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Eine Ruhestätte für alle

Ein Friedhof mit langer Tradition: Seit fast 200 Jahren bestatten Bürger aus Thalfang und den umliegenden Ortschaften ihre Angehörigen auf dem "Zwölfgemeindenfriedhof".Foto: Ursula Schmieder
Ein Friedhof mit langer Tradition: Seit fast 200 Jahren bestatten Bürger aus Thalfang und den umliegenden Ortschaften ihre Angehörigen auf dem "Zwölfgemeindenfriedhof".Foto: Ursula Schmieder
THALFANG. Von alters her ist der "Zwölfgemeindenfriedhof" nicht nur ein Friedhof für Thalfang, sondern für mehrere Dörfer rings um den Ort. Menschen jedweder Konfession finden dort ihre letzte Ruhestätte. ARRAY(0x16e6e3c08)

Kirchgängern stehen in Thalfang zwei Pfarrkirchen offen, eine katholische und eine evangelische. Ihr letzter Weg führt Gläubige beider Konfessionen jedoch an denselben Ort. Denn auf dem Thalfanger "Zwölfgemeindefriedhof" finden Katholiken wie Protestanten ihre letzte Ruhe. Welchem Glauben der Verstorbene angehörte, ist bei Beisetzungen unerheblich und wird auch in den amtlichen Dokumenten nicht berücksichtigt. Ebenso sind anonyme Bestattungen längst selbstverständlich, wie das eigens dafür vorgesehene Grabfeld belegt. Der "Zwölfgemeindenfriedhof" steht allen offen, die ihren letzten Wohnsitz in Thalfang oder einer der "zwölf Gemeinden" hatten. Darüber hinaus finden oft auch andernorts Verstorbene dort ihre letzte Ruhe. Ein Entgegenkommen der Gemeinde, das es längst nicht überall gibt. In dem Marktort ist er aber gängige Praxis. "Das ist kein Problem", versichert Ortsbürgermeister Franz-Josef Gasper. Bisher habe die Gemeinde noch keinem abgesagt, der einen Angehörigen in Thalfang bestatten wollte. Ungeachtet dessen, ob es sich um einen ehemaligen Bürger handelte oder andernorts verstorbene Angehörige eines Thalfangers. Dabei ist allein die Tatsache, dass in Thalfang mehrere Gemeinden ihre Toten bestatten, eine Besonderheit. Denn bei dem 14 000 Quadratmeter großen Areal handelt es sich um einen Zentralfriedhof der "zwölf Gemeinden", dem seit 176 Jahren bestehenden Zweckverband. "Dieser Friedhof wurde von alters her von allen zur Pfarrei Thalfang gehörenden Dörfern benutzt", ist in der Thalfanger Chronik zu lesen. Nach der Eingemeindung des Thalfanger Ortsteils Bäsch sowie der Anlage eines Friedhofs in Deuselbach bestatten dort bis heute die Menschen aus den Dörfern Burtscheid, Dhronecken, Etgert, Gielert, Hilscheid, Immert, Lückenburg, Rorodt und Talling ihre Toten. Auf dem am Ortsrand in Richtung Immert gelegenen Gelände mit mächtigen alten Bäumen stehen 2030 Grabstellen zur Verfügung, wovon derzeit rund 1300 belegt sind.Verlegung des Friedhofs bei Cholera-Epidemie

Während die Geschichte dieses Friedhofs noch relativ jung ist, reicht die des vorherigen Thalfanger Friedhofs weit zurück. Wie in der Chronik zu lesen ist, hatte Pfarrer Johann Clausen während der Cholera-Epidemie 1831 das Verlegen des alten, rund um die derzeitige evangelische Kirche gelegenen Friedhofs veranlasst. Die Kapazitäten waren nach mehrmaligen Erweiterungen - die letzte davon war 1823 - endgültig erschöpft. Schließlich nutzten den Friedhof schon damals evangelische wie katholische Gläubige mehrerer Gemeinden. Ebenso wie das Kirchengebäude, das bis zum Bau der katholischen Kirche 1899 als Simultankirche beiden Konfessionen diente. Einzelne Gemeinden waren daher sogar schon dazu übergegangen, vor Ort eigene kleine Friedhöfe anzulegen. Dieser Entwicklung gebot Clausen mit seiner Entscheidung, sie von da an zu verbieten, Einhalt. Der Eingangsbereich des früheren Friedhofs an der evangelischen Kirche ist bis heute an der kleinen Torhalle, dem um 1700 erbauten "Rost", zu erkennen.