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Auf der Suche nach Auszubildenden

FOTO: Christoph Strouvelle (cst) ("TV-Upload Strouvelle"
Morbach. Führungen, Messen, Berufspraktika: Unternehmen müssen potenziellen Auszubildenden viel bieten, um diese für ihr Unternehmen zu gewinnen. Der Morbacher Maschinenbauer Peiseler hat erstmals Schüler zur Betriebsbesichtigung eingeladen. Christoph Strouvelle, Hans-Peter Linz

Morbach. Was sind CNC-Maschinen, wie stellt man aus einem Metallstück Maschinenteile her? Zwölf Jungen aus dem neunten und zehnten Schuljahr der Morbacher Integrierten Gesamtschule (IGS) sind zur Maschinenbaufirma Peiseler gekommen, um sich bei einer Werksbesichtigung über einen möglichen Berufsweg und die Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker zu informieren.
Michael Ludwig, der in der Arbeitsvorbereitung tätig ist, zeigt den Jungen die verschiedenen Abteilungen des Maschinenbauers. Wie die Werkstücke im Einzelnen produziert werden, demonstriert Ludwig im Laufe der Führung am Beispiel eines Flaschenöffners: Am Computer zeigt er den möglichen Nachwuchskräften das entworfene Teil in einer dreidimensionalen Darstellung. In der Lehrwerkstatt sehen die Jungen anschließend, wie in einer Maschine innerhalb einer Minute aus einem kleinen Block Aluminium ein Kapselheber für den Schlüsselbund entsteht: Die Konturen werden herausgefräst und die Oberfläche bearbeitet. Ein Gravurfräser schreibt den Namen des Maschinenbauunternehmens auf das Metall, bevor das gesamte Werkstück noch mal entgratet wird.
Mit der aufwendigen Führung, bei der die Mitarbeiter des Unternehmens die Jungen in zwei Gruppen durch die Produktionsanlagen geleiten, hofft das Unternehmen, Nachwuchs zu finden. "Wir suchen Auszubildende für das kommende Jahr, aber es wird immer schwerer, diese zu bekommen", sagt Fertigungsleiter Hans-Joachim Arend. Im Vorjahr hatte Arend zwei Auszubildende angestellt, einer war kurz vor Beginn wieder abgesprungen.
Auch für Claudia Künzer, Ausbildungsleiterin bei Papier-Mettler, wird es immer schwerer, jedes Jahr die rund 30 Ausbildungsplätze in den elf Ausbildungsberufen des Unternehmens vom Elektroniker bis zum Medientechnologen im Bereich Druck und den drei Studiengängen des Unternehmens zu besetzen. "Es gibt weniger Schulabgänger, deshalb geht auch die Anzahl der Bewerbungen zurück", sagt sie.
Daher wirbt das Unternehmen auch über die Grenzen Morbachs hinaus beispielsweise bei Ausbildungsmessen um neue Arbeitskräfte und kooperiert mit den umliegenden Schulen. Bis zu 80 Interessenten schnuppern jährlich über ein Praktikum bei Papier-Mettler hinein. Mit Erfolg: "Viele von ihnen bewerben sich anschließend für einen Ausbildungsberuf", sagt Künzer.
Bei Peiseler kommt die Führung bei den potenziellen Nachwuchskräften gut an. Nico Staatz hatte vorher nicht gewusst, was ein Zerspanungsmechaniker macht. "Es klingt interessant und könnte was für mich sein", sagt er. Christopher hat hingegen Klarheit gewonnen, dass dieser Beruf für ihn nicht in Frage kommt. "Ich gehe lieber ins Büro", sagt er. Jason Kühnen will ein zweiwöchiges Praktikum bei Peiseler machen, in denen er mit Feilen, Bohren und Anreißen die Grundfertigkeiten in der Lehrwerkstatt erproben kann. Auch Felix Wolter gefallen die Eindrücke aus der Betriebsführung. Vorher hatte er nicht gewusst, wie bei dem Maschinenbauer gearbeitet wird. Wolter: "Mir macht so etwas Spaß."Meinung

Schritt in die richtige Richtung
Die Überalterung der Gesellschaft, die zu niedrige Geburtenrate - kurzum, das was allgemein mit dem "demografischen Wandel" bezeichnet wird - das zeichnet sich auch im Hunsrück ab. Dabei liegen die Gemeinden Morbach und Thalfang derzeit noch am Rande eines Gebietes, das noch viel stärker betroffen sein wird. Das zeigt ein Blick in die Datenbanken des Statistischen Landesamtes in Bad Ems, die man auch kostenfrei im Internet herunterladen kann. Bevölkerungszunahme verzeichnen demnach bis 2030 nur die Stadt Trier und der Landkreis Trier-Saarburg. In Bernkastel-Wittlich hingegen wird die Bevölkerung sinken - um einem Wert zwischen sechs und zwölf Prozent. Im Landkreis Birkenfeld wird das noch dramatischer: Die Experten gehen von einem Rückgang von mehr als zwölf Prozent aus. Werden nicht jetzt schon in unserer Region Ausbildungsplätze und potenzielle Jobs geboten, dann wird sich diese Entwicklung weiter verschärfen. Wenn die Kommunen lebensfähig bleiben wollen, dann muss es für junge Familien attraktiv werden und bleiben, sich im Hunsrück und an der Mosel anzusiedeln. Deshalb ist das Engamement der Unternehmen ein Schritt in die richtige Richtung. Sie werben aktiv und über die Kreisgrenzen hinweg um Nachwuchs. Wer eine Ausbildung im Hunsrück beginnt, wird auch die Region schätzen lernen und vielleicht auch den Rest seines Berufslebens hier verbringen wollen. hp.linz@volksfreund.deExtra

Der Wirtschaft in Rheinland-Pfalz fehlen laut IHK in diesem Jahr 40 000 Fachkräfte, Tendenz steigend (der TV berichtete). In der Region können derzeit laut Manfred Bitter, Präsident der Handwerkskammer (HKW) Trier, 5000 bis 6000 Jobs nicht besetzt werden. Gesucht werden vor allem Techniker wie Maschinenbauer, Mechatroniker oder Industriemechaniker, aber auch Tourismusexperten und künftig vermehrt Kaufleute. red