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"Der Schritt zu viel"

Arme Katze: Wegen der Verbrennungen, die Lilly unter anderem am Rücken erlitten hat, müssen ihr möglicherweise die Ohren amputiert werden. Jutta und Julia Morbach sorgen sich um das Tier.Foto: Ursula Schmieder
Arme Katze: Wegen der Verbrennungen, die Lilly unter anderem am Rücken erlitten hat, müssen ihr möglicherweise die Ohren amputiert werden. Jutta und Julia Morbach sorgen sich um das Tier.Foto: Ursula Schmieder
VELDENZ. (urs) Die Jugendlichen, die eine Katze angezündet haben, sitzen hinter Schloss und Riegel. Für Katze Lilly scheint das Schlimmste überstanden, für die Tierhalterin ist die Sache aber nicht ausgestanden. Sie hofft, dass es zu einem Verfahren kommt.

Knapp zwei Wochen, nachdem Jugendliche in Veldenz eine Katze anzündeten, geht es dem Tier den Umständen entsprechend gut. Nach Aussage von Jutta Morbach, der Lilly gehört, gilt das allerdings nur bedingt. Denn die vom Tierarzt attestierten "hochgradigen Verbrennungen" können die dreijährige Katze letztendlich ihre Ohren kosten. Im besten Fall würde ein verbranntes Ohr von selbst abfallen, erklärt Morbach. Andernfalls müsse es eventuell amputiert werden, wie ihr der Tierarzt klar machte, der Lillys versengtes Fell komplett abrasieren musste. Tröstlich ist nur, dass das Tier zumindest vom Verhalten her wohl keinen Schaden genommen hat. Denn Katzen würden nach einem solchen Erlebnis oft unsauber, so Morbach. Sie ist froh, zumindest im direkten Umfeld des Tieres die gleiche Zutraulichkeit wie eh und je festzustellen. Und was Lillys Verhalten draußen anbelangt, dürfte ihr eine gewisse Zurückhaltung Menschen gegenüber künftig nicht schaden. Die Tierquäler, eine Gruppe Jugendlicher, waren schnell ermittelt. Zwei von ihnen, Veldenzer Jungen, gegen die wegen diverser Einbruchsdelikte bereits Ermittlungsverfahren liefen, sind derzeit hinter Schloss und Riegel. Die 16- und 15-Jährigen waren zuvor zu Jugendstrafen ohne Bewährung verurteilt worden. Ihnen war jedoch die Chance eingeräumt worden, sich drei Monate zu bewähren. Für Jutta Morbach ist die Angelegenheit damit aber nicht erledigt. Ungeachtet der Tierarztkosten, auf denen sie ihrer Einschätzung nach sitzen bleiben wird, will es die Veldenzerin zu einem Verfahren bringen. Denn, so Morbach: "Es hätte ja auch ein Mensch sein können." Deshalb soll das Geschehene "nicht einfach im Sande" verlaufen. "Es lässt mir keine Ruhe, ich träume sogar schon davon." Die Jugendlichen sollten wissen "das war der Schritt zu viel- jetzt musst du die Konsequenzen tragen". Denn allzu oft sei ihnen bisher mit Milde begegnet worden, obwohl es etliche Beschädigungen gegeben habe."Die Leute waren geschockt"

Probleme, die Ortsbürgermeister Norbert Sproß bestätigt. Von dem "Unwesen" dieser drei oder vier Jugendlichen, die wohl auch Straßenlampen demoliert und Anlagen beschädigt hätten, seien auch Bürger betroffen, bei denen eingebrochen wurde. Die Tierquälerei sei im Dorf mit Erschrecken aufgenommen worden. "Die Leute waren geschockt." Ähnlich die Reaktion im Evangelischen Kinder- und Jugendheim Veldenz, in dem Jugendliche leben, die offensichtlich mit den Verhafteten unterwegs waren. Für die Kinder sei das eine "ungeheuerliche Geschichte", die in dem Heim, in dem auch Katzen lebten, auf Entsetzen stoße, stellt Heimleiter Wolf-Rüdiger Pfalz fest. Reaktionen, wie sie Helmut Kaspar, Leiter der Polizeiinspektion Bernkastel-Kues, in ganz Veldenz zu hören bekam. Bei der Bevölkerung seien Angst und Wut aufgekommen. Für den Beamten absolut nachvollziehbar: "So eine brutale Tierquälerei hatte ich noch nie - und ich bin seit 1969 hier." Welches Strafmaß die Urheber erwartet, steht noch nicht fest. Klar ist nur, so das Amtsgericht Bernkastel-Kues, dass die vorherigen Strafen zuvor verbüßt werden müssen. Wegen der Tierquälerei wird es zu Anklagen vor dem Jugendschöffengericht kommen. Mit der Hauptverhandlung ist in zwei bis drei Monaten zu rechnen.