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Kommunales
Freibad mit halber Treppe und Ersatzheizung

Die Treppe im Morbacher Freibad ist nur noch teilweise nutzbar.
Die Treppe im Morbacher Freibad ist nur noch teilweise nutzbar. FOTO: TV / Verwaltung Morbach
Morbach. Seit mehreren Jahren wird im Morbacher Haushalt Geld bereitgestellt, um eine Sanierung des Freibades zu planen. Doch wann geplant und wann saniert wird, ist ungewiss. Von Christoph Strouvelle

Wer in den Hitzetagen dieses Sommers eine Abkühlung gesucht hat, den hat es ins Morbacher Schwimmbad gezogen. Gerade in den letzten Tagen der Sommerferien haben zahlreiche Familien und Kinder nochmal die Möglichkeit genutzt, in den Becken des Freibades zu planschen, zu spielen, im 50-Meter-Becken Bahnen zu schwimmen oder vom Drei-Meter-Turm zu springen.

Doch in welchem Zustand ist das Bad, das der Morbacher Bürgermeister Andreas Hackethal von der Anlage her als „sehr attraktiv“ bezeichnet?

Denn die Treppe, die von den Umkleidekabinen zu den Becken führt, ist aus Gründen der Verkehrssicherheit seit mehreren Jahren halbseitig mit Hohlblocksteinen abgesperrt, die oben mit bunten Blumen bepflanzt sind.

Links vom Eingang des Bades ist eine mobile Ersatzheizung zu erkennen, die das Badewasser aufheizt, falls die Solaranlage nicht ausreicht. Sie wird seit fünf Jahren angemietet, da die standardmäßige Heizung nicht mehr funktioniert. Und täglich geht Wasser verloren, bis zu 15 Kubikmeter, das sind 15 000 Liter. Den Gemeinderatsmitgliedern ist offensichtlich bewusst, dass Renovierungsbedarf besteht. Denn seit mehreren Jahren sind im Haushalt der Einheitsgemeinde 20 000 Euro für Planungskosten eingestellt.

In der Morbacher Ortschronik ist vermerkt, dass seit 2005 ein Konzept zur Sanierung und zeitlichen sowie technischen Anpassung der drei Jahrzehnte alten Freibadanlage erstellt wird. Doch warum ist nichts passiert, obwohl der Gemeinderat immer wieder Geld für eine Planung bereitstellt? „Wir haben Planungen im Raum stehen und die Aufgabenstellung erweitert“, sagt Hackethal. „Wir prüfen, ob es nicht Sinn macht, Lösungen anzustreben, die offen sind oder ob es nicht ergänzende Lösungen geben kann.“

Was sollen diese Worte des Bürgermeisters bedeuten? Die Gemeinde prüft, ob es Möglichkeiten gibt, Förderungen zu akquirieren, sagt Hackethal auf Nachfrage. „Wir versuchen verstärkt, eine ganzheitliche Lösung für das Freibad anzustreben.“ Der Gemeinderat habe beschlossen, bis zur Kommunalreform abzuwarten. Dann werde man sich weitergehend mit dem Freibad beschäftigen.

Hackethal sieht das 50-Meter-Becken als Standortvorteil.

„Wir wollen daran festhalten“, sagt er. Doch bestehe das Land bei einer Förderung darauf, dass die Wassermenge reduziert werde. Was eine Verkleinerung der Becken bedeuten würde.

Der Wasserverlust sei ärgerlich, bei einem Kubikmeterpreis von 1,35 Euro jedoch zu verschmerzen. Im Nichtschwimmerbereich sei nach undichten Stellen gesucht, aber nichts gefunden worden.

Wie die Verwaltung mitteilt, beträgt bereits die Verdunstung  bei einer Wasserfläche im Freibad Morbach von 1310  Quadratmeter pro Tag cirka fünf Kubikmeter Wasser. Jeder Badegast verschleppe im Durchschnitt weitere fünf Liter pro Besuch.

Eine DIN-Vorschrift zur „Aufbereitung von Schwimm- und Badebeckenwasser“ schreibt zudem einen  Austausch von mindestens 30 Litern Beckenwasser gegen Frischwasser pro Badegast vor. Dies verhindere eine unerwünschte Anreicherung von Stoffen, die durch die Aufbereitung des Beckenwassers nicht entfernt werden können.

 Bei der Treppe habe es Überlegungen gegeben, diese zu verändern. Doch müsste man eventuell viel Geld in die Hand nehmen und die Treppe in einigen Jahren wieder abreißen. „Die Treppe ist gut begehbar. Wir führen das so fort.“

Eine neue Heizung koste zwischen 70 000 und 100 000 Euro. Daher sei die angemietete Heizung eine kostengünstige Alternative. 2013 hatte der Bürgermeister die Miet- und Unterhaltskosten mit 8000 bis 12 000 Euro pro Jahr angegeben.

Hackethal verweist darauf, dass das Morbacher Freibad ein jährliches Defizit von rund 200 000 aufweise, was im Vergleich zwischen den Bädern relativ günstig sei. Eine Mitarbeiterin der Verwaltung in Rhaunen gibt das Defizit für das dortige Freibad mit 100 000 bis 150 000 Euro an. Dies sei abhängig vom jeweiligen Saisonverlauf. Allerdings verfügt das Rhaunener Freibad nicht über ein 50-Meter-Becken. Das hat das Freibad in Birkenfeld. Hier liegt das Defizit zwischen 280 000 und 310 000 Euro, heißt es aus dem dortigen Rathaus. Dies variiere je nach Saisonverlauf, aber auch nach der Höhe der Investitionen.