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Belginum-Forschung trägt seine Handschrift

Forscher und Erforschtes: Professor Alfred Haffner vor einem der Schaukästen im Museum Belginum. TV-Foto: Marion Maier
Forscher und Erforschtes: Professor Alfred Haffner vor einem der Schaukästen im Museum Belginum. TV-Foto: Marion Maier
Wederath. Ein ganzes Forscherleben lang hat Alfred Haffner immer wieder Ausgrabungen in Belginum begleitet, selbst als Professor in Kiel. Die Grabungsstätte hat es ihm angetan. Für die Zukunft hofft er, dass das Belginum mit der Uni Trier zusammenarbeiten kann. Marion Maier

Wederath. Alfred Haffner, emeritierter Professor für Ur- und Frühgeschichte, ist ein Geschichtenerzähler der besonderen Art. "Zu fast jedem Grab kann man eine Geschichte erzählen", sagt der 74-Jährige. Er spricht nicht von irgendwelchen Gräbern, sondern von den rund 2500 Ruhestätten, die in der Ausgrabungsstätte Belginum bislang ans Tageslicht befördert wurden.
Dank intensiver Forschung kann der Professor genau sagen, wann jemand begraben wurde und wie alt der Tote war. Die Beigaben wie Schmuck, Gefäße und Waffen verraten etwas über die soziale Gruppe und das kulturelle Umfeld.
1967 kam der aus dem Saarland stammende Wissenschaftler, der in Pluwig lebt, erstmals mit dem Belginum in Berührung - als Mitarbeiter des Landesmuseums. Er wertete die ersten systematischen Ausgrabungen im Belginum von 1954 bis 1960 aus. Damals stießen Forscher beim Untersuchen eines Grabhügels auf das riesige Gräberfeld.
Danach ist viel passiert. Haffner leitete mehrfach Grabungen im Belginum, auch nachdem er 1983 als Professor an die Kieler Uni berufen wurde und sich dort mit anderen Themen beschäftigte. Er sagt: "Das Belginum lag mir immer besonders am Herzen. Hier hatte ich ja bereits als junger Archäologe gearbeitet. Zudem ist es eine Fundstätte von überregionalem Rang."
Er betreute zudem Doktor- und Diplomarbeiten sowie eine Dissertation über das Belginum.
Nicht nur Archäologen forschten dort, auch Anthropologen, Archäozoologen und Archäobotaniker waren beteiligt. Sie untersuchten das Dorf, Vicum genannt, von dessen Existenz man schon wusste. Sie entdeckten mehrere Tempelbezirke, ein Kulturtheater und ein Militärlager.
Beim Gräberfeld haben sie sich durch seine 1000-jährige Geschichte gewühlt und so viel über den Übergang des Brauchtums von den Kelten zu den romanisierten Treverern erfahren. Manchmal sogar noch mehr (siehe Extra). Viele der Forschungsprojekte im Belginum wurden über die Uni von der Deutschen Forschungsgesellschaft (DFG) unterstützt und auch vom Land über das Landesmuseum.
Rat reduziert Öffnungszeiten


Mit der Emeritierung von Professor Haffner fiel die Anbindung an eine Universität und damit die Unterstützung durch die DFG weg. Und das, obwohl vor zehn Jahren eigens ein Museum für die Belginumfunde eingerichtet wurde, das um einen Archäologiepark ergänzt werden sollte. Der Park ist in den Anfängen steckengeblieben.
Und es kam noch schlimmer. Vor zwei Jahren hat der Morbacher Gemeinderat - die Gemeinde ist Träger des Museums - beschlossen, die Öffnungszeiten auf ein halbes Jahr zu reduzieren. Mittlerweile ist das Haus sieben Monate jährlich geöffnet.

Für die Forschung fehlt das Geld


Der sonst eher zurückhaltende Archäologe sagt: "Diese Entscheidung des Rats hat mich wie ein Schock getroffen." Besonders schmerzlich war für ihn, dass der Rat den Beirat, der in wissenschaftlichen Fragen beraten soll und dessen Vorsitzender Haffner ist, übergangen hatte.
Daraufhin drohte der Beirat, sich aus Protest aufzulösen. Dies hat er nicht getan. Doch wird er sich demnächst neu bilden, denn viele seiner langjährigen Mitglieder hören aus Altersgründen auf. Auch Haffner.
Für die Zukunft hofft er, dass das Belginum unter Leitung von Rosemarie Cordie - wie derzeit angedacht - mit der Uni Trier zusammenarbeiten kann. Diese habe ihre Schwerpunkte verschoben und sei mittlerweile an der Ausgrabungsstätte sehr interessiert, sagt Haffner und ergänzt: "Die Forschung ist wichtig, um das gesamte Museum lebendig und für Besucher interessant zu halten."
Haffner hofft auch, dass der Archäologiepark ausgebaut wird - mit Rekonstruktionen, allerdings kostengünstigen.
Virtuelle Apps und Videos, die man sich auf das Smartphone lädt, könnte er sich vorstellen. "So kann man Besucher am Originalort fesselnd bei einem Spaziergang informieren."