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Erster Halt Bahnhof Hinzerath

Ein Geduldsspiel: Mitarbeiter der Hochwaldbahn Gruppe bauen in Hinzerath eine Rampe, um einen Schienenbus abzuladen. TV-Foto: Ilse Rosenschild
Ein Geduldsspiel: Mitarbeiter der Hochwaldbahn Gruppe bauen in Hinzerath eine Rampe, um einen Schienenbus abzuladen. TV-Foto: Ilse Rosenschild
Ein Schienenbus, Marke VT 55, soll ab Dezember auf den Gleisen der Hunsrückbahn zwischen Büchenbeuren und Hermeskeil unterwegs sein. Das 28 Tonnen schwere Fahrzeug wurde am Mittwoch in Hinzerath von einem Spezialtieflader abgeladen. Von unserer Redakteurin Ilse Rosenschild

Hinzerath/Hermeskeil. Ungewöhnlicher Anblick im ehemaligen Sägewerk Hinzerath. Dort steht am Mittwochmittag ein Tieflader, beladen mit einem Schienenbus der Hochwaldbahn Gruppe. Mitarbeiter des Unternehmens aus Hermeskeil bauen an einer Rampe, um das 28 Tonnen schwere Fahrzeug auf einem Nebengleis abzustellen. Das Abladen gestaltet sich schwierig. LKW-Fahrer Dietmar Müller aus dem Erzgebirge schildert das Problem: "Wir haben keinen Lokführer dabei." Deshalb muss das Fahrzeug, Marke VT 55, Baujahr 1960, per Seilwinde vom LKW herunterrollen. Und das geschieht Zentimeter für Zentimeter.

Zwei Stunden später steht der erste Schienenbus, den die Hochwaldbahn Gruppe vor 17 Jahren gekauft hat, da, wo er hingehört: auf der Schiene. Dass das Manöver ausgerechnet in Hinzerath vonstatten geht, hat seinen Grund. Ein Nebengleis eignet sich dafür besonders, weil dort asphaltiert ist und der Tieflader dort gut rangieren kann. Nach Angaben von Hochwaldbahn-Chef Bernd Heinrichsmeyer ist auf den Gleisen zwischen Büchenbeuren und Morbach seit Pfingsten 1998 kein Schienenfahrzeug mehr gefahren.

Das soll sich nach seiner Auffassung bald ändern. Schon im Dezember soll der Bus zwischen Büchenbeuren und Morbach verkehren. In dem Monat will er zunächst ein, zwei Fahrten anbieten. Wie es dann weitergehe, das hänge davon ab, wie sich die Nachfrage entwickle. Zunächst muss er noch eine Hürde nehmen: Er benötigt eine Betriebsgenehmigung. Heinrichsmeyer hofft, dass er darauf nicht lange warten muss.

Kleine Restarbeiten fallen noch an



Erst vor kurzem hatte ein Arbeitstrupp des Unternehmens, Thomas Ensch und Klaus Pfeiffer, das Hauptgleis von Bäumen und Gestrüpp befreit. Kleine Restarbeiten fallen laut Heinrichsmeyer allerdings noch an. Mit dem Vorhaben mehrerer Kommunen, die Bahnstrecke zwischen Morbach und Hermeskeil zu kaufen und zu reaktivieren (der TV berichtete mehrfach), hat das Schienenbus-Projekt der Hochwaldbahn nur indirekt zu tun. Auf dieser Komplett-Strecke will Heinrichsmeyer als lizenzierter Betreiber Güterzüge und Museumsbahnen fahren lassen. Nach einem jüngsten Gutachten müssen dafür 3,3 Millionen Euro investiert werden.

Heinrichsmeyer hatte kürzlich die Strecke gepachtet, um aus den Verhandlungen der Kommunen mit dem Land als Zuschussgeber und der Deutschen Bahn den zeitlichen Druck herauszunehmen. Die letzte Frist für ein Verkaufsangebot der Bahn in Höhe von 600 000 Euro lief Ende September ab.