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Grabungen im Belginum vor dem Aus

Wederath. Werden die Grabungen im Archäologiepark Belginum nach mehr als 50 Jahren eingestellt? Der Bürgerservice Trier, der bislang die Ein-Euro-Jobber dafür beschäftigt hat, wird dies ab kommendem Jahr jedenfalls nicht mehr tun. Marion Maier

Wederath. Bereits seit 1954 gibt es archäologische Grabungen beim heutigen Museum Belginum. Für Museumsleiterin Rosemarie Cordie ist das nicht verwunderlich. "Das hier ist eine der bedeutendsten archäologischen Fundstellen in Mitteleuropa", sagt sie. Die Funde im keltisch-römischen Gräberfeld, das Belginum so bekanntgemacht habe, zeigten, wie die einheimische Bevölkerung nach und nach die Sitten und Bräuche der Römer übernommen hätten. Zu dem "einmaligen Ensemble" gehörten außerdem eine Siedlung, mehrere Tempelbezirke und ein Militärlager.
Doch werden im Archäologiepark Belginum vermutlich bald die Schaufeln in die Ecke gestellt. Denn für die 20 Ein-Euro-Jobber des Bürgerservice Trier, die derzeit dort graben - früher taten das Menschen aus den Dörfern, Studenten und auch Mitarbeiter des Rheinischen Landesmuseums Trier - ist kein Geld mehr da.
Der Bürgerservice muss die Ein-Euro-Job-Projekte aufgrund von Kürzungen im Bundeshaushalt ab 2012 einstellen (der TV berichtete). Beigeordneter Hans Jung, der zurzeit die Amtsgeschäfte des Bürgermeisters führt, sagt dazu: "Das bedauern wir." Die Ein-Euro-Jobber, in der Regel Langzeitarbeitslose, werden laut Jung dann nicht nur im Belginum fehlen. Sie haben bisher auch bei der Herstellung von Wanderwegen und Arbeiten in der Energielandschaft geholfen. Für die letztgenannten Arbeiten müssten Mitarbeiter des Bauhofs eingesetzt werden. "Wie es im Belginum weitergeht, dazu möchte ich mich nicht äußern", sagt Jung. Der neue Bürgermeister, der am Sonntag gewählt wird, müsse entscheiden, welche Initiativen er ergreife. Jung betont jedoch: "Wir wollen das Belginum auf jeden Fall weiterbetreiben. Es ist eine wunderschöne Einrichtung."
Die Mehrheit des Morbacher Gemeinderats sieht bereits die bestehenden Ausgaben für das Belginum kritisch, insbesondere vor dem Hintergrund des nicht ausgeglichenen Haushalts 2011. Auf Antrag von CDU, FWM, SPD und Grüne wurden deshalb die Öffnungszeiten ab 2012 auf sieben Monate verkürzt. In dem Antrag wiesen die Fraktionen auch daraufhin, dass es nicht Aufgabe der Gemeinde sein könne, die wissenschaftliche Begleitung und die Ausgrabungen im Belginum zu tragen. Sie forderten die Unterstützung des Landes. Dem erteilte das Kulturministerium wiederum eine Absage. Aus Gründen der Gleichbehandlung könne das Land diese Kosten nicht übernehmen, hieß es.
Das mögliche Aus der Grabungen wäre für Museumsleiterin Cordie ein großer Verlust. Sie sagt: "Die Grabungen und das Museum gehören zusammen. Die Leute schauen sich die Grabungen immer an und haben das Gefühl: Da tut sich was." Die Grabungen seien auch Grundlage neuer Ausstellungen und vieler Führungen. Zudem hätten sie in den vergangenen Jahren eine Fülle interessanter Funde zutage befördert. Cordie sieht noch enormes Potenzial. Gerade ein Prozent der Kernbesiedlung sei bislang untersucht.Meinung

Mehrfach bedauerlich
Wenn die Grabungen im Belginum tatsächlich Ende des Jahres wegen Geldmangels beendet werden, dann ist das aus mehreren Gründen bedauerlich. Der Archäologiepark wird dann um eine wichtige Attraktion ärmer. Mehr Besucher anzulocken, wie im Gemeinderat gefordert, wird so nicht gelingen. Die im Schnitt bislang 10 000 Neugierigen pro Jahr werden eher weniger. Das täte auch dem Tourismus nicht gut. Der Wissenschaft bleiben ohne Grabungen vermutlich erstmal viele neue Funde und Erkenntnisse verborgen. Und auch für die derzeit Grabenden wäre der Verlust ihrer Beschäftigung schwierig. Viele von ihnen sind Langzeitarbeitslose, denen das Projekt neuen Halt gibt. m.maier@volksfreund.de