| 20:36 Uhr

Die Himmelswächter vom Erbeskopf

Blick vom höchsten Turm der Radarstation am Erbeskopf: Auf dem Gelände wird ein neues Betriebsgebäude für 4,14 Millionen Euro gebaut. Der zweite Turm, zurzeit als Lager genutzt, wird dann abgerissen. TV-Foto: Klaus Kimmling
Blick vom höchsten Turm der Radarstation am Erbeskopf: Auf dem Gelände wird ein neues Betriebsgebäude für 4,14 Millionen Euro gebaut. Der zweite Turm, zurzeit als Lager genutzt, wird dann abgerissen. TV-Foto: Klaus Kimmling
Erbeskopf. Die Bundeswehr überwacht von der Radarstation auf dem Erbes kopf aus den Luftraum in einem Umkreis von 400 Kilometern. Auch wenn vor Ort nur die Geräte gewartet werden, helfen die dort gesammelten Daten unter Umständen, Katastrophen zu verhindern. Marion Maier

Erbeskopf. 2003 in Frankfurt. Ein Motorsegler kreist über dem Bankenviertel. Der Pilot droht, sich mit der gestohlenen Maschine auf das Gebäude der Europäischen Zentralbank zu stürzen. Große Gebäude werden geräumt, die Innenstadt wird für den Verkehr gesperrt, der Flugverkehr eingestellt. Auf Anordnung des Verteidigungsministers steigen zwei Phantom-Jäger vom Militärflugplatz Neuburg an der Donau auf, um die Maschine aus dem Frankfurter Luftraum zu drängen. Der Pilot wird schließlich zur Landung gezwungen.
Daran, dass die gestohlene Maschine schnell von den Verantwortlichen geortet wurde, hat auch die Radarstation der Luftwaffe am Erbeskopf ihren Anteil. Denn von dort wird der Luftraum überwacht - 400 Kilometer weit in alle Richtungen.
Hauptfeldwebel Sascha Weiser, stellvertretender Leiter der Station, sagt: "Wir können Flieger bis Paris, Tschechien oder Südtirol erfassen." 18 Radarstationen der Bundeswehr überwachen den Luftraum. Am Erbeskopf werden im Sommer bis zu 1200 Ziele registriert.
Doch das Radargerät erfasst nicht nur, dass da was fliegt. In einem zweiten Schritt nimmt es Kontakt auf, alles vollautomatisch. In der Regel schickt das Flugzeug ein Signal über den sogenannten Transponder zurück. Es sei denn, dieser ist defekt - oder nicht eingeschaltet, wie wohl beim Frankfurter Beispiel.
Das fällt auf. Dann wird das Flugzeug angefunkt. Zwar sind die Funkanlagen dafür in zwei Bunkern beim Erbeskopf untergebracht, doch erfolgt die Kontaktaufnahme über diese Geräte von der Überwachungszentrale im baden-württembergischen Meßstetten aus. Dorthin werden die Daten vom Erbeskopf automatisch geschickt. Dort werden sie auch ausgewertet, was im Bedarfsfall dazu führt, dass zwei Abfangjäger losgeschickt werden.
Christian Brett, Presseoffizier der Kaserne in Birkenfeld, erklärt: "Innerhalb einer halben Stunde muss die Abfangrotte bei dem fraglichen Objekt sein." Phantom oder Eurofighter sind die Maschinen, die dafür rund um die Uhr eingesetzt werden können und auch werden. Einmal alle zwei Monate starteten die Abfangjäger, schätzt Brett. Die meisten Alarme entpuppen sich jedoch als harmlos.
Zehn Zivilisten und 32 Soldaten im Innendienst sind auf dem Erbeskopf im Einsatz. Sie halten das rund 20 Millionen Euro teure Radargerät sowie die Funkanlagen und sonstigen Geräte wie Notstromaggregate am Laufen. "Atomraketen, wie einige Menschen glauben, lagern wir hier nicht", versichert Hauptfeldwebel Sascha Weiser. Die einzigen Gefahrstoffe auf dem Erbeskopf seien Öle und Etikettenlöser.
Der technische Zug auf dem Erbeskopf ist der Kaserne in Birkenfeld angegliedert, die im Rahmen der Bundeswehrreform geschlossen wird. Für den Erbes kopf bleibt das ohne Konsequenz. Dort wird weitergearbeitet wie bisher, nur dass die Soldaten dann dort stationiert sind. Auf ein Minimum eingeschränkt wird die Mannschaft erst, wenn das neue Radarsystem installiert wird, das wartungsfrei und ferngesteuert sein soll. Das erfolgt laut Presseoffizier mittelfristig.Extra

Im Zweiten Weltkrieg haben laut Presseoffizier Christian Brett die Amerikaner auf dem Erbeskopf Stellung bezogen und ein Radargerät dort betrieben. Nach und nach haben sie die Stellung ausgebaut. Ab 1962 wurden die per Radar gesammelten Informationen auch auf dem Erbeskopf ausgewertet. Deutsche Soldaten unterstützten die US-Streitkräfte ab 1984 dauerhaft. 1986 zogen die Amerikaner ab. Seit 1992 werden die Informationen nicht mehr in der Station ausgewertet, sondern weitergeleitet an die Zentrale in Meßstetten. Das Radargerät, das früher auf dem Erbeskopf auf drei Türme verteilt war, ist heute in einem einzigen Turm untergebracht. mai