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Vereine
Wiedersehen in Weißrussland

Olga Pashkevic mit ihrer jüngeren Schwester und ihrer Gastfamilie aus Trittenheim.
Olga Pashkevic mit ihrer jüngeren Schwester und ihrer Gastfamilie aus Trittenheim. FOTO: privat / TV
Neunkirchen/Trittenheim/Rubel. Nach der Auflösung der Tschernobylhilfe in Neunkirchen hat eine Familie das ehemalige Pflegekind in Weißrussland besucht. Von Hans-Peter Linz
Hans-Peter Linz

Der Verein Tschernobyl-Hilfe in Neunkirchen hat sich im vergangenen Jahr aufgelöst. Nach rund 20 Jahren fanden sich immer weniger Menschen, die bereit waren, Kinder aus der Krisenregion rund um den havarierten Atomreaktor von Tschernobyl aufzunehmen. Allerdings sank auch die Nachfrage. Wie Manfred Bungert vom Verein mitteilte, gab es 1996, als der Verein sich formierte, allein in Rheinland-Pfalz über 50 Hilfsorganisationen, mittlerweile sind es nur noch 20 (der TV berichtete am 8. Oktober 2016).

Viele dieser Organisationen, darunter auch die Tschernobyl-Hilfe aus Neunkirchen, haben für Kinder aus dem Krisengebiet Gastfamilien in der Region vermittelt. Dort konnten die  Kinder ein paar Wochen Urlaub machen, um sich zu erholen, denn die Gesundheit vieler Menschen und vor allem Kinder auch außerhalb der extrem stark verstrahlten Zone war angegriffen.

Eines dieser Kinder war Olga Pashkevich aus dem Dorf Rubel im heutigen Weißrussland. Pashkevich wurde dort im Jahr 2000 geboren. Da sie Rückenprobleme hat, hatten ihre Eltern sie für eine Ferienfreizeit bei der Neunkirchener Tschernobyl-Hilfe angemeldet. Und sie wurde angenommen.

„Ich kam zum ersten Mal 2008 nach Deutschland. Da war ich drei Wochen bei der Familie Kuhn in Trittenheim. Ich war dann noch drei Mal dort und kam später nochmal nach Trittenheim mit meiner jüngeren Schwester. Es war eine sehr schöne Zeit. Die Kuhns haben uns wie ihre eigenen Kinder behandelt.“, sagt Olga Paskevich. Sie seien ihr zur zweiten Familie geworden.

Noch immer gibt es in ihrer Gegend viele Menschen mit gesundheitlichen Problemen. Die Krebsrate in der Region sei sehr hoch, Pashkevich selbst hat eine Knochenerkrankung, Skoliose.

Zu ihrer Gastfamilie hat sie immer noch über das Internet Kontakt. Daher war die Freude groß, als vor wenigen Wochen Besuch vor ihrer Haustür in Rubel stand. Denn sie hatte ihre Gastfamilie nach Weißrussland eingeladen. Alwine und Alfred Kuhn machten sich auf den Weg.

„Wir sind nach Vilnius in Litauen geflogen. Dort wurden wir abgeholt, um dann auf dem Landweg weiter nach Weißrussland zu fahren“, sagt Alwine Kuhn. Das Land ist als nicht-EU-Mitglied immer noch isoliert, da es sich im direkten Einflussbereich Russlands befindet.

„Wir haben in der Nacht zwei Stunden an der Grenze gestanden und mussten viele Papiere ausfüllen, um das Land zu betreten“, sagt Kuhn. Als sie in Rubel ankamen, mussten sie sich dort auf der Polizeistation melden. Aber als sie  endlich  ihr früheres Gastkind in die Arme schließen konnten, waren diese Unannehmlichkeiten vergessen.

„Wir waren überwältigt von der Freundlichkeit  und Gastfreundschaft in Weißrussland. Die haben nicht viel, geben aber, was sie können. Olgas Großvater geht mit 70  Jahren immer noch auf den Bau arbeiten, die Oma mit 69 Jahren macht Landwirtschaft, baut Kartoffeln an und hält noch Schweine. Die Leute dort müssen wirklich hart arbeiten“ ,erzählt Alwine Kuhn.

Dennoch sieht sie auch Positives: „Das ist ein so weites Land  — die Menschen dort leben ruhiger, auch wenn es stellenweise noch aussieht, als sei der Krieg gerade vorbei.“

Für Alwine Kuhn steht fest: „Ich würde jederzeit wieder ein Gastkind aufnehmen.“