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Gebührenerlass als Anreiz

Treue Stammkunden von Petra Eisele und Franz-Udo Heitchen (von links) sind Monika Thömmes, Monika Bohn und Ingrid Merten.Foto: Ilse Rosenschild
Treue Stammkunden von Petra Eisele und Franz-Udo Heitchen (von links) sind Monika Thömmes, Monika Bohn und Ingrid Merten.Foto: Ilse Rosenschild
MORBACH. Die Gemeinde Morbach will den Wochenmarkt ab 1. Januar selbst betreiben und zu seiner Belebung ein Jahr lang auf Gebühren verzichten. Das hat der Morbacher Gemeinderat einstimmig beschlossen. ARRAY(0x93459148)

Mittwochmorgen, Pont-sur-Yonne-Platz. Das Thermometer zeigt Minusgrade. "Haste mal 'ne Tasse Kaffee?", fragt Siegbert Winkel am Stand von Hiltrud Gätz. Wie so häufig mittwochs halten dort ein paar Männer im Rentenalter ein Schwätzchen und wärmen sich mit Glühwein oder Kaffee auf. Die Bäckersfrau freut sich, dass die Männer so zielstrebig ihren Stand anlaufen: "Wenn die nicht wären, käme ich gar nicht mehr." Bei 15,60 Euro Standgebühren inklusive Strom lohne sich der Aufwand kaum. Hohe Anfahrtskosten hat sie allerdings nicht. Denn das Ladengeschäft befindet sich nur wenige hundert Meter entfernt.Händler zahlen ein Jahr kein Standgeld

An sechs, sieben Ständen bieten derzeit mittwochs auf dem Platz an der Kirche Händler ihre Waren an: Bäcker, Metzger, ein Obst- und ein Fischverkäufer, ein Händler verkauft Bio-Eier. "Im Frühjahr kommen wieder mehr", ist Franz-Udo Heitchen aus Malborn überzeugt, der gerade einer Kundin den Rosenkohl in den Korb packt. Früher sei das Angebot größer gewesen. Aber der Termin mitten in der Woche sei ungünstig. Allerdings - ein anderer Tag komme für ihn auch nicht in Frage. Die Gemeinde Morbach ist mit dem Markt in der Form nicht zufrieden. Deshalb will sie das Heft des Handelns wieder selbst in die Hand nehmen. Vom 1. Januar an soll die Organisation des Markts beim Rathaus liegen. Was verspricht man sich davon? Zunächst habe die Kommune selbst wieder Einfluss auf das Marktgeschehen, erklärt Theo Gätz vom Rathaus. Als Initialzündung will die Gemeinde ein Jahr lang die Standgebühren erlassen. Das wurde einstimmig im Gemeinderat beschlossen. Der Gebührenerlass solle zunächst die derzeitigen Händler motivieren, weiterzumachen, aber auch ein Anreiz für Dritte sein, ihre Waren auch mal probehalber in Morbach anzubieten. Dass neue Händler nicht von allein kommen, ist auch Bürgermeister Eibes klar. "Wir werden auch auf Märkte gehen und mit Händlern sprechen", versichert er. Auch andere Ideen wurden angedacht, aber wieder verworfen. Zum Beispiel der Wechsel auf einen anderen Wochentag: Damit verprelle man eventuell die wenigen Händler, die noch da seien. Das sieht Uwe Andretta, Sprecher der Fraktionsgemeinschaft grüne Liste im Gemeinderat, etwas anders: Seine Gruppierung habe Kontakte mit Selbstversorgern aus dem Öko-Sektor aufgenommen. Einige hätten großes Interesse an einem Regio-Markt auch am Samstag gezeigt. "Morbach ist ein schwieriges Pflaster", meint dagegen Thomas Candidus von der DMG-Marktgilde aus Eschenburg, die bisher den Markt organisiert hat. Drumherum gebe es keine große Händlerdichte. Wer lange Anfahrtszeiten habe, für den rentiere es sich kaum noch. Allein ein Metzgersfahrzeug koste 50 000 Euro - ohne Klimaanlage. Derzeit hat Candidus mit Morbach ein anderes Problem. Dass die Gemeinde den Markt ab 1. Januar betreibt, "darüber ist das letzte Wort noch nicht gesprochen", erklärt er. Sie habe die Kündigungsfrist nicht eingehalten. "Wir hatten rechtzeitig gekündigt", betont dagegen Gätz. Das Ganze sei in der Zwischenzeit geklärt.