menschen warten in Rheinland-Pfalz aktuell auf Organe. Am Donnerstag entscheidet der Bundestag darüber, wie die Zahl der Spender zukünftig erhöht werden kann.

377 Rheinland-Pfälzer warteten Ende vergangenen Jahres auf eine Organspende. 14 davon seien unter 18 Jahren, berichtet die Techniker Krankenkasse (TK) Rheinland-Pfalz. 49 Menschen im Land haben 2019 nach ihrem Tod ein oder mehrere Organe für eine Transplantation gespendet – im Jahr zuvor waren es nur 37. Die Zahl der gespendeten Organe stieg von 115 im Jahr 2018 auf  153. Das geht aus gestern vorgelegten Zahlen der Stiftung Organspende hervor.

Am Donnerstag beschäftigt sich der Bundestag erneut  damit, wie die Zahl der Organspender erhöht werden kann. Zur Abstimmung stehen die doppelte Widerspruchslösung (jeder ist automatisch Organspender, man kann dem aber jederzeit widersprechen) und die Zustimmungslösung (die Bürger sollen mindestens alle zehn Jahre, etwa bei der Verlängerung des Personalausweises festlegen, ob sie Organspender sein wollen oder nicht).

Für diese Lösung spricht sich unter anderem der Cochemer CDU-Bundestagsabgeordnete Peter Bleser aus: „Kein Dritter hat das Recht, über den Körper eines anderen zu bestimmen, wenn dieser dem vorher nicht ausdrücklich zugestimmt hat“, sagte der Politiker unserer Zeitung. Schweigen dürfe nicht als Zustimmung gewertet werden. Die Organspende müsse auf einer bewussten und freiwilligen Entscheidung basieren. Auch der Arzfelder CDU-Abgeordnete Patrick Schnieder ist gegen die Widerspruchslösung: „Bei einer Organspende handelt es sich um eine freiwillige Leistung und in erster Linie um einen großen Akt der Nächstenliebe, welcher nicht staatlich verordnet werden sollte. Ebenso wenig sollte ein Zwang entstehen, eine Entscheidung treffen zu müssen.“

Diese Ansicht vertritt auch der Trierer CDU-Bundestagsabgeordnete Andreas Steier: „Jeden – bis zum potenziellen Widerspruch – automatisch zum Organspender zu erklären, wäre aus meiner Sicht ein Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht des Spenders Diese Entscheidung muss von jedem selbst frei getroffen werden können.“

Ähnlich argumentiert auch die Trierer Linken-Politikerin Katrin Werner: „Die sogenannte doppelte Widerspruchslösung, die davon ausgeht, dass alle Menschen OrganspenderInnen sind, solange sie nicht widersprechen, halte ich für den falschen Weg. Mehrere Skandale, wie Fälschungen von Patientenakten, haben zu einem erheblichen Vertrauensverlust in der Organspende geführt.“

Corinna Rüffer, Abgeordnete der Grünen aus Trier. sagt: „Wir sollten jedem und jeder die Zeit geben, die nötig ist, zu einer eigenen Entscheidung zu kommen.“ Ihrer Meinung nach sorgt „der Druck“, der von der Widerspruchslösung ausgehe,   für Vertrauensverlust.

Der Präsident der Landesärztekammer, der Trierer Chirurg Günther Matheis, spricht sich hingegen für die Widerspruchslösung aus: „Aus medizinischer Sicht ist diese ein wichtiger Schritt, damit Schwerstkranken auf der Warteliste rascher geholfen werden kann und damit weniger Patienten sterben, während sie auf ein lebensrettendes Organ warten.“