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Endstation Rascheid

Vom Bahnhof zur gemütlichen Heimstatt: 1986 rollten noch Züge in den Bahnhof in Rascheid ein. Heute wohnen drei Familien dort.Foto: Klaus-Dieter Ihmig (Hunsrückbahn e. V.)
Vom Bahnhof zur gemütlichen Heimstatt: 1986 rollten noch Züge in den Bahnhof in Rascheid ein. Heute wohnen drei Familien dort.Foto: Klaus-Dieter Ihmig (Hunsrückbahn e. V.)
Harte und paradoxe Zeiten hat der Rascheider Bahnhof erlebt, der zum Leidwesen der Dorfbevölkerung eineinhalb Kilometer außerhalb liegt. Anfangs gab es gar keinen Weg dorthin, denn der Landkreis weigerte sich, den Grunderwerb dafür zu übernehmen. Heute ist der Bahnhof gemütliche Heimstatt dreier Familien. Von unserem Mitarbeiter Herbert Thormeyer

Rascheid. Nach Freigabe der Hunsrückstrecke 1903 hatte Rascheid zwar einen Bahnhof, aber keinen Weg dorthin.

"Der Landkreis weigerte sich, die Grunderwerbskosten zu übernehmen, obwohl die Hälfte von der Reichsregierung erstattet worden wäre", informiert Heimatforscher Kurt Bach über eine paradoxe Situation: Der Zug hielt zum Aussteigen, jedoch nicht zum Einsteigen. Als kurz vor Kriegsende der Geisfelder Viadukt gesprengt worden war, stand auf einer Fahrkarte, die man beispielsweise in Saarbrücken löste: "Endstation Rascheid". Erst 1950 war alles wieder repariert.

"Die Hamsterzüge spuckten Heerscharen von Saarländern aus", erinnert sich Bach. In den ersten Nachkriegsjahren hießen die Währungen "Kartoffeln, Mehl und Speck".

"Ferdi's Bahnhof" steht für den Besucher heute auf einem Schild zu lesen. Gemeint ist der Besitzer, Ferdinand Biesel. Drei Familien wohnen heute hier. Warum ist er Anfang der 80er Jahre auf einen Bahnhof "abgefahren"? "Das Haus lag so schön abseits vom Ort. Hier hat man seine Ruhe", begründet er seine Entscheidung und fügt noch hinzu: "Ein Freund von mir hatte schon einige Jahre zuvor den Bahnhof Pölert gekauft. Da konnte auch ich nicht widerstehen". Viele Jahre Renovierungsarbeit hat er sich damit eingehandelt, aber es ist ein echtes Schmuckstück geworden. "Die Wiederaufnahme des Zugbetriebes würde uns nicht stören, solange sich Touristen nicht an den Fensterscheiben die Nasen platt drücken", meint Biesel zu den Plänen der HWB- Verkehrsgesellschaft, bezweifelt aber, dass die Strecke wirtschaftlich zu betreiben ist.

Erst 1938 erhielt der Bahnhof den Stellwerksanbau mit einem Einheitsstellwerk und 26 Hebelplätzen. Vorhanden waren auch zehn Fahrstraßenhebelplätze. Dieses Stellwerk war bis 1982 in diesem Zustand in Betrieb, wie vom Hunsrückbahn e.V. zu erfahren war. Heute ist das Stellwerk Frühstücksraum und der Treffpunkt im Haus. Die historischen Fenster sind noch original, wurden aber vom Hausherrn doppelverglast. Ein guter Handwerker muss man halt sein, wenn man einen Bahnhof sein eigen nennt.