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Glocken in Hinzerath "läuten Pies"

Hinzerath. Hinzerath (cst) Das Läuten der Glocken ist in Hinzerath ein aktuelles Thema. Da die Glocken einen Verstorbenen wegen Baufälligkeit des Glockenstuhls in der neuen Kirche nicht mehr auf dem letzten Weg begleiten, hat den Vorstand der Frauengemeinschaft sogar veranlasst, an den Papst zu schreiben (der TV berichtete).

Erfahren doch die Hinzerather von der Hand des Küsters Jörg Gorges, ob jemand gestorben ist. Denn sobald dieser von einem Sterbefall in Hinzerath Kenntnis erhalten hat, geht er abends gemeinsam mit seinem 78-jährigen Vater Franz-Josef Gorges in die Kapelle aus dem Jahr 1669 und läutet gegen 18 Uhr von Hand das Totengeläut, landläufig auch "Pies" oder "Zinken" genannt. "Aber nur, wenn die Angehörigen das möchten", sagt er. Gelegentlich läutet es auch einen Tag später, wenn Gorges wegen seiner Arbeit verhindert ist. Über den Sommer sehen die beiden in der Kapelle durch das Tageslicht, das durch die Fenster kommt. In der dunklen Jahreszeit behelfen sie sich mit einer Taschenlampe. Bis zu fünf Minuten dauert das Totengeläut. Der Begriff "Pies läuten" ist vermutlich von dem Wort Pietät abgeleitet, sagt der Morbacher Heimatforscher Hermann Bohn, der sich ausführlich mit Hunsrücker Brauchtum befasst. Der Begriff "Zinken" komme vom Anschlag der Glocke.