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Verkehr
Das Risiko fährt bei jeder Tour mit

Ein paar Meter hinter diesem Schild ist am Mittwoch ein schwerer Unfall passiert. Der Fahrer eines Motorrades schwebte zunächst in Lebensgefahr. Inzwischen ist sein Zustand stabil.
Ein paar Meter hinter diesem Schild ist am Mittwoch ein schwerer Unfall passiert. Der Fahrer eines Motorrades schwebte zunächst in Lebensgefahr. Inzwischen ist sein Zustand stabil.
Morbach/Horbruch/Kempfeld. Drei schwere Unfälle innerhalb weniger Tage erschüttern den Hunsrück. Die Statistik verzeichnet in diesem Jahr in der Region bereits neun tote Motorradfahrer. Ein Tipp der Polizei: helle Kleidung und helle Helme. Von Clemens Beckmann
Clemens Beckmann

Es ist generell nicht gut, mit Superlativen, positiven wie negativen, hausieren zu gehen. Es kann immer noch besser und noch schlechter werden. Trauriger Fakt ist aber: Im Hinblick auf die Unfallstatistik hat der Hunsrück eine schlimme Woche hinter sich.

Am Mittwoch wurden auf der B 269 zwischen Morbach und Gonzerath drei Verkehrsteilnehmer verletzt, zwei davon schwer. Am Freitag gab es in Horbruch einen Toten und zwei Verletzte. Am Sonntag verlor ein Mann bei Kempfeld sein Leben. Die Gemeinsamkeit: An allen drei Unfällen waren Motorradfahrer beteiligt (der TV berichtete).

Nach Angaben von Karl-Peter Jochem, Pressesprecher im Polizeipräsidium in Trier, sind im laufenden Jahr bereits neun Motorradfahrer auf den Straßen in der Region gestorben. Zwischen dem 1. Januar und dem 30. September 2017 waren es sechs. Jeweils mehr als 300 Fahrer seien verletzt worden. 2018 wurden bisher 392 Unfälle gezählt, 2017 waren es bis zum 30. September 418.

Besonders alarmierend: Bei jeweils zwei Dritteln dieser Unfälle seien die Zweiradfahrer die Hauptverantwortlichen gewesen, erläutert Jochem. Es gelte für alle Motorradfahrer: helle statt dunkle Kleidung tragen, einen hellen Helm aufsetzen. Reflektoren installieren. Auch tagsüber sei Abblendlicht Pflicht. Es sei nun Mal eine Tatsache, dass Zweiräder schlechter gesehen werden als vierrädrige Fahrzeuge. Hermann-Josef Decker, Leiter der Polizeiinspektion Morbach, fährt seit etwa 30 Jahren Motorrad. Er habe auch schon einige Gefahrensituationen erlebt, sie aber unbeschadet überstanden, berichtet er. Welche Erfahrungen hat er gemacht? „Am Anfang der Saison beherrschen manche Fahrer ihre Maschinen noch nicht, am Saisonende fühlen sie sich wie Rennfahrer“, sagt er. Die Fahrer müssten die Straße ständig beobachten. Wie ist sie beschaffen, liegen dort Steine oder ist sie mit Rollsplitt bedeckt? Im Hochsommer weiche der Teer schnell auf. „Motorradfahrer müssen die Fahrbahn lesen“, sagt der Beamte. Viele Unfälle passieren auch bei Fahrten in der Kolonne. Der unsicherste Pilot oder ein Neuling müssten vorne fahren und das Tempo der Gruppe vorgeben, der beste Fahrer hinten. Gleichwohl sei das Risko für einen Motorradfahrer viel größer als für einen Autofahrer. Decker: „Es gibt keinen Airbag und keine Knautschzone.“

Das Risiko sei natürlich jedem, der auf zwei schnellen Rädern unterwegs ist, bewusst. Dieser Umstand werde aber oft verdrängt.

Bei dem Unfall zwischen Morbach und Gonzerath waren neben einem Autofahrer ein Motorradfahrer und seine Sozia verletzt worden. Der Mann schwebte in Lebensgefahr. „Er ist im künstlichen Koma. Sein Zustand ist aber stabil“, sagt Hermann-Josef Decker.