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Ersatzlos gestrichen

Noch ist alles beim Alten auf dem Messfeld des Umweltbundesamtes. Doch die Tage der Mess-Stelle Deuselbach sind gezählt. Stefan Schäfer (links) und Karl-Otto Schmidt, die seit 1993 beziehungsweise 1972 dort arbeiten, müssen sich dann anderweitig orientieren. Wie ist noch unklar.Foto: Ursula Schmieder
Noch ist alles beim Alten auf dem Messfeld des Umweltbundesamtes. Doch die Tage der Mess-Stelle Deuselbach sind gezählt. Stefan Schäfer (links) und Karl-Otto Schmidt, die seit 1993 beziehungsweise 1972 dort arbeiten, müssen sich dann anderweitig orientieren. Wie ist noch unklar.Foto: Ursula Schmieder
DEUSELBACH. Die Tage der einzigen Mess-Stelle des Umweltbundesamtes (UBA) auf rheinland-pfälzischem Boden sind gezählt. Wie die Behörde mitteilt, werden sich die Türen der auf dem Römerkirch zwischen Deuselbach und Rorodt gelegenen Station möglicherweise schon bald schließen. ARRAY(0x193dc90f8)

Durch den Rückzug des Umweltbundesamtes vom Erbeskopf verliert Rheinland-Pfalz seine einzige Mess-Stelle dieser Behörde. "Das Umweltbundesamt wird die Mess-Stelle im Laufe dieses Jahres schließen", informiert Pressesprecher Thomas Hagbeck. Ein erster Schritt war der Abzug des erst im Sommer 2002 dort angetretenen neuen Leiters, Dr. Axel Eggert, der seit Anfang des Jahres in Westerland auf Sylt arbeitet. "Für die verbliebenen zwei Mitarbeiter suchen wir eine sozialverträgliche Lösung", versichert Hagbeck. Ziel sei, dass diese weiter arbeiten und in der Region bleiben könnten, weshalb die Behörde bereits im Gespräch mit in Frage kommenden Institutionen sei.Pragmatische Gründe

Die Ursache der Schließung ist laut Hagbeck eine rein pragmatische: Die Hunsrücker Mess-Stelle wird schlicht und ergreifend nicht mehr gebraucht, denn die Luftsituation habe sich nicht nur in der Region, sondern allgemein verbessert. Daher sei der Bedarf nicht mehr so da, und das bisherige Netz werde grobmaschiger. Bisher war sie Bestandteil eines Messnetzes, das sich über das gesamte Bundesgebiet erstreckt und derzeit noch neun mit Mitarbeitern besetzte sowie weitere automatische Stationen hat. Die Möglichkeit einer Umwandlung der Deuselbacher Station in eine personell nicht besetzte schließt Hagbeck trotz des benachbarten Erbeskopfes allerdings aus. Seines Wissens sei das nicht vorgesehen: "Die wird ersatzlos gestrichen." Ein weiterer Grund für den Rückzug aus Rheinland-Pfalz - die nächsten Mess-Stellen befinden sich in Langen bei Frankfurt und auf dem Schwarzwälder Schauinsland - sind die Kosten. Wie alle Verwaltungen müsse auch das Umweltbundesamt sparen, stellt Hagbeck fest und verweist in diesem Zusammenhang auf die unabhängig davon bestehenden Mess-Stellen der Bundesländer. Die Deuselbacher Mess-Station widmet sich bereits seit 1967 der Messung von Luftschadstoffen. Anfangs unter der Regie der Deutschen Forschungsgemeinschaft, ab 1974 dann unter dem Dach des Umweltbundesamtes. Für die Klimatologie der Universität Trier war die Station daher bisher ein wichtiger Partner. Daher bedauert Professor Alfred Helbig die Schließung und den damit verbundenen Abschluss einer langen Messreihe sehr. Für die Abteilung Klimatologie, die nun auf andere Stationen ausweichen müsse, bedeute dies eine Einschränkung. "Wir sind ja auf lange Mess-Reihen angewiesen, um Trends abzusehen", erklärt Helbig zu den benötigen Daten der Meteorologie sowie Informationen über Luftschäden. Deuselbach sei eine Station, die seine Abteilung für verschiedene Arbeiten bezüglich Luftreinhaltung und Umweltqualität im regionalen Vergleich genutzt habe. Dennoch hat Helbig Verständnis für die kostenbedingte Entscheidung, begonnene Messreihen nicht zwangsläufig "bis in alle Ewigkeit" fortzuführen. Alternativ werde die Uni künftig auf das Zimen-Messnetz (siehe Kasten) zurück greifen. Der Rückzug des Umweltbundesamtes ist aber auch für die betroffene Region bitter. "Es ist sehr bedauerlich, dass die Mess-Stelle hier für die Region verloren geht", kommentiert Bürgermeister Hans-Dieter Dellwo auf Nachfrage. Zumal die Verbandsgemeinde immer wieder versucht habe, die Mess-Station nicht nur zu erhalten, sondern zu stärken. Immerhin sei am Erbeskopf einer der besten Luftwerte in Deutschland gemessen worden.