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Infrastruktur
Droht der Hunsrückbahn das Aus?

Planung_Nationalparkbahn
Planung_Nationalparkbahn FOTO: Lambrecht, Jana / TV
Morbach/Thalfang/Mainz. Ryanair zieht eine Maschine vom Flughafen Hahn ab. Das könnte Auswirkungen auf die Hunsrückbahn haben, die nach Willen von Initiativen und Politikern reaktiviert werden soll. Von Hans-Peter Linz
Hans-Peter Linz

Die irische Fluglinie Ryanair streicht weitere Flüge am Hunsrück-Flughafen Hahn. Damit geht der Betrieb in dem ehemaligen Konversionsobjekt immer weiter zurück, und seine wirtschaftliche Leistung nimmt ab (der TV berichtete am 26. Februar). Auf den ersten Blick könnte man sich fragen, was das mit der Reaktivierung der Hunsrück­bahn zu tun hat. Die beteiligten Landkreise, Kommunen und Initiativen wollen die seit Jahren stillgelegte Gleistrasse im Bereich des Nationalparks Hunsrück-Hochwald wieder für einen Tourismusbetrieb reaktivieren.

Es geht um mehrere Abschnitte des Streckennetzes im Hunsrück, die zusammenhängen: den Bereich Langenlonsheim/Simmmern, den Abschnitt Kirchberg, die Hunsrückquerbahn, die über Simmern, Morbach und Thalfang nach Hermeskeil führt und die Hochwaldbahn Trier-Türkismühle. Die Voraussetzung, dass auch die Abschnitte bei Morbach und Thalfang vom Besucherverkehr angenommen werden, ist der Anschluss über Langenlonsheim an den Rhein. Denn man verspricht sich seitens der Politik viele Besucher aus dem nahen Ballungsraum Frankfurt/Mainz/Wiesbaden.

Ein Blick in den Koalitionsvertrag der amtierenden Landesregierung zwischen SPD, FDP und Bündnis 90/Die Grünen  macht den Zusammenhang deutlich. Dort wird nämlich die Unterstützung der Hunsrückbahn mit dem Verkehrsaufkommen auf dem Hahn verknüpft: „Um die Anbindung der Hunsrückregion zu verbessern, halten wir daran fest, die Hunsrückbahn zu reaktivieren. Hierzu wird das laufende Planfeststellungsverfahren bis zur Erlangung des Baurechts abgeschlossen. Gleichzeitig wirkt das Land darauf hin, das ÖPNV-Angebot zwischen dem Flughafen Hahn, der Kreisstadt Simmern und dem Rhein-Main-Gebiet weiter auszubauen, um das ÖPNV-Angebot in der Region bis zur Aufnahme des Schienenbetriebs zu verbessern.“ Mit dem Abzug der Fluglinien könnte sich das Aufkommen an Passagieren verringern, was sich auf den Bedarf an ÖPNV auswirken könnte. Wie sich die Situation aktuell darstellt, zeigt eine TV-Anfrage  beim rheinland-pfälzischen Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau in Mainz. Pressesprecherin Susanne Keeding sagt: „Derzeit befindet sich die Reaktivierung der Hunsrückbahn in der Planungsphase 4. Die Planfeststellungsverfahren zur Erlangung des Baurechtes werden durch das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) durchgeführt. Aufgrund der Vielzahl von Einwendungen dauert das Verfahren deutlich länger als ursprünglich angenommen. Eine Einflussmöglichkeit seitens des Landes auf die Zeitdauer der Verfahren besteht nicht. Der Planfeststellungsbeschluss wird frühestens Ende des Jahres erwartet.“

Moritz Huckebrink, Pressesprecher des  Eisenbahnbundesamts, bestätigt das. Aktuell seien im Zusammenhang mit der geplanten Reaktivierung der Hunsrückbahn zwei Verfahren anhängig, die die DB Netz AG beim Eisenbahnbundesamt beantragt habe.

Im Abschnitt 1 (Verbandsgemeinde Langenlonsheim bis Simmern) seien im Rahmen der Anhörung 52 Stellungnahmen von Behörden und sonstigen Trägern öffentlicher Belange und 785 Einwendungen von Privatleuten eingegangen. Beim zweiten Planfeststellungsabschnitt (Verbandsgemeinde Kirchberg) seien 39 Stellungnahmen und 62 Einwendungen eingegangen.

Was die Abschnitte Hunsrückquerbahn und Hochwaldbahn betrifft, seien noch keine Verfahren beantragt worden. Wann überhaupt der Abschnitt am Hahn genehmigt werden kann, stehe noch nicht fest. Huckebrink: „Eine zeitliche Prognose ist leider nicht möglich.“

Patrick Pandel, Sprecher der IG  Nationalparkbahn Hunsrück-Hochwald sieht die Entwicklung indes gelassen: „Oberstes Gebot muss es sein, dass der Hunsrück über die Schiene erschlossen wird. Die Fahrgäste vom Hahn wären da nur ein Zubrot.“ In den nächsten Jahren gehe es vorrangig darum, die Strecke überhaupt zu erhalten, bevor es zu einer Inbetriebnahme komme. Pandel: „Was das Mittelstück der drei Teilbereiche betrifft, also die Hunsrückquerbahn von Büchenbeuren bis Hermeskeil, gibt es leider nicht viel Neues zu berichten. Die lokale Politik steht dahinter, aber es gibt eben kaum finanzielle Möglichkeiten. Da muss vom Land ein Impuls kommen!“