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Außergewöhnliche Gebäude im Hunsrück: Ein Wasserwerk als Mini-Festung

Mit dekorativen Zinnen geschmückt liegt das Wasserwerk Wederath etwas versteckt am Waldrand. TV-Foto: Hans-Peter Linz
Mit dekorativen Zinnen geschmückt liegt das Wasserwerk Wederath etwas versteckt am Waldrand. TV-Foto: Hans-Peter Linz FOTO: (m_huns )
Wederath. Heutzutage selbstverständlich: Wasser kommt aus der Leitung. Das war vor 100 Jahren noch nicht überall der Fall. Damals wurde in vielen entlegenen Dörfern erstmals eine Wasserleitung verlegt. Noch heute erinnern die sogenannten Hochbehälter daran. hpl

Wederath. Manchmal sind sie versteckt - manchmal aber auch wieder hergerichtet und frisch gestrichen: die sogenannten Hochbehälter. Dabei handelt es sich um Wasserreservoirs, die in vielen Dörfern an der höchsten Stelle des Dorfrandes stehen, damit genug Druck in der Leitung ist, um das Wasser in jedes Haus strömen zu lassen. "Früher hat man Zweckbauten künstlerisch geschmückt," erzählt der Morbacher Heimathistoriker Berthold Staudt.

Und so haben viele der Hochbehälter dekorative Zinnen oder besonders geschmückte Türen. So wirkt zum Beispiel das Wederather Wasserwerk wie eine kleine Burg aus vergangenen Zeiten. Wer sie miteinander vergleicht, wird feststellen, dass der Baustil der Behälter ähnlich ist. "Die Hochbehälter stammen meistens aus der Jahrhundertwende. Damals fing man an, eine zentrale Wasserversorgung in den Dörfern einzurichten", erklärt Staudt.

Früher hatten die Höfe in den Dörfern eigene Brunnen. An der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert begann man, Hochbehälter zu bauen, die ein Reservoir haben, um mehr Wasser vorzuhalten. "Am Anfang lief von da aus eine einzige Leitung zum Dorfplatz, wo sich die Leute ihr Wasser holen konnten. Nach und nach wurde dann ein Leitungsnetz aufgebaut, so dass jedes Haus angeschlossen war", sagt Staudt. Inzwischen ersetzen Gruppenwasserwerke mit Tiefbrunnensystemen die alten Hochbehälter. Sie entsprechen nicht mehr den EU-Vorschriften. hplExtra: Nachricht für Kinder

Früher hatte jedes Dorf ein kleines Wasserwerk. Damit das Wasser überall im Dorf auch aus dem Wasserhahn sprudeln kann, macht man sich dabei das System der "kommunizierenden Röhren" zunutze. Als kommunizierende Röhren bezeichnet man miteinander verbundene Gefäße. Eine Flüssigkeit steht in ihnen immer gleich hoch. Das wird aber durch den zugedrehten Wasserhahn verhindert. Dreht man ihn auf, ist genug Druck dahinter, denn der Wasservorrat strebt danach, so hoch zu strömen wie der Hochbehälter. Deshalb muss der Hochbehälter höher stehen als alle Häuser im Dorf. hpl