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Einige Bundenbacher Funde sind weltberühmt

 Der Bundenbacher Greiffüßer Captopodus poschmanni zählt zu den primitiven Gliederfüßern uns ist eine wisschenschaftliche Berühmtheit. Foto: privat
Der Bundenbacher Greiffüßer Captopodus poschmanni zählt zu den primitiven Gliederfüßern uns ist eine wisschenschaftliche Berühmtheit. Foto: privat
Bundenbach. Wo heute der Hunsrück liegt, erstreckte sich vor 400 Millionen Jahren ein großes Meer. Viele versteinerte Lebewesen aus dieser Zeit sind im Bundenbacher Schiefer gefunden worden. Seesterne, Seelilien, Krebse und Fische sind Zeugen der Evolution.

Bundenbach. Der Hunsrückschiefer von Bundenbach ist immer gut für neue wissenschaftliche Sensationen: Diese Überzeugung vertritt Dr. Michael Wuttke von der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, Direktion Landesarchäologie. Er erläutert: Seit mehr als 150 Jahren sorgen Funde aus dem Hunsrückschiefer von Bundenbach für Aufregung in den Fachkreisen, die sich mit der Entwicklungsgeschichte des Lebens auf der Erde beschäftigen. Mit ihrem Alter von rund 390 Millionen Jahren bergen die Schiefer Versteinerungen, die Zeugnis vom Leben am Grunde eines tropischen Meeres geben.
Weltweit berühmt sind die Funde von Seesternen, Seelilien, Krebsen und Fischen - kein großes internationales naturwissenschaftliches Museum, das nicht Funde von Bundenbach sein Eigentum nennt. Der Wissenschaftler gibt sich kritisch: "Sehr bedauerlich ist es, dass derartige Funde nicht in ihrer gesamten Fülle in einem modernen Informationszentrum in Bundenbach selbst zu sehen sind, so dass die Funde ihrer weltweiten Bedeutung gerecht würden."
Welterbestatus wäre verdient


Modern aufbereitet, mit Lebensbildern ihrer heutigen Nachfahren in der Tierwelt und einer filmischen Animation könnte die herausragende Wertigkeit der Fundstelle, die eigentlich den Unesco-Weltnaturerbe-Status verdient hätte, entsprechend herausgestellt werden. Seit Jahrzehnten weise die Gemeinde Bundenbach mit Hilfe ihres Besucherbergwerkes Schiefergrube Herrenberg, mit angeschlossenem Museum, auf die Bedeutung der Funde hin, ohne die entsprechende politische Reaktion, trotz hoher Besucherzahlen. Hier sei - trotz der angespannten finanziellen Situation von Gemeinde, Verbandsgemeinde und Kreis - ein Umdenken notwendig, hin zu vermehrter touristischer Aufwertung.
Betrachtet man die Artenvielfalt der verschiedenen heutigen Tiergruppen auf der Welt, so falle auf, dass rund 80 Prozent aller bekannten heutigen Tierarten Gliederfüßer sind. Dazu zählen Insekten, Tausendfüßer, Spinnentiere und Krebse, mit nahezu einer Million bekannter Arten. Dem gegenüber stehen die Säugetiere mit lediglich 2000 Arten.
Bundenbach sei der Fundort für die frühe Entwicklungsgeschichte der Gliederfüßer: "Nur hier finden sich die Fossilien, die das Aussehen und die Lebensweise der heutigen Gliederfüßer erklären, die ja die Erde von der Tiefsee bis hin zu den höchsten Bergen besiedeln."
Mit der frühen Entwicklungsgeschichte der Gliederfüßer beschäftigen sich vor allem Wissenschaftler der Universität Bonn um Professor Jes Rust herum. Sie haben schon etliche sensationelle Funde aus dem Hunsrückschiefer beschrieben, zum Beispiel auch den weltberühmten Schinderhannes bartelsi.
Verwandtschaft ungeklärt



Die Experten wissen: Der Bundenbacher Greiffüßer Captopodus poschmanni zählt zu den noch recht primitiven Gliederfüßern. Darauf deutet etwa die hohe Anzahl von Körpersegmenten mit ihren vielen Beinpaaren hin. Seine genauen verwandtschaftlichen Beziehungen, etwa zu den Krebstieren, lassen sich bislang noch nicht klären. Allerdings weist er schon hoch spezialisierte, zum Greifen befähigte Mundwerkzeuge am Kopf auf. Unter den heutigen Gliederfüßern sind ähnliche Formen für Aasfresser charakteristisch. Die Form der Beine deutet darauf hin, dass er sich wahrscheinlich schwimmend fortbewegte.
Der Artname poschmanni wurde zu Ehren von Markus Poschmann von der Generaldirektion Kulturelles Erbe in Mainz vergeben, der sich um die Präparation und Erforschung der Fossilien des Hunsrückschiefers sehr verdient gemacht hat. Das Referat Erdgeschichte der Generaldirektion war 1997 bei einer großen wissenschaftlichen Grabung im Tagebau Eschenbach-Bocksberg der Bundenbacher Firma Johann und Backes federführend.
Auch wenn noch nicht alle wissenschaftlichen Rätsel um den Greiffüßer gelöst sind: Er werde Bundenbach bei allen, die sich mit frühen Gliederfüßern wissenschaftlich beschäftigen, dauerhaft in der Diskussion halten. Weitere wissenschaftliche "Knaller" sind daher zu erwarten.
In Sachen Präsentation hat Bundenbachs Ortschef Michael Brzoska Pläne: Die aber scheitern bislang an den finanziellen Möglichkeiten. Für eine Ortsgemeinde sei es, selbst bei hoher Bezuschussung, nicht leistbar, einen repräsentativen Präsentationsraum mit zeitgemäßer Ausstattung zu bezahlen.
Es handele sich schließlich nicht um eine Bundenbacher "Privatangelegenheit", sondern um wissenschaftlich wertvolles Gut. Dafür fehle an verantwortlicher Stelle aber offenbar das Bewusstsein. vmExtra

Ohne Versteinerungen wüsste niemand, wie Tiere, die längst ausgestorben sind, eigentlich ausgesehen haben. Es blieben aber Versteinerungen von ihnen erhalten, die genau zeigen, wie das Skelett und manchmal sogar, wie die Umrisse des Körpers einmal aussahen. Entstanden sind diese Abdrücke im Stein, vor ganz langer Zeit. Als das Tier starb, muss es von Schlamm oder Erde bedeckt worden sein. Luft kam nicht mehr an den Körper und ohne Luft kann nichts verwesen. So luftdicht verpackt lagerten sich mit den Jahren viele weitere Schichten Erde und Stein auf dem Körper und allem drumherum ab. Feiner Sand und Schlamm wird auf diese Weise ganz fest zusammengepresst. Übrig bleibt ein schöner Abdruck. Wenn der gefunden wird, können Forscher ganz viel über das Tier lernen. Das klappt übrigens auch mit Pflanzen. red