| 21:38 Uhr

"Das Rathaus soll in Thalfang bleiben"

Hans-Dieter Dellwo, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Thalfang, sieht die Kommunalreform kritisch. TV-Foto: Ilse Rosenschild
Hans-Dieter Dellwo, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Thalfang, sieht die Kommunalreform kritisch. TV-Foto: Ilse Rosenschild
Christiane Horsch, Verbandsgemeinde-Bürgermeisterin in Neumagen-Dhron, streckt ihre Fühler für eine mögliche Fusion mit einem der Nachbarorte aus. Der TV sprach mit einem der Wunschpartner, dem Thalfanger Verbandsgemeinde-Bürgermeister Hans-Dieter Dellwo, über das Thema.

Thalfang. (iro) Freiwillige Fusionen von Verbandsgemeinden (VG) sind in Mainz derzeit ausdrücklich erwünscht. Der parteilose Rathaus-Chef in Thalfang, Hans-Dieter Dellwo, hat Vorbehalte gegenüber diesen Plänen.

Die Zahl der VGn soll nach Vorstellungen des Mainzer Innenministers Karl Peter Bruch von 163 auf 130 schrumpfen. Gehört die VG Thalfang am Erbes kopf zu denen, die von der Landkarte verschwinden werden?

Dellwo: Ich hoffe nicht und gehe davon aus, dass die Einwohnerzahlen nicht das einzige Kriterium sein wird, das für den Bestand der Verbandsgemeinden entscheidend sein wird. Die Verbandsgemeinde Thalfang am Erbeskopf ist eine Gebietskörperschaft mit einer Riesenfläche von 145 Quadratkilometern, 21 Ortsgemeinden, zwei Ortsteilen, dem Erbeskopf sowie einer hervorragenden Infrastruktur und großer historischer Tradition. Bei einer Fusion sollten der Nutzen und das Wohl der ländlichen Bevölkerung im Vordergrund stehen.

Macht es Sinn, an Strukturen festzuhalten, in denen die Aufgaben kaum mehr finanziert werden können?

Dellwo: Unsere Verbandsgemeinde hat sich in den letzten 40 Jahren mehr als bewährt und bietet den Menschen in unseren Dörfern ein hohes Maß an Bürgernähe. Der Sitz der Verbandsgemeinde und das Rathaus müssen wie in den letzten Jahrzehnten für Thalfang erhalten bleiben. Ich bin uneingeschränkt dafür, dass die Aufgaben der öffentlichen Hand im Rahmen einer Verwaltungsreform auf den Prüfstand kommen.

Sie haben die Verbandsgemeinde kürzlich mit einem gebrauchten Moped verglichen...

Dellwo: Ja, ein gebrauchtes Moped, das läuft, repariert man nicht. Und das gilt auch für diese Verbandsgemeinde. Allerdings gibt es reichlich Ansätze zur Zusammenarbeit und Kooperation, etwa bei den Werken und den Zweckverbänden, die wir im Übrigen bereits auch interkommunal seit vielen Jahren erfolgreich praktizieren.

Ist Neumagen-Dhron der einzige mögliche Partner?

Dellwo: Nein. Wir werden Gespräche über eine Zusammenarbeit mit allen in Frage kommenden Nachbarn führen. Aber ausdrücklich sei nochmals betont, dass Aufgabenverlagerungen und Kooperationen Vorrang vor einem Zusammenschluss haben.

Wer kommt infrage?

Dellwo: Morbach, Hermeskeil, Birkenfeld und eben Neumagen-Dhron.

Hand aufs Herz, können Sie sich die derzeit selbstständigen Ortsgemeinden als Ortsbezirke der Einheitsgemeinde Morbach ohne kommunalpolitische Souveränität vorstellen?

Dellwo: Nein, das ist für mich nicht denkbar.

Birkenfeld und Hermeskeil liegen in einem anderen Kreis...

Dellwo: ...und bislang ist die Rede davon, dass die Kreisgrenzen nicht angetastet werden sollen.

Dann bleibt nur noch Neumagen-Dhron?

Dellwo: Das haben Sie gesagt; es gibt noch andere Gebietskörperschaften in unserem Landkreis, mit denen Kooperationen denkbar sind.

Erst bekommen die Thalfanger in Sachen Kooperation bei der Realschule plus von der Nachbarkommune einen Korb. Und jetzt streckt Christiane Horsch die Hand aus in Sachen Gebietsreform. Sind das nicht schwierige Voraussetzungen für Verhandlungen?

Dellwo: Ich hätte mir gewiss gewünscht, dass die VG Neumagen-Dhron noch mal mit uns über eine gemeinsame Realschule plus spricht. Das soll uns allerdings nicht davon abhalten, mit Frau Horsch über eine mögliche Zusammenarbeit in anderen Bereichen auf gleicher Augenhöhe zu diskutieren.

A propos Schule: Haben die kommunalpolitischen Auseinandersetzungen um das Vergabeverfahren für die Sanierung der Zukunft der Regionalen Schule nicht geschadet? Mit einem generalüberholten Gebäude stünde man doch jetzt besser da.

Dellwo: Im Gegenteil. Im Zusammenhang mit der aktuellen Finanzkrise wurden neue Fördertöpfe des Bundes, des Landes Rheinland-Pfalz und auch des Landkreises Bernkastel-Wittlich aufgemacht. Wir warten auf die Rahmenbedingungen und hoffen auf entsprechende Förderzusagen.

Wie sicher ist der Schulstandort Thalfang?

Dellwo: Der Schulstandort Thalfang ist laut Schulentwicklungsplan zunächst sicher. Aber wenn man realistisch in die Zukunft blickt, kommt man aufgrund der prognostizierten rückläufigen Schülerzahlen in den nächsten Jahren an Kooperationen mit anderen Schulstandorten nicht vorbei.

Das Gespräch führte TV-Redakteurin Ilse Rosenschild.