| 17:42 Uhr

Kultur
Bilder, Skulpturen, Musik und eine Firma

Vom Turnbeutel bis zum Hocker aus Altreifen: Luka Gorges, Luka Eckstein, Lara Möge, Tim Nowrat und Fabienne Stahlmann (von links) stellten Produkte der  Schülerfirmen der Integrierten Gesamtschule (IGS) vor.
Vom Turnbeutel bis zum Hocker aus Altreifen: Luka Gorges, Luka Eckstein, Lara Möge, Tim Nowrat und Fabienne Stahlmann (von links) stellten Produkte der  Schülerfirmen der Integrierten Gesamtschule (IGS) vor. FOTO: Herbert Thormeyer
MORBACH. Verein Kunst im Gewächshaus präsentiert Bewegendes in außergewöhnlicher Atmosphäre und ungewöhnlicher Form. Von Herbert Thormeyer

Metallische Gestalten, mythische Frauengestalten, außergewöhnliche Musikinstrumente und ein Bett: Der Morbacher Verein Kunst im Gewächshaus in der Gärtnerei des Vorsitzenden Heiner Berg lässt ahnen, dass bei der jüngsten Veranstaltung der 25 Kulturaktivisten ein ungewöhnliches Erlebnis bevorsteht.

„Bewegendes“ lautet dabei die Überschrift der dreitägigen Veranstaltung, was direkt und im übertragenen Sinne gemeint ist. Einmalig, weil nicht wiederholbar, ist die Improvisationskunst von Japode aus Trier. Das Trio setzt sich aus der gebürtigen Japanerin Sakiko Idel, der Polin Maria Kulowska und dem Deutschen Armin Neises zusammen.

„Wir verschmelzen hier drei Kulturkreise“, erklärt der Trompeter und Spieler des Didgeridoo der Aboriginies, die Ureinwohner Australiens. Immer wird frei improvisiert. Jedes Stück ist eine Uraufführung. Das Gewächshaus wird zum Spielraum.

Zunächst ist Stille, bis leise das exotische Blasinstrument erklingt. Die beiden Musikerinnen steigen ein. Die Cellistin nutzt ein elektrisches Cello und moderne Loop (Klangschleife)- Technik. Deshalb klingt alles auch nach mehr Musikern als da sind.

Ein Moderator macht’s sich auf einem Bett so richtig gemütlich. Laas Koehler aus Trier ist selbst Konzeptkünstler und ein ganz ausgeschlafener Typ. In lockeren Gesprächen, mitunter auch in Gesellschaft der Gärtnereikatze, wird den Künstlern die Geschichte hinter ihren Werken entlockt.

Das ist bei den Bildern von Irmtraud Knoth die Mythologie von Göttern und ihrem Handeln folgende: „Ursprung ist immer eine große Göttin, bevor das Patriarchat das geändert hat.“ Bei den alten Kelten und Germanen hätten Frauen noch eine viel höhere Stellung in der Gesellschaft genossen als bei Römern und Griechen. Frau Holle wird in einem Triptychon als Göttin der Jungsteinzeit dargestellt.

Sehr filigran sind die metallenen Figuren von Alexius Wichtler, die sich teilweise bewegen und mit raffinierter Beleuchtung gezielt Schatten werfen. „Diese Figuren sind wie dreidimensionale Zeichnungen“, erklärt der Künstler. Mit den Schatten werden noch stärkere Gefühle ausgedrückt.

Eine ganz besondere Firma macht auf sich aufmerksam: Die Integrierte Gesamtschule präsentiert die Produkte ihrer Schülerfirma, mit der die Neuntklässler Wirtschaft und Handel einmal selbst ausprobieren können.

„Abgefahren“ heißt der Hocker, der aus alten Autoreifen hergestellt wird. Aber auch Turnbeutel und Schulkleidung stehen im Sortiment. „Finanzen, Marketing, Vorstand und Werkstatt, in diesen vier Abteilungen arbeiten wir“, erklärt Fabienne Stahlmann.

Rund 500 Besucher kamen an den drei Tagen ins Gewächshaus. Fast 150 wollten das Trio Grande am Samstagabend sehen, eine lustige Truppe, die Folklore mit Clownerie verbindet. Noch nie war Kultur im Gewächshaus so erfolgreich wie diesmal. 

Das Trio Grande mit einer Mischung aus Folklore und Zirkus war die Attraktion am Samstagabend.
Das Trio Grande mit einer Mischung aus Folklore und Zirkus war die Attraktion am Samstagabend. FOTO: Herbert Thormeyer
Das Japode-Trio vereinigt mit Sakiko Idel (Percussion), Maria Kulowska (Cello) und Armin Neises (Trompete, Flügelhorn und Didgeridoo) drei Kulturen in ihren Improvisationen. Auf dem Bett (hinten rechts) liegt Moderator Laas Koehler.
Das Japode-Trio vereinigt mit Sakiko Idel (Percussion), Maria Kulowska (Cello) und Armin Neises (Trompete, Flügelhorn und Didgeridoo) drei Kulturen in ihren Improvisationen. Auf dem Bett (hinten rechts) liegt Moderator Laas Koehler. FOTO: Herbert Thormeyer