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Gesucht, gefunden und doch verloren

Ein Leben lang auf Vatersuche: Dagmar Koch aus Heidenburg. Ein Foto (links) war eine der wenigen Hinweise, die sie besaß. Die neue Familie schickte ihr ein Bild ihres verstorbenen Vaters mit einem seiner Enkelkinder. TV-Foto: Ilse Rosenschild
Ein Leben lang auf Vatersuche: Dagmar Koch aus Heidenburg. Ein Foto (links) war eine der wenigen Hinweise, die sie besaß. Die neue Familie schickte ihr ein Bild ihres verstorbenen Vaters mit einem seiner Enkelkinder. TV-Foto: Ilse Rosenschild
Im vergangenen Jahr wandte sich Dagmar Koch aus Heidenburg an den Trierischen Volksfreund in der Hoffnung, die Zeitung könne ihr bei der Suche nach ihrem Vater, einem amerikanischen GI, helfen. In der Zwischenzeit hat sie ihn gefunden. Doch es gab kein freudiges Wiedersehen. Und es wird auch keines geben. Denn ihr Vater ist bereits seit 15 Jahren tot. Von unserer Redakteurin Ilse Rosenschild

Heidenburg/Bitburg. Wer kennt die Redensart von der Nadel im Heuhaufen, die es zu finden gilt, nicht? Dagmar Koch hatte sich diese Suche zu einer Lebensaufgabe gemacht. Sie suchte ihren leiblichen Vater, von dem die 45-jährige Mutter dreier Kinder lange nicht viel mehr wusste als seinen Vornamen.Die kleine Dagmar wuchs in Trier auf. Mit sechs Jahren erfuhr sie, dass die Menschen, die sie für ihre Eltern hielt, ihre Großeltern sind. Kontakte zur Mutter gab es lange nicht. Sie hatte mit der "Schande", ein uneheliches Kind von einem amerikanischen GI zu haben, vieles verdrängt, anscheinend sogar des Nachnamen des Kindvaters. Die Tochter erfuhr auch später nur Bruchstücke: dass ihr Vater Jimmie oder James hieß, vor ihrer Geburt in Bitburg stationiert war, eine Schwester namens Linda hatte und aus Oklahoma stammte.Dagmar Koch hatte immer geglaubt, "dass es irgendwann klappt". Sie schaltete Anzeigen in amerikanischen Zeitungen, versuchte über deutsche Medien Menschen zu finden, die in den 60er-Jahren Kontakt zu ihren Eltern gehabt hatten. Und sie stieß schließlich im Internet auf ein Netzwerk von Menschen, die bereits in einer ähnlichen Situation waren und nun anderen ihre Erfahrung zur Verfügung stellten. Eine Frau aus England unterstützte sie in besonderer Weise und versuchte, über den Behördenweg in den USA herauszufinden, welche "Jimmies" in der mutmaßlichen Einheit in Bitburg stationiert waren. Sie schrieb zahlreiche Ex-Soldaten an, die in Frage kamen, insgesamt 150. Schon früh war ein Mann namens Jimmie Dean Choate der Favorit der engagierten Engländerin.Auch Dagmar Koch ließ nicht locker. Durch ein Gruppenbild von ihrem Vater und seinen Kameraden fand sie übers Internet die Namen zweier Kumpel ihres Vaters und gab sie weiter. Ihre Kontaktfrau machte einen von ihnen ausfindig. Und der schuf endlich Gewissheit: Der Name des geheimnisvollen Unbekannten auf dem Foto war Jimmie Dean Choate. Inzwischen hat sie Kontakt zur Familie, vor allem zu ihrem Halbbruder Clifford. Er war es, der die Familie informierte, auch die Schwester seines Vaters, die angebliche Linda, die in Wirklichkeit Louella heißt. Von den Geschwistern ihres Vaters, die von der Existenz ihrer Nichte in Deutschland wussten, erfuhr sie weitere Einzelheiten. Der GI wollte damals seine schwangere Freundin nach Amerika holen, doch das Geld habe nicht gereicht. Sie bestätigten die Familienlegende, dass Briefe mit Fotos und Päckchen mit Babykleidung über den großen Teich geschickt wurden. Und doch: Schon kurze Zeit nach seiner Rückkehr in die USA hat der junge Vater eine andere Frau geheiratet. Dass er schon früh starb, stimmt Dagmar Koch traurig. Doch sie kann den Geschehnissen auch eine positive Seite abgewinnen: "Ich habe endlich meine Wurzeln gefunden." Und vier Halbgeschwister, zu denen sie Kontakt halten will.Wer sich für die Geschichte von Dagmar Koch und anderen Frauen in ihrer Situation interessiert: Im SWR Fernsehen ist heute, Freitag, ab 18.15 Uhr im Fernsehen die Dokumentation "Mein geliebter Rabenvater. Soldatentöchter auf Spurensuche" zu sehen.